Über 400 Google-Mitarbeiter unterschreiben gegen zensierte App für China

Zahlreiche Mitarbeiter Googles sprechen sich in einem offenen Brief gegen das sogenannte Projekt Dragonfly aus, eine zensierte Such-App Googles für China.

Google bald auch wieder in China?, Screenshot YouTube © Google

Die Kritik an einer möglichen Rückkehr Googles auf den chinesischen Markt wird größer und kommt nun verstärkt aus den eigenen Reihen. Mehr als 400 Mitarbeiter des Unternehmens springen auch Amnesty International bei und fordern die Aufhebung des mindestens in den Medien sogenannten Projekts Dragonfly, vor allem, da man keine Technologie bereitstellen möchte, die im Endeffekt eine systematische Unterdrückung begünstigt.

Es hatte in den letzten Monaten immer mehr Berichte gegeben, dass Google an einer App arbeite, die für den chinesischen Markt eine zensierte Suche bereitstellen könnte. In China ist Google seit acht Jahren nicht mehr aktiv, grundsätzlich aus Protest gegen die starke Zensur. Allerdings ist der Markt aufgrund der Größe und Tech-Affinität für Google zu wichtig, um ihn nicht wieder zu besetzen. Daher hat CEO Sundar Pichai auch zugegeben, dass Google testweise an einer App für China arbeite:

We wanted to learn what it would look like if Google were in China, so that’s what we built internally.

Im Zuge dessen gab er an, dass dabei aufgrund der Zensurauflagen der Regierung vor Ort „nur“ ein Prozent aller Anfragen zensiert würde. Doch auch das ist bei der Masse an Suchen sehr, sehr viel. Vor allem werden Anfragen zu sexueller Orientierung, zu politischer Opposition, freier Rede, bestimmten akademischen Studien und natürlich zum Massaker vom Tiananmen-Platz 1989 grundsätzlich blockiert. Das widerspricht eigentlich den eigenen Grundsätzen:

Unsere Nutzer vertrauen auf die Objektivität von Google, und kein kurzfristiger Nutzen könnte es jemals rechtfertigen, dieses Vertrauen zu brechen.

Dementsprechend haben sich nun viele Mitarbeiter Googles in einem offenen Brief gegen das Projekt ausgesprochen:

Our opposition to Dragonfly is not about China: we object to technologies that aid the powerful in oppressing the vulnerable, wherever they may be.

Die Forderung ist dabei einfach: Google soll Dragonfly canceln. Außerdem soll die Führungsebene sich der Transparenz, klaren Kommunikation und ihrer Verantwortlichkeit verschreiben.

Google is too powerful not to be held accountable. We deserve to know what we’re building and we deserve a say in these significant decisions.

Nun wird Google aus rein wirtschaftlicher Sicht den Markt in China nicht aufgeben wollen. Doch kann das Projekt Dragonfly trotz der Medienschelte und nun großer interner Kritik in seiner jetzigen Form durchgeführt werden? Zumindest würde es stark an Googles Integrität zweifeln lassen.

Google-Mitarbeiter sprechen sich öffentlich gegen Dragonfly aus

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

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