Amazons Lagerarbeiter wollen sich gewerkschaftlich organisieren

In New York City streben Lagerarbeiter in einem neuen Amazonlager eine Gewerkschaftsbildung an. Diese sucht Amazon selbst aber vehement zu verhindern.

Amazons Lagerarbeiter werden wie Roboter behandelt, © Hello I'm Nik - Unsplash

Amazon gehört zu den mächtigsten Unternehmen weltweit und ist für die meisten Nutzer online die erste Anlaufstelle für Produktkäufe, mindestens aber die Produktsuche. Auch dank vermehrter Werbeeinkünfte generiert Amazon Milliarden US-Dollar pro Jahr. Kritik wird jedoch laut, da das Unternehmen trotz dieser Einnahmen gegenüber Mitarbeitern im Lager- und Logistikbereich eine fragwürdige Politik vorlebt.

Nun formieren sich laut Bloomberg die Mitarbeiter eines Lagerhauses von Amazon in Staten Island, um eine Gewerkschaft zu gründen. In New York City möchte Amazon in den kommenden Jahren ein Investment von gut 2,5 Milliarden US-Dollar tätigen, um in Queens einen neuen Campus zu erschaffen. Dass Amazon dafür Steuererleichterungen versprochen wurden, führt nun zu Unmut bei Mitarbeitern auf Staten Island. Diese fordern, dass das Unternehmen sie und alle aktuellen Mitarbeiter besser behandelt. Sie beklagen eine mangelnde Wertschätzung, unzureichende Pausen bei Zwölfstundenschichten und kaum zu erfüllende Quoten. Außerdem müssen sie lange Zeit auf ihre Security Checks warten; diese Zeit wird nicht bezahlt.

They talk to you like you’re nothing – all they care about is their numbers,

sagt Mitarbeiter Rashad Long gegenüber Bloomberg. Bisher ist Amazon in den USA ohne jegliche Gewerkschaft. Das soll nach dem Willen des Unternehmens auch so bleiben. Zuletzt machte ein inzwischen offline gestelltes Video Schlagzeilen, das Stimmung gegen gewerkschaftliche Organisation macht. Es wurde Managern der Lagerhäuser zugesendet und zeigt, wann gewerkschaftliche Bestrebungen vorliegen und wie diese zu unterbinden sind. Ausschnitte finden sich bei diversen YouTubern. Ein Zitat daraus lautet:

When we lose sight of those critical focus areas, we jeopardize everyone’s job security.

Im Prinzip werden bei Amazon Gewerkschaften nicht abgelehnt. Die Erkenntnisse des Videos und die allgemeine Arbeitspolitik, gestützt auf Aussagen von Mitarbeitern, geben ein anderes Bild vor. Die Retail, Wholesale and Department Store Union (RWDSU) unterstützt nun die Mitarbeiter am Standort Staten Island dabei, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Ob Amazon das so hinnimmt oder mit Erleichterungen oder Anreizen für die Mitarbeiter eine solche Entwicklung abzuwenden versucht, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall muss es zum Dialog zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern kommen. Denn wer dabei hilft ein digitales Imperium aufrechtzuerhalten, darf in seinen Arbeitsrechten nicht derart eingeschränkt werden.

Amazons Mitarbeiter auf Staten Island stehen vor gewerkschaftlicher Organisation

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

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