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Erstes OpenAI Gadget soll ein proaktiver Smart Speaker werden – Apple erhebt schwere Vorwürfe
© Steve Jurvetson, Wikimedia Commons, CC BY 2.0 und OpenAI via Canva

Erstes OpenAI Gadget soll ein proaktiver Smart Speaker werden – Apple erhebt schwere Vorwürfe

Larissa Ceccio | 15.07.26

OpenAIs erstes Hardware-Produkt soll ein Smart Speaker ohne Display werden, der mitdenkt und User im Alltag proaktiv unterstützt. Für die geplante Hardware-Offensive holte das Unternehmen mehr als 400 ehemalige Apple-Mitarbeitende an Bord. Aus Apples Sicht ging OpenAI dabei deutlich zu weit. Der Konzern wirft dem KI-Unternehmen vor, ehemalige Fachkräfte zur Weitergabe vertraulicher Unternehmensinformationen veranlasst oder ermutigt zu haben – und hat deshalb Klage eingereicht.

Der mit Spannung erwartete Einstieg OpenAIs in den Consumer-Hardware-Markt soll doch nicht über ein Smartphone oder ein Wearable erfolgen – obwohl zuletzt unter anderem über ein Gerät aus der Zusammenarbeit mit Ex-Apple-Designer Jony Ive spekuliert wurde. Stattdessen entwickelt das Unternehmen laut Bloomberg einen mobilen Smart Speaker ohne Display, der als menschenähnlicher KI-Assistant dienen, Smart-Home-Geräte steuern und die Funktionen von ChatGPT nutzen soll. Intern wird das erste OpenAI-Gerät als eine neue Art von Heimcomputer für das KI-Zeitalter beschrieben.

Das noch in Entwicklung befindliche Gerät soll Nutzer:innen immer besser kennenlernen und sich bewusst von bisherigen Smart Speakern wie Amazons Echo mit Alexa oder Apples HomePod mit Siri abheben. Bloomberg-Reporter Mark Gurman bestätigte die Informationen später auch auf X.

Mit dem Smart Speaker mischt OpenAI künftig genau in dem Markt mit, den auch Apple für die eigene KI-Zukunft im Blick hat: das Smart Home. Der laufende Rechtsstreit zwischen beiden Anbieter:innen verleiht dem Vorhaben zusätzliche Brisanz. Apple wirft OpenAI vor, ehemalige Apple-Mitarbeiter:innen zur Weitergabe vertraulicher Unternehmensinformationen veranlasst oder ermutigt zu haben. Der iPhone-Konzern sieht darin den Versuch, die Entwicklung eigener Hardware zu beschleunigen, und will den Verkauf künftiger OpenAI-Geräte gerichtlich stoppen. OpenAI wies die Vorwürfe zurück und betonte, man habe „kein Interesse an den Geschäftgeheimnissen anderer Unternehmen“. Nach Angaben von Bloomberg ist das Unternehmen zudem überzeugt, dass sich der geplante Smart Speaker technisch und konzeptionell deutlich von den aktuellen Apple-Produkten unterscheidet und keine Geschäftsgeheimnisse des Konzerns verletzt. Noch bis vor Kurzem kooperierten beide unter anderem bei der Integration von ChatGPT in Apple Intelligence. Die jüngsten Streitigkeiten dürften die Zusammenarbeit zwischen Apple und OpenAI zumindest vorerst belasten.



Klage gegen OpenAI:
Ex-Apple-Manager sollen Firmendaten mitgenommen haben

Apple-Logo auf Glaswand, schwarz-weiß
© Bangyu Wang – Unsplash


OpenAIs Smart Speaker soll die Initiative ergreifen

Intern versteht OpenAI den Smart Speaker laut Bloomberg nicht als herkömmlichen Smart Speaker, sondern als eine neue Art von Computer für das KI-Zeitalter. Statt auf Eingaben zu warten, soll das Gerät Kontext und Umgebung erkennen und Nutzer:innen im Alltag proaktiv unterstützen. Mit der Zeit soll der Smart Speaker immer besser auf die Bedürfnisse der Nutzer:innen einstellen und entsprechend unterstützen können. Dank integriertem Akku lässt sich das Gerät flexibel von Raum zu Raum mitnehmen – etwa beim Kochen, Wäschewaschen oder Musikhören – und bei Bedarf dauerhaft an einem festen Ort betreiben.

Alleinstellungsmerkmal des Speakers soll eine eigene Persönlichkeit sowie die Fähigkeit sein, auf einer menschenähnlichen Ebene mit Nutzer:innen zu interagieren. Mithilfe der KI soll der Speaker Gespräche möglichst natürlich führen und das Gefühl vermitteln, mit einem persönlichen „AI Companion“ statt mit einem technischen Gerät zu sprechen. Mechanische Elemente, die sich eigenständig bewegen, sollen diesen Eindruck zusätzlich verstärken. Welche Komponenten des Speakers sich tatsächlich bewegen, ist bislang nicht bekannt. Denkbar wären beispielsweise ein drehbares Gehäuse oder bewegliche Sensoren, die ihn lebendiger wirken lassen könnten. Um Antworten und Empfehlungen kontinuierlich zu personalisieren, kann der Speaker – mit Zustimmung der Nutzer:innen – auch auf persönliche Informationen wie E-Mails zugreifen.

Technische Grundlage bildet GPT-Live, das neue KI-Sprachmodell hinter dem ChatGPT-Sprachmodus. Das KI-Modell kann gleichzeitig zuhören und sprechen, sich dynamisch an Gespräche anpassen und Informationen schneller verarbeiten als bisherige Voice-Modelle. Der geplante neue Speaker verfügt darüber hinaus über eine Kamera, weitere Sensoren und zusätzliche KI-Modelle, die Umgebung und Nutzungskontext erfassen und in die Antworten einbeziehen sollen.



GPT-Live ist da:
Das sind OpenAIs neue Voice-Modelle für lebensechte Konversationen

Ältere Frauen schauen auf ein Smartphone, Textzug in Gelb zu ChatGPT Voice
© OpenAI via Canva


OpenAI holt Apples Hardware-Elite an Bord

Für den Aufbau des Hardware-Geschäfts investierte OpenAI im vergangenen Jahr 6,5 Milliarden US-Dollar in die Übernahme des Startups io Products, das Ex-Apple-Designer Jony Ive mitgegründet hat. Auch Ives Designstudio LoveFrom entwickelt die neue Produktfamilie mit. Doch Ive ist nur das prominenteste Beispiel für den Wechsel ehemaliger Apple-Mitarbeiter:innen zu OpenAI. Zahlreiche ehemalige Designer:innen und Ingenieur:innen, die an Produkten wie iPhone und Mac mitgewirkt haben, arbeiten inzwischen ebenfalls an der neuen Hardware-Familie. Laut der Klage des iPhone-Konzerns beschäftigt OpenAI inzwischen mehr als 400 ehemalige Apple-Mitarbeiter:innen – ein weiteres Beispiel für den zunehmend intensiven War for Talents in der KI-Branche. Nach Einschätzung von OpenAI soll vor allem die Expertise des LoveFrom Teams dazu beitragen, dass sich das erste Hardware-Produkt persönlicher anfühlt als bisherige Smart Speaker.

Zu den Schlüsselfiguren gehört Chief Hardware Officer Tang Tan, der bei Apple die Produktentwicklung des iPhones verantwortete. Bloomberg zufolge galt er dort als risikofreudiger Produktentwickler, der leistungsstarke Teams aufbaute, enge Beziehungen zu Zulieferer:innen pflegte und komplexe technische Herausforderungen lösen konnte. Neben Tang entwickelt auch Apples ehemalige Leiterin des Produktdesigns, Evans Hankey, den Smart Speaker und weitere künftige Hardware-Produkte von OpenAI. Erst im vergangenen Monat wechselte zudem Paul Meade zu OpenAI. Er verantwortete bei Apple unter anderem die Entwicklung der Vision Pro sowie künftiger Smart Glasses.

Trotz der personellen Überschneidungen hält OpenAI den geplanten Smart Speaker laut Bloomberg für nicht mit HomePod oder HomePod mini vergleichbar. Sowohl das Hardware-Konzept als auch das Audiosystem sollen sich deutlich von Apples Produkten unterscheiden. Entsprechend ist OpenAI überzeugt, dass das erste eigene Hardware-Produkt keine Geschäftsgeheimnisse des iPhone-Konzerns verletzt.

Apple räumt in der Klageschrift selbst ein, dass erst eine Beweisaufnahme klären müsse, ob OpenAI tatsächlich auf geschützte Technologien zurückgegriffen hat. OpenAI weist die Vorwürfe entschieden zurück. Das Unternehmen betont, kein Interesse an den Geschäftsgeheimnissen anderer Unternehmen zu haben, sehe keine Belege, die die Klage stützen und verweist auf fairen Wettbewerb sowie die Freiheit, den Arbeitsplatz frei zu wählen. Stattdessen konzentriere es sich nach eigenen Angaben auf die Entwicklung innovativer Technologien, die Menschen weltweit befähigen sollen.

OpenAI plant eine ganze Produktfamilie KI-gestützter Hardware

Der Smart Speaker soll nur den Auftakt einer größeren Hardware-Offensive bilden. Auch mit Blick auf den erwarteten Börsengang in den kommenden Monaten dürfte der Erfolg der neuen Gerätesparte für OpenAI eine wichtige Rolle spielen. OpenAI arbeitet laut Bloomberg demnach an etwa fünf verschiedenen Geräten, darunter ein mobiles KI-Gerät, das eines Tages das Smartphone ersetzen könnte, und will den Smart Speaker noch in diesem Jahr vorstellen. Der Marktstart ist für 2027 geplant, könnte sich durch das laufende Gerichtsverfahren mit Apple jedoch verschieben.

Apple verfolgt ähnliche Pläne. Der iPhone-Konzern arbeitet an einer neuen Generation KI-gestützter Smart-Home-Geräte, darunter einer Smart-Home-Zentrale mit 7-Zoll-Display, Videotelefonie, Gesichtserkennung und Siri-Integration sowie einer Version mit Roboterarm, die sich selbstständig zum Gegenüber ausrichten kann. Hinzu kommen Pläne für ein intelligentes Sicherheitssystem für Privathaushalte.

Seit Monaten wird über OpenAIs erstes Hardware-Produkt spekuliert. Ob tatsächlich ein Smart Speaker den Anfang macht, wird sich erst mit der offiziellen Vorstellung zeigen. Sollte sich der Bloomberg-Bericht bewahrheiten, könnte das Warten auf erste Details für viele ChatGPT-Nutzer:innen jedoch noch in diesem Jahr ein Ende haben. Das erste OpenAI-Gerät dürfte zu den meistbeachteten Hardware-Neuheiten der kommenden Jahre zählen.



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