Technologie
Bestätigt: Amazons KI trainiert mit Twitch Streams und Opt-out schützt nicht alles

Bestätigt: Amazons KI trainiert mit Twitch Streams und Opt-out schützt nicht alles

Larissa Ceccio | 13.08.26

Twitch gibt Inhalte seiner Streamer für das Training von Amazons generativer KI frei. Der Opt-out sorgt für Ärger, nachdem der Twitch-Produktchef eingeräumt hat, dass sich bei einem Opt-in wohl kaum jemand anmelden würde.

Was zuvor bereits vermutet wurde, bestätigt Twitch nun offiziell: Amazon nutzt Inhalte von Twitch seit Jahren für das Training und die Weiterentwicklung eigener KI-Modelle. In einem Beitrag auf X kündigte das Unternehmen eine neue Opt-out-Einstellung an und bestätigte damit zugleich, dass Amazon Twitch-Inhalte für das KI-Training nutzt.

Wer nicht möchte, dass Amazon die eigenen Inhalte für KI-Trainingszwecke nutzt, muss die entsprechende Option in den Kontoeinstellungen selbst deaktivieren. Wie Twitch in den offiziellen FAQ erläutert, finden Nutzer:innen die Einstellung im Bereich „Security and Privacy“ unter dem Menüpunkt „Training for Generative AI“. Die Kritik ließ nicht lange auf sich warten. Vor allem die Art und Weise, wie Twitch die Änderung präsentierte, sorgt für Empörung.



Twitch lässt Streamer per Stimme Clippings erstellen

bunte Blöcke im Hintergrund, Laptop mit Twitch Interface, Avatar und Clipping-Funktion darauf
© Twitch via Canva


KI-Training ohne Zustimmung: Twitch erntet heftige Kritik

Wer nicht möchte, dass die eigenen Inhalte für das Training generativer KI verwendet werden, muss selbst aktiv werden. Genau dieses Opt-out-Prinzip halten viele für den falschen Ansatz. Auch Twitch stößt damit auf Kritik. Viele Nutzer:innen sind der Ansicht, dass persönliche Inhalte für das Training generativer KI grundsätzlich nur nach einer ausdrücklichen Zustimmung verwendet werden sollten.

Wie deutlich der Unmut darüber ausfällt, zeigt die Diskussion über die neue Twitch-Einstellung auf Reddit. Dort bezeichnete der User u/TypingExpwert die Entscheidung für das Opt-out-Modell als „absolut widerlich“. Er verwies darauf, dass sich bereits mehr als 13.000 Nutzer:innen in einem offiziellen Feedback Thread gegen KI-Funktionen auf Twitch ausgesprochen hätten. Besonders kritisch sah er, dass viele Streamer die Änderung ohne Hinweise aus ihrer Community möglicherweise gar nicht bemerkt hätten. Andere Nutzer:innen forderten in der Diskussion gesetzliche Regelungen. Sie wollen persönliche Inhalte nur dann für das Training generativer KI freigeben, wenn Nutzer:innen zuvor ausdrücklich zugestimmt haben.

Comment
by u/Cesious_Blue from discussion
in Twitch

Für zusätzlichen Ärger sorgte eine Aussage von Twitch-Produktchef Mike Minton während eines Livestreams auf dem offiziellen Twitch-Kanal. Auf die Frage, warum die Funktion nicht als freiwillige Zustimmung umgesetzt wurde, sagte er, dass sich bei einem Opt-in-Modell vermutlich kaum jemand dafür entschieden hätte. Das geht aus einem Bericht von Business Insider hervor.

Damit spricht Twitch unverblümt aus, was Kritiker:innen anderen Anbieter:innen generativer KI seit Monaten vorwerfen: Anbieter:innen wollen die Nutzung persönlicher Inhalte für KI-Anwendungen möglichst reibungslos gestalten. Nutzer:innen müssen zunächst erfahren, dass ihre Daten verwendet werden, die entsprechende Einstellung finden und anschließend aktiv widersprechen. Wer die Änderung übersieht, nimmt automatisch am KI-Training teil. Mintons Aussage wirkt auf einige ziemlich dreist, ist aber zumindest ehrlich.

Auch Meta hatte vor Kurzem eine ähnliche umstrittene Funktion eingeführt. Damit konnten andere Nutzer:innen öffentliche Instagram-Inhalte standardmäßig für KI-Remixe verwenden, sofern die Urheber:innen nicht aktiv widersprachen. Nach massiver Kritik nahm der Konzern die Funktion wieder zurück.



AI-Remixe mit deinem Instagram Content:
Meta entfernt umstrittene Option wieder

Instagram-Logo vor Grünbereich und Gebäude
© Meta via Canva


Der Opt-out schützt zudem nicht alle Inhalte

Doch selbst wer dem Training generativer KI bei Amazon widerspricht, hat damit nicht automatisch alle eigenen Inhalte geschützt. Wer in einem fremden Stream chattet, kann nicht selbst darüber entscheiden, ob diese Chat-Beiträge für das Training von Amazons KI-Modellen verwendet werden. Stattdessen gelten die Einstellungen des jeweiligen Kanals, wie Twitch in den offiziellen FAQ ausdrücklich erklärt.

Der eigene Widerspruch greift dort also nicht: Wer die Nutzung der eigenen Kanalinhalte für das Training generativer KI bei Amazon deaktiviert, kann damit nicht verhindern, dass eigene Chat-Beiträge in anderen Kanälen für Amazons KI-Training verwendet werden, sofern deren Einstellungen dies zulassen.

Bei Twitch dürfte auch deshalb die Debatte deshalb noch nicht beendet sein. Ob der Konzern Amazon an der standardmäßigen Freigabe festhält oder am Ende wie Meta zurückrudern muss, wird vor allem davon abhängen, wie groß der Druck aus der Community wird.



Stelle OnlineMarketing.de als bevorzugte Quelle auf Google ein

Wenn du OnlineMarketing.de auf Google als bevorzugte Quelle einstellen möchtest, um auch in den Schlagzeilen auf Google immer aktuelle News und Tipps aus der Welt des Marketing und der Tech-Entwicklungen zu finden, kannst du einfach die Google-Quelleneinstellungen aufrufen und die Seite anwählen. Über das Stern-Icon neben den Top Stories kannst du ebenfalls bevorzugte Quellen für die spätere Suche speichern.

Kommentare aus der Community

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*
*