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ChatGPT bekommt Werbung: Finanzierungsdurchbruch oder Anfang vom Ende?

ChatGPT bekommt Werbung: Finanzierungsdurchbruch oder Anfang vom Ende?

Niklas Lewanczik | 19.01.26

Ads kommen zu ChatGPT. Die ersten User werden mit Werbung konfrontiert, doch die Antworten sollen davon nicht beeinflusst werden. OpenAI möchte mit diesem Schritt ein Riesenproblem lösen – und ist womöglich schon spät dran.

Es ist so weit: Genau wie bei Perplexity und wie bei Google in den KI-Suchergebnissen wird OpenAI ChatGPT jetzt mit Werbung versehen. Der Schritt erscheint überflüssig. Erste Hinweise gab es schon im vergangenen Jahr, nun folgt der offizielle Startschuss für die Werbeintegration. Diese soll die User-Erfahrung nicht negativ beeinflussen. OpenAI betont, dass Konversationen nicht an Advertiser verkauft werden. Die Ads könnten sowohl das Abonnementgeschäft fördern als auch endlich mehr Umsatz über die kostenfreie und die Go-Version generieren. Allerdings muss das KI-Unternehmen einer harten Realität in die Augen blicken und steht womöglich schon am Scheideweg.


Bald schon Werbung in ChatGPT:

OpenAI bricht offenbar mit dem eigenen Prinzip

Sam Altman, CEO von OpenAI, vor blau-grünem Hintergrund.
© Steve Jurvetson, Wikimedia Commons, CC BY 2.0 und OpenAI via Canva


So sehen ChatGPT Ads aus: Das sind OpenAIs Prinzipien für die Werbung

ChatGPT erhält Ads, damit noch mehr Menschen von dem Tool profitieren können. Das ist ein Teil der Erklärung, die OpenAI für den Start der Werbung liefert. User der kostenfreien Version und des günstigen Go-Abonnements werden in den nächsten Wochen in den USA erste Ads sehen. Das kostengünstige Go-Abonnement bietet dabei einen Kompromiss zwischen Free-Version und Abonnements wie ChatGPT Pro und wird jetzt überall, wo ChatGPT verfügbar ist, ausgerollt. Dieses Abo kostet User acht Euro pro Monat.

Die neuen ChatGPT Ads sollen die Antworten grundsätzlich nicht beeinflussen und klar markiert sein. Antwort und Ad sollen getrennt bleiben. Die Konversationen mit der KI bleiben laut OpenAI für die Werbetreibenden nicht zu sehen. Die Anzeigen kommen dann am Ende von Antworten als Zusatz, etwa bei Produktfragen als Vorschlag. Bei sensiblen Themen wie zur Gesundheit sollen keine Ads gezeigt werden. Das gilt auch für Konversationen von Usern, die noch keine 18 Jahre alt sind. OpenAI erklärt:

Menschen vertrauen ChatGPT bei vielen wichtigen und persönlichen Aufgaben, weshalb es entscheidend ist, dass wir bei der Einführung von Werbung das bewahren, was ChatGPT überhaupt erst wertvoll macht. Das bedeutet, dass du darauf vertrauen musst, dass die Antworten von ChatGPT davon bestimmt werden, was objektiv nützlich ist, niemals von Werbung. Du musst wissen, dass deine Daten und Gespräche geschützt sind und niemals an Werbetreibende verkauft werden […]. 

So kann eine Ad bei ChatGPT eingebunden sein, © OpenAI

User könne zudem entscheiden, wie ihre Daten genutzt werden. Sie können die Personalisierung ausschalten und die für Anzeigen genutzten Daten jederzeit löschen. Überdies gibt OpenAI immerzu eine Möglichkeit, keine Ads sehen zu müssen. Dazu müssten die User dann ein kostenpflichtiges Abonnement wie Plus oder Pro nutzen.

Für Werbetreibende und Brands bietet der Ad-Start auf ChatGPT nun ein neues Inventarfeld, das die bezahlte Sichtbarkeit fördern kann. OpenAI fokussiert auch diesen Faktor und stellt die Möglichkeit heraus, im Wettbewerb um Sichtbarkeit im GEO-Zeitalter mit Ads zu punkten.

Anzeigen können auch für kleine Unternehmen und aufstrebende Marken, die versuchen, sich im Wettbewerb zu behaupten, transformativ sein. KI-Tools gleichen das Spielfeld noch weiter aus und ermöglichen es allen, hochwertige Erlebnisse zu schaffen, die den Menschen helfen, Optionen zu entdecken, die sie sonst vielleicht nie gefunden hätten.

Problem Nummer eins für OpenAI: Google

OpenAIs Ankündigung zum Start von ChatGPT Ads kommt kurz nach Googles ersten Tests für Direct Offers erste Exklusiv-Deals im AI Mode. Passend zu Prompts mit Produktsuchen werden Usern dabei Produkte angezeigt, die im Merchant Center verknüpft sind und als Produkt-Listing in Erscheinung treten. Damit es aber zum Kauf kommt, können Brands bei diesen Produkten im Ad-Format konkrete Deals vorschlagen. Dabei können Advertiser in den Kampagneneinstellungen relevante Angebote angeben. Google und die Gemini-KI ermitteln dann je nach Suchkontext, welche Angebote ausgespielt werden. Die Ad wird mit dem Label „Sponsored deal“ markiert und gibt Usern einen Kaufanreiz, weil sie zum Beispiel einen rabattierten Preis erhalten können. Im Pilotprogramm fokussiert sich Google dabei auf Rabatte, künftig könnten aber noch andere Elemente wie kostenfreier Versand für diese neuen Ads hinzukommen.


Direct Offers:

Google bringt personalisierte AI Mode Ads

Smartphone Mockup mit AI Mode und Angebots-Pop-up für Teppich, blau-violetter Hintergrund
© Google via Canva


Mit dieser Konkurrenz muss es OpenAI erstmal aufnehmen. Immerhin ist Google der Online-Werbeprimus. Und nicht nur das. Google droht auch, mit Gemini OpenAIs ChatGPT in die Schranken zu weisen. Die Alphabet-Tochter hat bei der Entwicklung der eigenen KI-Modelle und -Tools enorm aufgeholt, nachdem das Unternehmen im Zuge von OpenAIs ChatGPT-Erfolg Ende 2022 einen Code Red ausgerufen hatte. Genau diese Reaktion folgte vor einigen Monaten bei OpenAI, weil Google mit Gemini 3 ein führendes KI-Modell in petto hatte, das durch die unmittelbare Integration in zahlreichen Diensten und Plattformen den Konkurrenzdruck auf ChatGPT massiv erhöhte. Inzwischen hat Google sogar Gemini 3 Flash als neues Supermodell vorgestellt, das trotz leistungsfähiger Alternativen wie GPT-5.2, Grok 4.1 und Anthropic Sonnet 4.5 für viele User den Ton angibt. Dafür sorgen auch populäre Tools wie Nano Banana Plus und Co.

Im Herbst 2025 überholte Gemini ChatGPT bereits in den App Store Charts. Dabei bleibt OpenAIs Vorzeigelösung noch die Nummer eins der meistbesuchten KI-Seiten. Daten von Similarweb zeigten im Dezember 2025 aber erstmals einen Rückgang beim Traffic in Bezug auf die zwei Vormonate. Den rund 5,5 Milliarden Visits im Monat stehen bei Gemini nur 1,7 Milliarden gegenüber. Aber Gemini konnte Year Over Year 564 Prozent mehr Traffic verzeichnen, ChatGPT nur rund 50 Prozent mehr. Google holt auf und hat den Vorteil, dass Gemini die weltgrößte Suche mit dem AI Mode und Co. unterstützt, in Gmail – jetzt mit eigenen AI Overviews –, YouTube und anderen Diensten mit Milliarden Usern integriert ist. Gemini liefert die Basis für ganz neue KI-Videomöglichkeiten mit Veo 3.1 wie ready-made 9:16-Videos und konsistente Charaktere, bringt Google Agent Skills (für die Entwicklungsumgebung Antigravity) und Auto Browse (als Test fürs selbstständige Browsing bei Chrome) für das agentische Zeitalter und lässt dich mit der Personal Intelligence jetzt sogar Apps verknüpfen und deine AI-Assistenz hyperpersonalisieren.

Mehr noch: Googles Gemini wird zur Basis-KI für Apples Siri und damit umfassend auf iPhones integriert. Im Herbst 2025 gab es 650 Millionen monatlich aktive Gemini User in der App. Das dürften schon jetzt deutlich mehr sein, bald mag die Zahl immens steigen.

Problem Nummer zwei für OpenAI: Der finanzielle Druck

OpenAI muss sich aber nicht allein gegen Google – auch andere Konkurrenzunternehmen wie Perplexity, Meta, Anthropic und Co. – behaupten, sondern ebenso auf den finanziellen Druck reagieren, der aus der enormen Entwicklung hochleistungsfähiger KI-Modelle und -Tools erwächst. Die Ausgaben häufen sich, weil die Kosten für die KI-Entwicklung enorm sind, die Einkünfte für Abonnements aber kaum eine Refinanzierung ermöglichen. The Economist erwartet ein Make-or-Break-Year 2026. Passend zur Thematik hat OpenAIs CFO Sarah Friar einen Post auf der offiziellen Website geteilt, in dem sie die stark wachsenden Umsätze thematisiert. Demnach hat OpenAI 2025 rund 20 Milliarden US-Dollar Annual Recurring Revenue generiert und damit mehr als dreimal so viel wie im Vorjahr. Friar meint:

[…] Stronger models unlock better products and broader adoption of the OpenAI platform. Adoption drives revenue, and revenue funds the next wave of compute and innovation. The cycle compounds.

Compute und ARR wurden bei OpenAI zuletzt deutlich skaliert, © OpenAI
Compute und ARR wurden bei OpenAI zuletzt deutlich skaliert, © OpenAI

Allerdings darf man diesen Wert nicht mit den tatsächlichen finanziellen Verhältnissen im Bereich Umsatz und Verlustgeschäft gleichsetzen. Das Unternehmen macht Milliardenverluste, erwartet bis 2030 jedoch Umsätze von hunderten Milliarden US-Dollar. Dahin muss das Unternehmen aber erst kommen, ohne unter dem finanziellen Druck, der durch die steigenden Compute-Herausforderungen für ChatGPT entsteht, zu zerbrechen. Es stellt sich die Frage, ob die Ads als Geschäftsmodell schnell für Einnahmeströme sorgen – oder ob sie etwas zu spät kommen.

SISTRIX CEO Johannes Beus hat frühzeitig über die Entwicklung berichtet und fragt sich, ob das Unternehmen damit tatsächlich einen signifikanten Umsatz-Boost generieren kann. Perplexity zum Beispiel ist es mit den eigenen Ads noch nicht gelungen.

Außerdem haben Google, Apple, Meta und Co. riesige Einnahmeströme aus dem Hardware- und Software- sowie Werbegeschäft. OpenAI hinkt hinterher, trotz relevanter Kooperationen mit anderen Tech-Größen und der Popularität bei Usern. Womöglich könnten die Hardware-Entwicklungen mit Designikone Jony Ive weiterhelfen. Die sind aber noch nicht da. Erstmal heißt es, Marken und Advertiser vom Werben bei ChatGPT zu überzeugen und die User zugleich nicht zu sehr zu verschrecken. Denn sonst wandern diese womöglich zu Gemini ab; eine Gefahr, die für OpenAI ohnehin omnipräsent ist.


OpenAIs erstes KI-Gadget:
Ein Stift von Ex-Apple-Designer Jony Ive?

OpenAI Branding
Das neue OpenAI Branding vor Fotografie, © OpenAI

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