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Entlarvt: TikTok betreibt Shadow-Banning

Entlarvt: TikTok betreibt Shadow-Banning

Kathrin Pfeiffer | 25.03.22

Nachdem Kommentare mit dem Namen einer chinesischen Tennisspielerin bei TikTok nicht angezeigt wurden, ermittelten Tagesschau, NDR und WDR. Und siehe da: TikTok nutzt Wortfilter für gewisse Inhalte.

TikTok stand bereits öfter in der Kritik. Der Vorwurf: Zensur von Inhalten. Nun haben Recherchen von NDR, WDR und der Tagesschau Licht ins Dunkel gebracht. TikTok, die für Kurzvideos insbesondere bei jüngeren Generationen beliebte Social App, macht bestimmte Inhalte nicht für alle User sichtbar. Das könnte die Meinungsfreiheit auf der Plattform einschränken.

Geheime Blacklist auf TikTok

Die Recherchen haben ergeben, dass TikTok Shadow-Banning betreibt. So nennt man es, wenn Inhalte oder ganze Accounts von Usern „geheim“ unterdrückt werden, ohne dies kenntlich zu machen. Herausgefunden wurde das, in dem Journalist:innen mit verschiedenen Accounts versuchten, Inhalte zu kombinieren. Insgesamt 100 Wörter und Wortkombinationen dienten als Bausteine. Dabei wurden 19 von diesen Kombinationen nicht veröffentlicht. Zwar kann argumentiert werden, dass das Filtern aus Jugendschutzgründen geschieht, doch nicht alle der gefilterten Wörter lassen diese Schlussfolgerung zu. Bei den gefilterten Worten handelt es sich unter anderem um:

  • Porno
  • Sex
  • Sexarbeit
  • Sklaven
  • Terroristen
  • gay
  • homo
  • homophob
  • schwul
  • queer
  • LGBTQ
  • homosexuell
  • queer
  • Prostitution
  • Auschwitz
  • Nationalsozialismus
  • Peng Shuai

Teilweise blockiert wurden:

  • transsexuell
  • Exilregierung

Name von chinesischer Tennisspielerin gefiltert

Beim letzten Punkt auf der Liste handelt es sich um den Namen der chinesischen Tennisspielerin Peng Shuai. 2021 beschuldigte sie Zhang Gaoli, einen chinessichen Politiker, des sexuellen Missbrauchs. Die Untersuchung der Journalist:innen ergab, dass alle Kommentare, die ihren Namen enthielten, dem Shadow-Banning anheim fielen. Auffällig ist, dass das Mutterunternehmen von TikTok, ByteDance, selbst aus China kommt. Also einem Staat, der für die Zensurkultur in den digitalen Medien bekannt ist.

TikTok selbst bezieht nach der Anklage gegenüber der Tagesschau Stellung zu den Vorwürfen:

Wir haben Mechanismen eingerichtet, um potenziell schädliche Kommentare automatisiert herauszufiltern. […] Wir sind uns darüber im Klaren, dass dieses Vorgehen in diesem Fall nicht zielgerichtet war, und wir arbeiten mit Hochdruck daran, unser Vorgehen zu überarbeiten.

Zwar erklärt das Statement den Namens-Fauxpas, warum allerdings eine Plattform wie TikTok, die sich als besonders divers und LGBTQI+-freundlich beschreibt, Worte wie schwul filtert, bleibt unbeantwortet. Eine Nielsen-Studie hatte erst kürzlich die Positivität und Authentizität der Inhalte auf TikTok hervorgehoben; in Auftrag gegeben worden war sie allerdings von TikTok selbst.

Und was ist mit der Meinungsfreiheit auf TikTok?

Friederike Kaltheuner von Human Rights Watch ist der Meinung, dass nicht nur Staaten, sondern auch Unternehmen dafür verantwortlich seien, auf Menschenrechte zu achten. Wenn nun Schlagwörter ohne Beachtung des Kontexts gefiltert werden, greift das die Meinungsfreiheit als Menschenrecht an. Nach langem hin und her ist Peng Shuais Name Angaben der Plattform zufolge jetzt wieder sichtbar. Doch wie eine Internet-Größe wie TikTok auch in der Zukunft mit Themen wie aktuell Krieg, Russland und der Ukraine und anderen politischen Aspekten umgeht, wirft Fragen auf. Eine TikTok-Sprecherin sagt, es werde eine gründliche Überprüfung gestartet, „um diesen und potenziell ähnliche Fehler zu korrigieren [und] um sicherzustellen, dass wir Hass und Verstöße erkennen, aber Gegenrede und neutrale Kommentare erlauben“.

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