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Mastodon führt endlich Share Button ein – Europas Netzwerkalternative rüstet auf

Mastodon führt endlich Share Button ein – Europas Netzwerkalternative rüstet auf

Larissa Ceccio | 03.03.26

Jetzt kommt er endlich: Mastodon führt erstmals einen offiziellen Share Button ein. Das passt ins aktuelle Momentum. Immer mehr Nutzer:innen wenden sich von US-Tech-Plattformen mit fragwürdigen Eigentümer:innen, Deals oder Machtstrukturen ab und suchen nach europäischen Alternativen.

Mastodon ist die dezentrale Alternative zu X. Die Software wurde ursprünglich von der Mastodon gGmbH entwickelt und wird heute von einer Non-Profit-Organisation getragen. Anders als bei zentralisierten Plattformen kontrolliert jedoch kein einzelnes Unternehmen das gesamte Netzwerk. Die einzelnen Server, sogenannte Instanzen, werden unabhängig voneinander betrieben und moderiert. Mastodon ist Teil des Fediverse, eines offenen Verbunds tausender vernetzter Server. Genau diese föderierte Struktur machte das Teilen bislang kompliziert. Ohne zentrale Plattform mit fester URL konnte ein klassischer Share-Button nicht automatisch erkennen, zu welcher Instanz eine Person gehört.

Jetzt führt Mastodon erstmals einen solchen Share Button offiziell ein: Websites können eine „Auf Mastodon teilen“-Schaltfläche integrieren, die nach dem Klick die jeweilige Instanz abfragt und den Beitrag dort direkt vorbereitet.

Post by @Mastodon@mastodon.social
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Der gesamte Prozess läuft im Browser, ohne Tracking und ohne zentrale Datenspeicherung. Der Code des Tools wurde zudem als Open Source veröffentlicht und kann eingesehen, angepasst oder selbst gehostet werden.

Screenshot des offiziellen Mastodon Share Buttons, der das direkte Teilen von Inhalten auf einer gewählten Mastodon-Instanz ermöglicht.
Der neue offizielle Share Button macht Inhalte direkt im Fediverse teilbar, © Mastodon

Dieser Schritt kommt in einer Phase, in der Plattformwechsel politisch aufgeladen sind. Nicht nur bei X, sondern auch im KI-Markt: Anthropic verweigert dem Pentagon die Zusammenarbeit, während OpenAI daraufhin die Chance ergriff, den Verteidigungs-Deal dann aber nachschärfen musste. CEO Sam Altman räumte selbst ein, das Vorgehen habe „opportunistisch und wenig durchdacht“ gewirkt. Claude gewinnt in diesem Umfeld Nutzer:innen hinzu, OpenAI sieht sich Boykottaufrufen ausgesetzt.



Claude toppt App Store Charts und ChatGPT vor Boykott
– mitten im Kriegstaumel

schwarzer Mauszeiger, weißes Symbol mit Punkten an Strichen, rosafarbener Hintergrund
© Anthropic via Canva


Mastodon: Die selbstbestimmte Alternative im Plattformzeitalter

Mastodon ist kein Massenphänomen, aber auch längst kein Nischenexperiment mehr. Je nach Quelle liegt die Zahl der monatlich aktiven Nutzer:innen aktuell zwischen 750.000 und einer Million. Der Dienst Fediverse Observer weist rund 785.000 aktive Accounts aus, FediDB schätzt etwa 750.000. Auch die offizielle Server-Übersicht von Mastodon bewegt sich in dieser Größenordnung. Offizielle Daten aus dem Mastodon Annual Report 2024 zeigen zudem, dass Anfang 2025 rund 9,1 Millionen Accounts registriert waren, von denen etwa 938.000 monatlich aktiv genutzt wurden.

Im Vergleich dazu bleibt X deutlich größer. Die Schätzung von rund 570 bis 660 Millionen monatlich aktiven Nutzer:innen weltweit basiert auf einer Marktübersicht von Blog2Social, die verschiedene Branchenanalysen und verfügbare Datenquellen wie DataReportal und Kepios zusammenführt. Seit der Privatisierung veröffentlicht X selbst keine regelmäßig geprüften MAU-Zahlen mehr.

X ist ohne Frage eine global dominierende Plattform – aber Mastodon zieht genau die an, die etwas anderes wollen. Es gibt keinen übergreifenden Algorithmus, der Posts nach Klick- oder Empörungswahrscheinlichkeit sortiert, und keine personalisierte Werbung, die auf Basis deiner Daten ausgespielt wird. Hinter Mastodon steht eine Non-Profit-Organisation, die die Open Source Software entwickelt. Anders als bei zentralisierten Plattformen kontrolliert sie jedoch nicht das gesamte Netzwerk, denn die einzelnen Server werden unabhängig verwaltet.

Viele Timelines sind schlicht chronologisch. Du siehst die Beiträge der Accounts, denen du folgst, nicht das, was ein System oder ein:e Inhaber:in für besonders „engaging“ hält. Das Netzwerk besteht aus unabhängigen Instanzen mit eigenen Regeln und Moderations-Teams. Für viele Nutzer:innen, die sich von Plattformentwicklungen unter Elon Musk und Co. distanzieren möchten, ist das attraktiv.

Inzwischen sind auf Mastodon auch zahlreiche prominent gefolgte Accounts aktiv, die zeigen, wie vielfältig das Netzwerk genutzt wird. Laut einer Produnis-Übersicht besonders populärer Mastodon Accounts zählen dazu unter anderem der Autor und Medienmacher Cory Doctorow, der Erfinder des World Wide Web Tim Berners-Lee, die US-amerikanischen Tech-Journalistinnen Taylor Lorenz und Kara Swisher, der Satiriker und Moderator Jan Böhmermann sowie Medien- und Politik-Accounts wie ProPublica oder European Commission. Viele dieser Stimmen nutzen Mastodon als offenen Raum für Diskussionen, Dialog und kritischen Austausch

Mastodon ist damit weniger Massenplattform als diskursstarker Raum für Communities, Fachöffentlichkeit und politisch interessierte Nutzer:innen. Wachstum entsteht hier nicht primär durch Viralität, sondern durch Haltung, Offenheit und die föderierte Struktur des Netzwerks.



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© Carol Magalhães – Unsplash

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