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Einstieg: Twitter endlich verstehen zum 10. Geburtstag

Was können normale Menschen mit Twitter anfangen? Und Online Marketer? Ralf Scharnhorst gibt Einblicke für Einsteiger.

© flickr /  Esther Vargas, CC BY-SA 2.0

© flickr / Esther Vargas, CC BY-SA 2.0

In den Nachrichten wird Twitter oft zitiert, weil dort Meldungen als erstes auftauchen. Aber wie findet man sich bei Twitter zurecht – ist das nur etwas für Journalisten, Politiker und Promis?
Twitter startete auf Basis von SMS, daher sind die Nachrichten noch heute auf maximal 140 Zeichen beschränkt. Der Vorteil: Man kann eine riesige Vielfalt von kurzen Nachrichten sehr schnell lesen – man scrollt durch die Überschriften. In den meisten Fällen steht ein Link dabei, unter dem man sich in das Thema vertiefen kann. So kamen die URL-Shortener auf, Dienste wie bit.ly oder goo.gl, die eine lange URL verkürzen und damit für Twitter passend machen.

Der Nachteil: Es ist kein Blog, auf dem man sich in beliebiger Länge auslassen kann. Twitter hat jetzt bestätigt, dass es die 140-Zeichen-Grenze nicht verändern will und „Microblog“ bleibt.
Twitter wollte immer das einfachste Social Network sein. Das beschränkt den Ausbau der Funktionen naturgemäß. Und dann kam Instagram – verspottet als „Twitter für Leute, die nicht schreiben können“. Dort muss man nur ein Foto posten. Twitter zog nach, Tweets mit Foto sind inzwischen sehr beliebt.

Wie schafft man den Einstieg als User?

Man kann dank der Suche bei Twitter auch ohne Anmeldung mitlesen und Themen suchen. Die momentan am meisten getweeteten Begriffe stehen auch dort. So finden Journalisten neue Themen. Oder Tatort-Zuschauer am Sonntagabend Gleichgesinnte, um über den Krimi zu lästern.

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Was sind Hashtags?

Themen werden mit einem #Hashtag gekennzeichnet: einer Raute, die vor dem Begriff steht. Das ist besonders praktisch für Events: auf Konferenzen wie z.B. der #d3con oder #OMR16 werden die spannendsten Aussagen mitgeschrieben und Fotos von Präsentationen hochgeladen. Der prominente Redner erzählt Unsinn? Sag Deine Meinung dazu auf Twitter. Gab es Sensationen auf der CeBIT-Messe dieses Jahr? Einfach nachsehen unter #cebit . Weil jeder User diesen Hashtag selber setzen kann, wird für viele Veranstaltungen die Jahreszahl mit verwendet, um Verwechslungen zu reduzieren – ein Blick lohnt also auch auf #cebit16  und #cebit2016. Groß- und Kleinschreibung ist dagegen egal. Und so fühlen sich auch Events, auf die nur ganz wenige Menschen eingeladen werden wie Burda’s DLD oder das Weltwirtschaftsforum an, als wäre man dabei.

Einseitige Freundschaften möglich

Wenn man auf die Autoren der Tweets klickt, sieht man, wer eventuell neben einem im Raum sitzt. Und kann Twitter-Nutzern, von denen man mehr als einen Tweet interessant findet, dauerhaft folgen. Aus den Meldungen der Nutzer, denen man folgt, stellt sich die eigene „Timeline“ zusammen. Im Gegensatz zu Facebook muss diese „Freundschaft“ nicht vom Gegenüber bestätigt werden. Daher kommt der Spruch „Auf Facebook sind die, mit denen du auf die Schule gegangen bist, auf Twitter die, mit denen du gerne gegangen wärest.“ So kann man Barack Obama oder Edward Snowden mit einem Klick folgen. Beide sind übrigens verifizierte Nutzer mit dem hellblauen Haken – es gibt auch viele Fälschungen auf Twitter wie z.B. Donald Trunp. Diese „einseitigen Freundschaften“ fand Facebook so gut, dass es das nachgemacht hat. Jeder Facebook-User kann einschalten, dass man ihm folgt, ohne dass die Freundschaft bestätigt ist. Profi-Twitterer schauen dennoch regelmäßig in die Meldungen ihrer neuen Follower, um interessante Menschen aus dieser Liste dann auch zu abonnieren („follow back“). Weil gemeinsame Themen und nicht gemeinsame Vergangenheit dabei die Nähe definieren, kann es sehr spannend sein, seinen langjährigen Twitter-Kontakten irgendwann auf einer Veranstaltung zu begegnen: „auf Facebook hast du die Kontakte, mit denen du etwas gemeinsam hattest, auf Twitter die, mit denen du in Zukunft etwas gemeinsam hast“. Den #Hashtag hat Facebook auch übernommen – er wird aber wenig verwendet, weil Facebook nicht auf Suchfunktionen basiert. Bei Facebook bleibt man unter sich.

 

Ausbruch aus der Filterblase

Vor zehn Jahren habe ich einmal auf den Medientagen (#mtm06) gesagt: „Weshalb sollte ich das sehen wollen, was mir und Millionen anderen Pro7 um 20:15 vorsetzt und das lesen wollen, was der Spiegel denkt, das ich lesen sollte? Ich will sehen, was meine Freunde sehen und lesen, was meine Kollegen lesen.“ Genau das ist inzwischen mit Facebook und Xing möglich. Daraus entsteht aber die sogenannte „Filter Bubble“ – die Welt wird zum Dorf. Ich lese, was ich schon weiß, von Menschen, die ich schon kenne. Meine Meinung wird nur bestätigt, nicht herausgefordert. Bei manchen führt das zu Radikalisierung – wenn sie sich durch Gleichgesinnte in ihrem Facebook-Umfeld immer weiter bestätigt fühlen. Wie gelingt der Ausbruch aus dieser Filterblase? Jede Woche eine Zeitung kaufen? Am besten eine, die man noch nie gelesen hat? Oder ganz unterschiedlichen Menschen auf Twitter folgen und in kurzen Pausen in der U-Bahn reinschauen? Damit der Spaß nicht zu kurz kommt, sondern 140 Zeichen kurz, gibt es auf Twitter auch jede Menge sinnfreies zu lesen. Und natürlich Katzenfotos. Nicht zu vergessen: Hundefotos.

Retweeten für Feiglinge

Wer das lustig findet, kann es einfach „Retweeten“ – damit wird es in die eigenen Tweets übernommen und den Followern in der Timeline angezeigt. Was tun, wenn der Mut zum Retweet fehlt? Ein „RT@“ ist immer auch ein wenig Zustimmung. Die kleinere Variante ist das Herzchen, früher „Favorite“ genannt. Wer das Herz klickt, schickt eine Fave-Meldung an den Autor und speichert den Tweet in seiner Favoriten-Liste. So kann man die Links hinter den Tweets später nachlesen. Trotzdem: „faven“ bleibt „retweeten für Feiglinge“ und einen Retweet zuviel kann man notfalls später löschen. „To tweet“ bedeutet zwitschern – daher die Vögel als Symbol. Oft wird statt „tweeten“ auch von „twittern“ gesprochen – das klingt leider, als würde man „waschmaschinern“ statt „waschen“ sagen oder „automobilisieren“ statt „fahren“. Dabei gilt auf Twitter noch das Motto, das vor vierzig Jahren an jeder Telefonzelle stand: „fasse Dich kurz!“. Es gibt auch Philosophen, die es schaffen, große Weisheiten in 140 Zeichen zu packen. Einer davon ist Sascha Lobo – Pflichtlektüre für alle Texter in Werbeagenturen.

Die gesamte Vielfalt von Twitter kann man ohnehin nicht erklären, man muss sie erleben. Ein Startpunkt dazu ist #Twitter10.

Kann man auf Twitter auch werben?

Die Vermarktung hat sich Twitter von Facebook abgeschaut. Es ist jedoch seltener und meist teurer. Das spannende Detail: Man kann weit besser als in anderen Medien seine Kampagne auf die Zielgruppe von Wettbewerbern ausrichten.

Was ist besser als lange über Twitter zu lesen? Einfach ausprobieren. Auf www.twitter.com oder mit der offiziellen Twitter-App. Viele Fremd-Apps wie z.B. TweetCaster oder Buffer erlauben, die Nachrichten gleichzeitig auf Twitter und Facebook zu senden. Wir sehen uns auf Twitter unter @OnlineMarktn_de und @ralfscharnhorst

Über Ralf Scharnhorst

Ralf Scharnhorst

Scharnhorst Media entwickelt Marketing-Strategien und setzt sie um. Schwerpunkt ist die datengetriebene Mediaplanung. Seit 1996 hat Ralf Scharnhorst fast jeden Fehler miterlebt, den man im Online-Marketing machen kann - und hilft seinen Kunden dagegen. Er lehrt an der Macromedia Hochschule. Mit dem neuen Online-Marketing-Check erfährt jeder Werbungtreibende sofort, wo sein Optimierungspotential liegt.

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