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Nach Verkauf von Millionen Nutzerdaten: Avast schließt Jumpshot mit sofortiger Wirkung
© Avast

Nach Verkauf von Millionen Nutzerdaten: Avast schließt Jumpshot mit sofortiger Wirkung

Niklas Lewanczik | 31.01.20

Das Marketing-Analytics-Unternehmen Jumpshot wird eingestellt. Zuvor hatte die Avast-Tochter zahlreiche Nutzerdaten unter fragwürdigen Umständen weiterverkauft.

Der Anbieter für Antivirensoftware Avast stellt das Tochterunternehmen Jumpshot, das für umfassende Datenanalyse im Digitalmarkt zuständig ist, ein. Das bestätigte der CEO Ondrej Vlcek in einem Statement an alle Stakeholder, Kunden, Partner, Mitarbeiter und Investoren. Darin heißt es:

I’d like to take this opportunity and address the situation regarding Avast’s sale of user data through its subsidiary Jumpshot. Avast’s core mission is to keep people around the world safe and secure, and I realize the recent news about Jumpshot has hurt the feelings of many of you, and rightfully raised a number of questions – including the fundamental question of trust. As CEO of Avast, I feel personally responsible and I would like to apologize to all concerned.

Erst vor kurzem war berichtet worden, dass Jumpshot massenhaft Nutzerdaten aus dem Browser verkauft hatte. Laut Heise an Unternehmen wie Google, Yelp, Microsoft, Pepsi, McKinsey und Co. Der Publisher gibt an, dass Informationen zu Google-Suchanfragen, GPS-Koordinaten von Google Maps, besuchten LinkedIn-Seiten, YouTube-Videos und sogar „Porno-Seiten samt eingegebener Suchbegriffe und daraufhin angeschauter Videos“ geteilt wurden. Zwar waren die Datensätze anonymisiert verkauft worden. Doch Bewegungsprofile und starre IDs der Nutzer von Avast-Erweiterungen im Browser hätten eine Identifikation der Personen trotzdem möglich gemacht. Heise berichtet weiter, dass nicht klar sei, ob die User zu einer entsprechenden Datenteiltung von Avast und Jumpshot eingewilligt haben. Mozilla, Opera und Google hatten in ihren jeweiligen Browsern zuletzt bereits Erweiterungen von Avast blockiert.

Die Angaben des Avast CEO bestätigen die Berichte. Damit könnten Daten von über 435 Millionen aktiven Avast-Nutzern mit relevanten Playern im Digitalmarkt geteilt worden sein. Vlcek zieht daraus folgenden Schluss:

Protecting people is Avast’s top priority and must be embedded in everything we do in our business and in our products. Anything to the contrary is unacceptable. For these reasons, I – together with our board of directors – have decided to terminate the Jumpshot data collection and wind down Jumpshot’s operations, with immediate effect.

Wie groß das Vertrauen der Nutzer in Avast trotz dieses drastischen und konsequenten Schrittes nun sein wird, ist unklar. Der Fall zeigt erneut, wie schnell Millionen Daten auf illegitime Weise an Dritte gelangen können.

Avast schließt Jumpshot mit sofortiger Wirkung