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OpenAI erreicht neues User- und Abo-Hoch: Stoppt CancelChatGPT den Höhenflug?
© Steve Jurvetson, Wikimedia Commons, CC BY 2.0 und OpenAI via Canva

OpenAI erreicht neues User- und Abo-Hoch: Stoppt CancelChatGPT den Höhenflug?

Larissa Ceccio | 02.03.26

ChatGPT wächst rasant und OpenAI meldete kürzlich Rekordzahlen bei Usern und Abos. Gleichzeitig sorgt der Pentagon-Vertrag für Protest und die Werbeoffensive für Kritik. Kippt das Vertrauen in das KI-Unternehmen?

900 Millionen Menschen nutzen ChatGPT inzwischen jede Woche, 50 Millionen zahlen für ein Abo. Diese Zahlen hat der ChatGPT-Produktchef Nick Turley jüngst auf LinkedIn veröffentlicht. Der Januar und der Februar dieses Jahres waren laut Turley die stärksten Monate für Subscriber-Wachstum seit Bestehen des Produkts.

Mit neuen Höchstständen in der Nutzung baut OpenAI parallel die eigene Erlöslogik aus: Shopify-Händler:innen können über Shop Campaigns in ChatGPT werben, erste Ads sind in den USA live, große Marken testen das Umfeld. Die Reichweite stellt das Publikum und Ads, Abos und Commerce-Funktionen definieren das Geschäftsmodell.

Während ChatGPT sich zur multifunktionalen Plattform entwickelt, geriet OpenAI am Wochenende unter politischen Erklärungsdruck: Das Unternehmen hatte sich kurzfristig einen Deal mit dem US-Verteidigungsministerium gesichert, nachdem Verhandlungen zwischen Anthropic und dem Pentagon gescheitert waren, wie unter anderem der SPIEGEL und CNN berichten.



Shopify Merchants können jetzt auf ChatGPT werben

Smartphone Mockup mit Ad bei ChatGPT, Violett im Hintergrund
© OpenAI via Canva


ChatGPT erreicht Plattformniveau und gerät unter Druck

Nick Turley beschreibt ChatGPT als Startpunkt für viele Menschen im Umgang mit KI, und zwar für ganz vielfältige Jobs: Texte schreiben, Code entwickeln, recherchieren, Reisen planen, Produkte finden, Aufgaben organisieren. Genau diese Alltagsintegration erklärt die neue Größenordnung. Mit 900 Millionen wöchentlichen Nutzer:innen bewegt sich ChatGPT inzwischen auf Plattformniveau. Die 50 Millionen zahlenden Abonnent:innen zeigen zudem, dass KI-Subscriptions im Massenmarkt angekommen sind.

Diese Dynamik wirkt zurück auf das Produkt selbst. Turley verweist darauf, dass steigende Nutzung schnellere Lern- und Optimierungszyklen ermöglicht. Feedback aus hunderten Millionen Interaktionen fließt kontinuierlich in Systemverbesserungen ein – in Reaktionsgeschwindigkeit, Stabilität und sprachliche Natürlichkeit.

Mit den jüngsten Rekorden erreicht ChatGPT eine Dimension, die man von globalen Tech-Playern wie Google oder Meta kennt. Entscheidungen wirken nicht mehr auf ein Produkt, sondern auf einen digitalen Raum mit hunderten Millionen aktiven Nutzer:innen und einem wachsenden Werbe- und Handelsökosystem. In den USA sehen Nutzer:innen der Free- und Go-Stufen inzwischen Werbung im Chat. Über Shop Campaigns können Shopify-Händler:innen ihre Produkte direkt im Dialog bewerben, Marken wie Adobe oder Audible testen das Format bereits. Günstig ist das jedoch nicht: Der Preis liegt bei rund 60 US-Dollar pro 1.000 Einblendungen, hinzu kommen hohe Mindestbudgets für frühe Werbepartner:innen.

Zudem hat OpenAI kürzlich eine umstrittene Vereinbarung mit dem US-Verteidigungsministerium geschlossen, nachdem Verhandlungen zwischen Anthropic und dem Pentagon gescheitert waren. Im Zentrum stand die Frage, unter welchen demokratisch legitimierten und rechtlich verbindlichen Grenzen KI im sicherheitsrelevanten Bereich eingesetzt werden darf. Anthropic hatte auf ausdrücklich vertraglich fixierten Einsatzbeschränkungen bestanden, darunter ein Verbot inländischer Massenüberwachung und den Ausschluss vollständig autonomer Waffensysteme ohne menschliche Kontrolle. Als diese Bedingungen nicht durchgesetzt wurden und das Unternehmen politisch unter Druck geriet, etwa durch die Einstufung als „Supply-Chain Risk to National Security“ und die Anordnung, Anthropics Technologie aus Bundesbehörden zu entfernen, brachen die Gespräche ab.

OpenAI schloss kurz darauf eine eigene Vereinbarung, die den Einsatz der KI-Modelle in klassifizierten Netzwerken erlaubt; auch hier ist von Sicherheitsprinzipien und roten Linien die Rede, doch Details zu unabhängiger Kontrolle, parlamentarischer Aufsicht und technischer Durchsetzbarkeit dieser Zusagen bleiben bislang nur begrenzt öffentlich nachvollziehbar. Massenüberwachung und den Einsatz für autonome Waffen werden aber ebenso im OpenAI Deal negiert.

CancelChatGPT: Trend oder Wendepunkt?

Der Pentagon Deal hat nicht nur politische Debatten ausgelöst, sondern auch direkte Marktreaktionen. Mit CancelChatGPT.com ist eine eigene Website entstanden, die Kritik an OpenAI bündelt und Nutzer:innen konkrete Anleitungen zur Account-Löschung bietet. Popstar Katy Perry teilte auf X einen Screenshot der Claude-Preisseite mit markiertem 20-Dollar-Pro-Abo, andere posten Kündigungsbestätigungen neben neuen Rechnungen von Anthropic. In Reddit Threads rufen Dutzende dazu auf, ChatGPT zu verlassen. Anthropics Claude überholte ChatGPT zeitweise und rangierte auf Platz eins der meistgeladenen Produktivitäts-Apps im Apple App Store in den USA sowie ebenfalls auf Platz eins in Deutschland und Kanada. Kritiker:innen verweisen jedoch darauf, dass auch Anthropic staatliche Kooperationen unterhält, etwa mit Palantir und Amazon Web Services, die ebenfalls den Einsatz von KI-Modellen im sicherheitsrelevanten Kontext ermöglichen.



1 Million Tokens und stärkere Agents: Anthropic stellt Claude Sonnet 4.6 vor

Claude Sonnet 4.6-Illustration.
© Anthropic via Canva


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