Slack sperrt Nutzer-Accounts nach Besuchen im Iran und Co.

Der Messaging-Dienst Slack hat ohne Vorwarnung Nutzerkonten gesperrt, nachdem deren Besitzer von den USA sanktionierte Länder besucht hatten.

© Scott Webb - Unsplash

Slack, der Dienst des US-Unternehmens Slack Technologies, hat veschiedene Konten von US-Bürgern und anderen Nutzern gesperrt, nachdem diese in Ländern zu Besuch gewesen waren, die aktuell von den Vereinigten Staaten sanktioniert werden. Dabei wurde keine Vorabinformation verteilt und einige Nutzer beteuern, Länder wie Syrien, Kuba oder den Iran nicht besucht zu haben. Andere gehen sogar davon aus, dass sie aufgrund ethnischer Verbindungen zu diesen Ländern vom Dienst ausgeschlossen wurden.

Die BBC berichtet von der Verbannung der Nutzer, die Slack selbst mit der Befolgung US-amerikanischer Sanktionen begründet. Slack wird täglich von gut acht Millionen Menschen genutzt, insbesondere im Kontext der Arbeit. AirBnB oder Ticketmaster operieren auch mit dem Messaging-Dienst. Durch die Sperrung der Konten sind einige Nutzer nun ebenso von einem ihrer Arbeitsinstrumente abgeschnitten, zum Teil gar von wichtigen Daten.

Slack unterbindet die Nutzung des Dienstes in Ländern wie Syrien, Kuba, Nordkorea, dem Iran oder im Gebiet der Krim. Während nun ein Nutzer erklärt, dass er verbannt wurde, weil er legal nach Kuba gereist war, stellt der Twitter-Nutzer Amir die Frage, ob er aufgrund einer ethnischen Verbindung zu einem der Länder seinen Kontozugang verloren hat – und woher Slack diese Information haben könnte.

Slacks Statement dazu, abgegeben bei Mashable, liest sich wie folgt:

Slack complies with the U.S. regulations related to embargoed countries and regions. As such, we prohibit unauthorized Slack use in Cuba, Iran, North Korea, Syria and the Crimea region of Ukraine,” Slack said in a statement provided to Mashable. “Our systems may have detected an account and/or a workspace owner on our platform with an IP address originating from a designated embargoed country. If our systems indicate a workspace primary owner has an IP address originating from a designated embargoed country, the entire workspace will be deactivated. If someone thinks any actions we took were done in error, we will review further.

Tatsächlich haben Untersuchungen bislang ergeben, dass bereits ein einmaliges Einloggen in einem der Länder zum Ausschluss geführt haben kann. Viele User berichten, vor Jahren in einem der Länder gewesen zu sein und nun ihren Zugang zu Slack verloren zu haben.

Ob Slack hier bloß mit US-Sanktionen in Einklang kommen möchte oder ein umfassenderes Profiling seiner Nutzer betreibt, kann nicht klar dargestellt werden. Für die gesperrten Nutzer ist jedoch besonders ärgerlich, dass aufgrund der fehlenden Warnung auch der Zugang zu mitunter wichtigen Daten verloren ist.

Slack steht nun in einem schlechten Licht da, weil die Verbannung in vielen Einzelfällen kaum legitim erscheint. Dabei sind nicht nur US-Nutzer betroffen, sondern auch solche aus Europa. Ob das Unternehmen einige Kontosperrungen revidieren wird, ist unklar. Der politische Einfluss auf soziale Medien zeigt sich an diesem Beispiel par excellence. Für ein Unternehmen kann er jedoch schwerwiegende Folgen haben.

Slack sperrt Nutzerkonten im Einklang mit US-Sanktionen

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

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