RTB - Real Time Bidding

Yieldlove: Wie dieses junge Team aus Hamburg etablierte Agenturen und Vermarkter aussticht

Vom Restplatz-Vermarkter zur Konkurrenz für die Großen der Vermarktungsbranche – ein Startup geht jetzt von der Wohnzimmerstimmung in die Professionalität.

Das Yieldlove Büro in Hamburg

Das Yieldlove Büro in Hamburg

Real-Time Advertising ist ein gigantisches Ökosystem und bietet viel Raum für neue Player im Markt. Doch wie kommt man eigentlich auf die Idee, ein Startup auf diesem Sektor zu gründen? Und wie macht man das Ganze auch noch erfolgreich? Wir statteten Yieldlove einen Hausbesuch ab, um genau diese Fragen zu beantworten. Das Hamburger Startup betreibt Yield Optimization und kann als ein gutes Beispiel für ein Unternehmen dienen, das aus dem Nichts geschaffen wurde und mittlerweile ein respektables Business aufgebaut hat.

Eine schlaue Idee macht etwas Abstraktes zu Geld

Das Gründer-Team von Yieldlove besteht aus Benjamin Gries, Account Director, Timo Hagenow, Sales Director, und Ivan Tomic, Technical Director. Benjamin und Timo lernten sich im MBA-Studium an der Hamburg Media School kennen, wo sie auch das erste Mal mit Online-Werbung in Kontakt gerieten. Durch ein Praktikum kamen sie mit RTB in Berührung und trafen auf Ivan.

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Das ist spannend, das machen wir!

Etwas Immaterielles, also nicht Greifbares und Abstraktes, in Geld zu verwandeln, erschien auf Anhieb faszinierend. Noch während des Masterstudiums 2012 fassten die beiden Studenten mit dem Freelance Entwickler zusammen den Entschluss, selbst ein Startup in dieser Nische auf dem B2B-Sektor zu etablieren.

Die drei Gründer Timo Hagenow, Benjamin Gries und Ivan Tomic (vrnl)

Die drei Gründer Timo Hagenow, Benjamin Gries und Ivan Tomic (vrnl)

“Yieldlove war eigentlich ein Arbeitstitel”

In der ersten Nacht nach dieser Entscheidung hatten die drei bereits den ersten Kunden, dabei existierte das Unternehmen noch nicht einmal offiziell. Dafür musste zunächst ein Name her. Da zuvor schon mal der mehr oder weniger ernsthafte Gedanke aufkam, einen Yield-Optimierer für die Pornobranche aufzubauen, stand der Name “Yieldlove” bereits im Raum. Von dieser Idee haben sich Ivan, Benjamin und Timo jedoch ziemlich schnell verabschiedet, obwohl sie noch immer großes Potential auf diesem Gebiet sehen:

Auch wenn Pornhub und Co. abartig viel Traffic generieren, ist man dann immer der Typ aus dem Pornobusiness,

meint Gries dazu. Der Name wurde trotzdem beibehalten. Zwar werden sie jetzt gelegentlich mit einer Datingbörse assoziiert, doch letztendlich zählt die Performance.

Yieldlove bei der Arbeit

Yieldlove bei der Arbeit

“Dieses ganze hippe, hier PR und da eine Party, war nie unser Ansatz – uns ging es darum, ein nachhaltiges, profitables Business aufzubauen”

Das Unternehmen wurde aus dem Freundeskreis heraus gegründet und daher stand Bootstrapping auf dem Programm, also ohne Fremdkapital nur aus dem eigenen Cash-Flow finanzieren, zunächst sogar ohne eigenes Büro. Das wurde im Nachhinein mit den ersten Umsätzen angemietet.

Dabei positioniert sich Yieldlove als klassisches Intermediärs-Business zwischen Publisher und Technologieplattformen wie SSPs oder Performance-Netzwerke. Teilweise wird auch direkt mit Agenturen zusammengearbeitet. Grundsätzlich geht es laut Hagenow unter Einsatz von statistischen Modellen und Machine Learning darum:

Wir optimieren jeden Parameter, den man irgendwie tweaken kann, möglichst dynamisch, möglichst häufig und möglichst automatisiert.

Die Hamburger setzten auf Skalierbarkeit und schraubten das Geschäft so mit einem immer noch relativ kleinen Team in die Höhe. Ivan brachte Kontakte nach Kroatien mit, ein eher ungewöhnlicher Markt, der jedoch gut funktionierte. Mittlerweile ist Yieldlove neben der DACH-Region auch in Südeuropa aktiv

“Wir gehen jetzt von der Wohnzimmerstimmung in die Professionalität über”

Momentan besteht das Startup aus zehn Mitarbeitern, bis zum Ende des Jahres sollen es 15 sein. Aus dem Restplatz-Vermarkter ist eine Konkurrenz zu klassischen Vermarktern entstanden, die rund 80 Kunden betreut. Kleinere Websites aus dem Game- und Sportbereich, die teilweise von größeren Unternehmen gekauft wurden, ebneten den Weg zu größeren Publishern. Der Fokus liegt nun auf Full-Service für bestmögliche Monetarisierung von Online-Werbeinventar. Das Team nimmt Publishern die Inhouse-Optimierungsarbeit ab, kann durch die eigene Technologie bessere Preise erzielen und die Performance erhöhen:

Bei großen Publishern können wir ein mehrköpfiges Yield-Team ersetzen und trotzdem eine bessere Performance liefern.

90 Prozent der Testläufe gewinnt das Startup, nur gut zehn Prozent steigen wieder aus. Die Big Player aufseiten der SSPs sind mittlerweile integriert. Für 2016 sind weitere Investitionen in ihre Technologie geplant, um Nutzer noch gezielter wiederzuerkennen und konsequent Optimierung auf Impressionsbasis realisieren zu können

Das komplette Yieldlove-Team im neuen Büro

Das komplette Yieldlove-Team im neuen Büro

Ein Blick auf die Marktsituation

Reichweitenstarke Seiten kann man durch Premium-Vermarktung gar nicht mehr so monetarisieren, wie das durch eine intelligente RTB-Vermarktung möglich ist.

Der Markt für Display Advertising konsolidiert sich nach Meinung der Gründer weiter. Immer mehr Budgets werden programmatisch eingesetzt. Durch die neuen technologischen Möglichkeiten, seine Zielgruppe exakt zu identifizieren und fast überall ansprechen zu können, wird das Umfeld immer weniger wichtig – es zählt die Performance der Kampagnen.

Diese Marktentwicklung sehen sie aber auch problematisch, weil Qualität von Reichweite abgelöst wird. Die Gefahr besteht, dass Anbieter, die hochwertige (journalistische) Inhalte bereitstellen zunehmend Clickbait-Projekten, die mit relativ günstigen Content über Social Media riesige Reichweiten und Umsätze generieren, weichen.

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