Kostenlose Google Ads für trügerische Abtreibungsgegner sorgen für Furore

Die Suchmaschine gerät in die Kritik, weil die Obria Group, die täuscht und gegen Abtreibung Stimmung macht, kostenfreie Ads bei Google schalten konnte.

© Google

Google Advertising ist auch für politisierte Kampagnen hilfreich, wenn die Werbung auf Personen abzielt, die die Suchmaschine zur Informationsbeschaffung in Bezug auf die Phänomene nutzen, die Teil der Werbekampagne sind. Nun wurde bekannt, dass die Obria Group, die katholisch geführte Kliniken in den USA vereint, bei Google nur dem Anschein nach Abtreibungsoptionen bewarb, während sich die eigentliche Werbebotschaft als Stellungnahme gegen die Abtreibung entpuppte. Für Furore sorgt die Kampagne nicht nur, weil sie als irreführend gegen die Google-Werberichtlinien verstößt, sondern auch, weil Google der Gruppe kostenfreie Ads im Wert von 150.000 US-Dollar ermöglichte.

Aufregung um irreführende Werbung in einer politisierten Thematik

Wie der Guardian berichtet, hat die Obria Group 2015 knapp 120.000 und bereits im Jahr 2011 gut 32.000 US-Dollar als Gegenwert für Google Advertising-Kampagnen erhalten, die somit kostenlos waren. Dabei wurden Ads ausgespielt, die auf den ersten Blick Hilfestellung beim Abtreibungsprozess geben sollten. Allerdings stellte sich heraus, dass die Werbeanzeigen vielmehr darauf aus waren, die Frauen, die nach Abtreibungsoptionen suchten, von ihrer Entscheidung abzubringen. Alice Huling vom Counsel for the Campaign for Accountability, das eine Überwachungsfunktion inne hat, erklärt:

Google should not allow CPCs [Crisis Pregnancy Centers, Anm. d. Red.] to use its platform to serve misinformation to pregnant women. Google’s business model is predicated on serving ads to customers, and the company is clearly uninterested in taking the steps necessary to crack down on misleading ads placed by CPCs.

Google selbst gab an, zu der Zeit verschiedenen Gruppen – Non Profit-Organisationen – mit unterschiedlichen Standpunkten die kostenfreien Google Ad-Optionen gewährt zu haben. Allerdings unter der Prämisse, dass die Richtlinien eingehalten werden. Falsche Darstellungen sind daher nicht erlaubt:

Nutzer sollen sich nicht durch Anzeigen getäuscht fühlen. Daher erwarten wir, dass die Anzeigen offen und ehrlich formuliert sind und den Nutzern Informationen liefern, die ihnen fundierte Entscheidungen ermöglichen. Anzeigen und Anzeigenziele, mit denen die Nutzer durch das Weglassen relevanter Informationen bzw. durch die Bereitstellung irreführender Informationen zu Produkten, Dienstleistungen oder Unternehmen getäuscht werden sollen, sind unzulässig.

Obwohl Google bereits 2014 gegen vereinzelte Ads der Gruppe vorgegangen war und diese entfernt hatte, tauchen die Probleme wieder auf. Noch immer werden Frauen, die nach „Abtreibung“ suchen, per Ad an die Kliniken der Obria Group verwiesen; die nur vermeintlich beim Thema Abtreibung helfen, eigentlich aber eine klare Antiabtreibungskampagne fahren. Eine solche Instrumentalisierung des Werbenetzwerks sollte Google und sollten auch andere Player wie Facebook und Co. unterbinden. Denn trügerische Werbung ist schlimm genug. Für Menschen in schwierigen oder Notsituationen ist sie eine Zumutung.

Google vergab Advertising Dollar an trügerische Gruppe, die gegen Abtreibung wirbt

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

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