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GPT-5.6: OpenAIs neues KI-Modell wohl vor dem Start – aber nicht für alle
Das neue OpenAI Branding vor Fotografie, © OpenAI

GPT-5.6: OpenAIs neues KI-Modell wohl vor dem Start – aber nicht für alle

Niklas Lewanczik | 26.06.26

Die neuen OpenAI-Modelle GPT-5.6 und GPT-5.6 Pro stehen offenbar kurz vor dem Start. Nach einem internen Memo sollen zunächst jedoch nur von der US-Regierung genehmigte Nutzer:innen Zugriff erhalten – ein Schritt, der Fragen zur angekündigten freiwilligen Sicherheitsprüfung aufwirft.

UPDATE

Kurz vor dem erwarteten Launch von GPT-5.6 deutet sich eine überraschende Wende an. Wie The Information unter Berufung auf ein internes Memo von OpenAI CEO Sam Altman berichtet, will das Unternehmen die Veröffentlichung des neuen Modells gestaffelt vornehmen. Demnach sollen zunächst nur von der US-Regierung genehmigte Personen Zugriff auf GPT-5.6 erhalten. Erst einige Wochen später könnte der Roll-out für weitere Nutzer:innen folgen.

Altman schreibt dem Bericht zufolge, dass Bundesbehörden während einer Vorschauphase über jeden einzelnen Zugang individuell entscheiden werden. Aus dem Memo geht zugleich hervor, dass er dieses Verfahren selbst nur als Übergangslösung betrachtet:

We’ve made clear to the US government that this is not our preferred long term model, and will work with them and others in industry to achieve a more sustainable approach for future releases.

So viel zur freiwilligen Sicherheitsprüfung

Dass OpenAI diesen Weg geht, dürfte mit der neuen KI-Politik der US-Regierung zusammenhängen. Anfang Juni unterzeichnete US-Präsident Donald Trump einen Präsidialerlass (Executive Order), der Entwickler:innen leistungsfähiger KI-Modelle dazu auffordert, diese vor einer öffentlichen Veröffentlichung einer freiwilligen staatlichen Sicherheitsprüfung zu unterziehen.

Die aktuellen Berichte legen jedoch nahe, dass aus dieser angekündigten Freiwilligkeit zumindest teilweise ein faktischer Freigabeprozess werden könnte. Nach Informationen von The Information sollen das Office of the National Cyber Director, das Office of Science and Technology Policy und das US-Handelsministerium mitentscheiden, wer GPT-5.6 während der Vorschauphase überhaupt nutzen darf.

OpenAI ist aber nicht das erste KI-Unternehmen, dessen Modellveröffentlichung unmittelbar von Eingriffen der US-Regierung betroffen ist. Erst vor wenigen Tagen musste auch Anthropic den Zugang zu Claude Mythos 5 und Claude Fable 5 nach einer Anordnung der US-Regierung einschränken. Es scheint sich ein neues Verfahren zu etablieren, bei dem staatliche Stellen zunehmend Einfluss darauf nehmen, wann und unter welchen Bedingungen die leistungsfähigsten KI-Modelle veröffentlicht werden. Das hätte weitreichende Folgen für die gesamte KI-Branche – nicht nur für die Geschwindigkeit neuer Releases, sondern auch für die Rolle von Regierungen bei der Einführung neuer Frontier-Modelle.

Dieser Beitrag erschien erstmals am 19. Juni 2026.



Ende April launchte OpenAI mit GPT-5.5 nur einen Monat nach GPT-5.4 das bis dato beste und schlaueste Modell des Unternehmens. Dieses Modell soll eine neue „Intelligenzklasse“ bilden, die für die Erledigung von Arbeitsaufträgen prädestiniert ist, vor allem im Computer Use und beim Coding. Doch womöglich wird das Modell zeitnah wieder abgelöst, von GPT-5.6. Die neue Modellvariante wurde bereits in öffentlichen Testszenarien entdeckt. Ein Roll-out könnte nach Einschätzung von TestingCatalog schon nächste Woche erfolgen.

Das untermauert, in welch rasantem Tempo die KI-Entwicklung voranschreitet. OpenAIs neue Modelle könnten just zu einer Zeit kommen, in der Anthropics neue Vorzeigemodelle der Mythos-Reihe durch US-Restriktionen nicht zum Einsatz kommen. So könnte OpenAI im Wettbewerb mit der Konkurrenz wieder etwas Oberwasser gewinnen, was gerade vor den angekündigten Börsengängen des eigenen Unternehmens und von Anthropic ins Gewicht fällt.


OpenAI bestätigt IPO-Einreichung:
Bald mehr wert als Anthropic?

OpenAI Office in München
OpenAI Office in München, © OpenAI via Canva


Hinweise auf GPT-5.6-Start am Dienstag: Erste User haben Zugriff

Der Tech Publisher TestingCatalog hat den möglichen Start von GPT-5.6 von OpenAI auf kommende Woche Dienstag (nach US-Zeit) datiert. TestingCatalog mutmaßt, dass OpenAI die neue Modellvariante der KI-Modellreihe GPT-5 zeitnah für die Öffentlichkeit zur Verfügung stellen möchte. Hinweise darauf geben einige ChatGPT Pro User, die das neue Modell nach eigenen Angaben schon nutzen konnten.

Ob OpenAI tatsächlich schon kommende Woche sowohl GPT-5.6 als auch GPT-5.6 Pro veröffentlichen wird, ist bis dato unklar. Allerdings würde ein Launch in den Veröffentlichungsrhythmus von OpenAI passen. Zudem lag TestingCatalog mit den Hinweisen auf anstehende Modellveröffentlichungen OpenAIs in der Vergangenheit oft richtig. Das zeigte sich beispielsweise beim ersten Hinweis und dem kurz darauf folgenden Launch von GPT-5.1.

Der Zeitpunkt könnte für das KI-Unternehmen zudem kaum besser sein. Einerseits steht im Laufe des Jahres der von vielen erwartete Start an der Börse bevor, der dem Unternehmen noch mehr finanzielle Sicherheit verschaffen soll. Andererseits muss sich die Konkurrenz von Anthropic derzeit darum bemühen, die eigenen neuen Modelle Claude Fable 5 und Claude Mythos 5 wieder öffentlich anbieten zu können. Aufgrund großer Risiken, die auch Anthropic selbst benannte, hat die US-Regierung kürzlich eine Direktive erlassen, nach der die Mythos-Modelle von Usern ohne US-Staatsbürgerschaft nicht genutzt werden dürfen. Daraufhin zog Anthropic sie aus der Öffentlichkeit zurück und nahm umgehend Gespräche mit der Regierung auf, um diese neuen Modelle wieder verfügbar zu machen. Denn ihre Verfügbarkeit für User und Unternehmen dürfte für den bevorstehenden Börsengang Anthropics sowie im Wettbewerb mit OpenAI, Google, Meta und Co. von zentraler Bedeutung sein.


Anthropic schickt Delegation nach Washington DC, um Mythos-Modelle wieder freigeben zu können

beigefarbener Hintergrund, Schmetterlinge in Form einer Fünf im Vordergrund
© Anthropic via Canva


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