Interviews

„Überzeugung kann man nicht mit Milliarden an Kapital erkaufen“ – Christian Ulitzka, Unidesq

Christian Ulitzka, Mitgründer von Unidesq, verrät uns, wie er seine Nische im Adtech-Markt gefunden hat und inwiefern die Politik hier eine Rolle spielt.

Christian Ulitzka, CEO Unidesq

Christian Ulitzka, CEO Unidesq

Wir sind dieses Jahr erneut Medienpartner der d3con 2016, die im März die erfolgreichsten und schlauesten Köpfe der RTA-Branche in der Hamburger Handelskammer versammelt, um gemeinsam zu diskutieren. Innerhalb der nächsten Wochen interviewen wir im Voraus einige der Speaker, um die aktuellen Trends und Top-Themen im Real-Time Advertising zu beleuchten.

Im heutigen Interview sprechen wir mit Christian Ulitzka, CEO und Mitgründer der Unidesq GmbH. Der Performance-Marketing Experte hat sich mit seinem Unternehmen auf den E-Commerce spezialisiert, nachdem er auf dem Adtech-Markt bereits mit seinem eigenen Startup Adloop aktiv war. Der Kölner studierte in seiner Heimatstadt an der Hochschule Fresenius Medien- & Marketing Management und war dann zunächst für RTL interactive und Adcloud von der Deutschen Post DHL tätig.

Interview mit Christian Ulitzka, CEO Unidesq

OnlineMarketing.de: Christian, auf dem diesjährigen Unternehmer-Panel auf der d3con bist du mit Abstand der Jüngste. Erzähl mal kurz, was ihr mit Unidesq macht und warum das so gut funktioniert!

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Christian Ulitzka: Mit Unidesq bieten wir eine auf eCommerce Unternehmen spezialisierte Plattform zur Planung und Auslieferung von programmatisch gesteuerten Performance-Kampagnen an. Zudem haben unsere Kunden die Möglichkeit, externe Systeme – bspw. CRM Systeme, Warenwirtschaftssysteme, eCommerce Systeme – an unser Trading-Desk anzuschließen, um alle vorhandenen User- und Produktdaten optimal in die Kampagnenoptimierung einfließen zu lassen. Im Ergebnis liefern wir unseren Kunden dadurch eine optimale Kampagnenperformance und keinerlei Barrieren, vorhandene Systeme und Daten intelligent mit dem Online Marketing zu verknüpfen. Zudem liefern wir gleichzeitig die richtigen KPI’s für eCommerce Unternehmen.

Zudem reagieren wir mit einem spezialisierten Buchungssystem den zunehmenden „In-House“ Trend, da immer mehr eCommerce Unternehmen interne Performance-Marketing Abteilungen aufbauen. Genau an diesem Punkt positionieren wir uns mit einer eigenen Plattform, die in Eigenregie von den Mitarbeitern der eCommerce Unternehmen gesteuert oder als „managed-service“ genutzt werden kann.

Ein wichtiger Faktor für unsere bisherige Unternehmensentwicklung liegt in der Spezialisierung auf ein spezifisches Kundensegment (in unserem Fall eCommerce) und der Optimierung von akuten Ineffizienzen im Markt. Dadurch sehen wir gerade auch in der Kampagnenperformance immer wieder einen starken Wettbewerbsvorteil zu den großen Adtech Unternehmen wie bspw. Google, die ihre Produkte auf einen globalen Massenmarkt auslegen.

Zum Thema „Du bist mit Abstand der Jüngste“: Ich hoffe, dass in der Zukunft noch weitere junge Gründer auf der d3con zu sehen sein werden. Der Online Advertising Bereich ist sehr spannend und vielseitig und benötigt junge Menschen, die „out of the box“ denken und neue Lösungskonzepte entwickeln.

Grundsätzlich ist der Adtech-Markt in den letzten Jahren ein ziemliches Haifischbecken geworden, in dem sich neben zahlreichen Startups auch milliardenschwere Börsenneulinge wie Rocket Fuel und viele andere tummeln. Mit welcher Positionierung habt ihr in diesem Umfeld eure Nische gefunden?

Wir positionieren uns mit Unidesq ausschließlich im eCommerce Markt und richten darauf unsere Plattform und strategische Produktentwicklung aus. Aufgrund der Spezialisierung führen wir auch einen sehr engen Dialog mit unseren Kunden und hören genau zu – bspw. vor welchen Herausforderungen und Problemstellungen diese aktuell stehen. Feedback und Meinungen sind ein ganz wichtiger Faktor, um die strategische Ausrichtung immer wieder fein zu justieren. Wir fokussieren uns auf die Problemlösung von einer überschaubaren Anzahl an Problemen, die gerade im eCommerce Markt dringend benötigt werden.

Grundsätzlich glaube ich als Unternehmer auch immer daran, dass jedes Unternehmen, egal ob milliardenschwer oder Startup, die gleichen Chancen auf eine Erfolgsgeschichte hat. Es gibt immer Mittel und Wege, sein angestrebtes Ziel zu erreichen. Vielleicht nicht immer direkt, aber indirekt. Die Herausforderung besteht darin, diesen individuellen und unternehmerisch anspruchsvollen Weg zu finden und mit dem richtigen Team, Partnern und Kunden zu gehen.

Jeder unserer bestehenden Kunden, Kooperationspartner und Mitarbeiter teilt die gleiche Überzeugung, von dem, was wir tun. Zudem sind wir bisher zu 100% eigenfinanziert, was zudem keinen Raum für Fehlentwicklungen zulässt. Diese Voraussetzungen ermöglichen es uns, sehr innovative und marktorientierte Produktlösungen zu entwickeln. Wir sind sozusagen gezwungen Produkte zu entwickeln, für die unsere Kunden sofort eine Verwendung haben.

Um zu jedem Zeitpunkt ein markt- und konkurrenzfähiges Produkt zu entwickeln, haben wir ein internes Advisory Board (einen Beirat) installiert. Als erstes holten wir Daniel Mensing, Experte im Bereich Performance Advertising für eCommerce Unternehmen & Head of Digital Sales bei Sparhandy.de, an Bord.

Wir haben gelernt, mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln eine für uns optimale Voraussetzung zu schaffen, um Produkte zu entwickeln, die vom eCommerce Markt benötigt werden.

Überzeugung von Menschen kann man schlussendlich auch nicht mit Milliarden an Kapital erkaufen. Wenn man das Richtige zum richten Zeitpunkt tut, kann man die richtigen Leute und Partner überzeugen und Grenzen überwinden.

Christian Ulitzka, Unidesq, mit Katharina Wolff, premium consultants, auf der Bühne des Online-Karrieretag 2015 in Köln

Christian Ulitzka, Unidesq, mit Katharina Wolff, premium consultants, auf der Bühne des Online-Karrieretag 2015 in Köln

Würdest du wieder Unidesq gründen oder haben deine Kunden einfachere oder schönere Geschäftsmodelle? Würdest du da vielleicht gern mit jemandem tauschen?

Ich bin voll und ganz von Unidesq überzeugt, daher würde ich dieses Unternehmen jederzeit wieder gründen und möchte auch mit niemandem tauschen. Zudem haben wir ein herausragendes Team und Netzwerk, das ebenso aus der vollen Überzeugung heraus handelt.

Ich denke auch, dass „einfache Geschäftsmodelle“ auch „einfach“ kopiert werden können, daher hat man vielleicht nur kurze Zeit Spaß damit. Der Adtech Markt ist sehr komplex und bedarf viel Know-how und technischen Entwicklungen, daher können Modelle nicht so schnell kopiert werden.

Mich reizen zudem komplexe Themen und Problemlösungansätze, daher fühle ich mich im Adtech Markt sehr wohl.

Wie siehst du als Jungunternehmer im Adtech-Bereich generell den deutschen Markt – gibt es irgendeinen Bereich, wo die Politik dir das Leben hätte erleichtern können? Oder spielt die eigentlich keine Rolle für euer Geschäft bisher?

Wir als sehr datengetriebenes Unternehmen verfolgen natürlich die politischen Entwicklungen im Bereich „Datenschutz“. Zuletzt wurde im Dezember 2015 durch das Europäische Parlament eine neue Einigung über die neue Datenschutzverordnung erzielt. Es sieht aktuell zumindest so aus, dass ab 2018 neue Opt-In Regelungen greifen werden – bspw. wenn Cookies auf einer Webseite gesetzt werden. Man muss dann in Zukunft schauen, wie man mit diesem Thema umgehen wird, damit wir uns nicht aus dem legalen Bereich herausbewegen. Ich stehe dem Thema aber sehr gelassen gegenüber, da viele User unserer eCommerce-Kunden während der Produktsuche bereits im Shop angemeldet / eingeloggt sind. Bei Neukunden, die bisher noch keine Zugangsdaten zu einem Shop haben müssen wir uns dann noch etwas Schlaues überlegen. Aber es wird eine Lösung geben.

Zudem ist Deutschland nicht das unternehmerfreundlichste Land, da die Unternehmensgründung sehr erschwert wird. Gründungsprozesse sind sehr komplex und Steuersätze sehr hoch. Die Beschaffung von staatlichen Fördergeldern ist ebenso sehr komplex und bürokratisch gestaltet. Die Zukunft von Deutschland hängt von jungen Gründern ab, die Arbeitsplätze schaffen und die Innovationskraft von diesem Land beibehalten. Gerade für junge Startup Unternehmen, unabhängig aus welcher Branche, müssen unbedingt Barrieren abgebaut werden, damit „Gründen“ einfacher wird und man sich auf den Aufbau des Geschäfts fokussieren kann.

Vielen Dank für das Interview!


OnlineMarketing.de ist offizieller Medienpartner der d3con 2016. Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit den Event-Organisatoren entstanden. Interessierte können sich hier für die d3con anmelden. Außerdem organisiert OnlineMarketing.de die Aftershow-Veranstaltung des Events.

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