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Social Media Marketing
Facebooks Algorithmus entzweit Nutzergruppen – interne Forschungen wurden ignoriert
© Cam Morin- Unsplash

Facebooks Algorithmus entzweit Nutzergruppen – interne Forschungen wurden ignoriert

Aniko Milz | 27.05.20

Ein Bericht des Wall Street Journals deckte auf, dass Facebook die Ergebnisse interner Untersuchungen unter den Tisch gekehrt hat. Diese zeigten auf, wie stark User in Gruppen gedrängt werden.

Ein Bericht, der 2018 der Geschäftsleitung von Facebook präsentiert wurde, zeigte deutlich auf, dass der Algorithmus die User der Plattform nicht näher zusammen bringt, sondern vielmehr in einzelne Gruppen teilt. Interne Nachforschungen hatten die Polarisierung der Nutzer untersucht. Die Ergebnisse wurden anschließend stillschweigend vergraben, wie das Wall Street Journal berichtet. Schließlich kam in der Untersuchung heraus, dass der Algorithmus, der die Inhalte des Feeds vorschlägt, sich grundlegende Funktionsweisen des menschlichen Gehirns zunutze macht.

Our algorithms exploit the human brain’s attraction to divisiveness,

so steht es auf einer Folie der damaligen Präsentation. Anschließend folgt eine eindeutige Warnung: Wenn der Mechanismus des Algorithmus nicht verändert werde, würden Nutzern immer stärker entzweiende Inhalte ausgespielt. Die Auswirkungen, die dies auf die Gesellschaft haben könnte, ließen die Führungskräfte damals außer Acht.

Facebook Algorithmus schlug Mitgliedern extremistische Gruppen vor

Besonders bei politischen Themen sei die Unausgeglichenheit in den Beiträgen, die Usern angezeigt werden, fatal. Denn die Vorschläge im Feed können die eigene Meinung stark beeinflussen. Eine weitere bereits früher durchgeführte interne Untersuchung zeigte, dass 64 Prozent der User, die einer extremistischen Gruppe auf Facebook beigetreten sind, diese Entscheidung nur trafen, weil der Algorithmus ihnen die Gruppe vorgeschlagen hatte. Facebooks Umgang mit politischen Themen ist seit jeher umstritten. Auf dem sozialen Netzwerk durchlaufen Accounts, die politische Ads schalten möchten zwar eine Authorisierung, die geposteten Inhalte werden allerdings kaum gegengecheckt. Auch fehlte bis vor Kurzem noch die Transparenz, wie viel Budget einzelne Politiker tatsächlich in ihre Werbekampagnen steckten.

Das soziale Netzwerk rechtfertigt sich

Das Wall Street Journal sieht Joel Kaplan, Facebooks Vizepräsident für öffentliche Ordnung, als einen der Hauptverantwortlichen. Er sprach sich angeblich gegen Veränderungen auf der Plattform aus, die die Reichweite sogenannter Super-Sharer eindämmen würde. Schließlich sorgen diese oft politischen Accounts für ein hohes Engagement auf Facebook.

Facebook ging kürzlich auf die Vorwürfe ein. In einem Statement The Verge gegenüber erklärte ein Sprecher der Plattform, dass seit der Untersuchung 2016 bereits Veränderungen vorgenommen worden sind und Facebook beständig dabei ist, den Algorithmus entsprechend zu verbessern:

We’ve learned a lot since 2016 and are not the same company today. We’ve built a robust integrity team, strengthened our policies and practices to limit harmful content, and used research to understand our platform’s impact on society so we continue to improve. Just this past February we announced $2M in funding to support independent research proposals on polarization.

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