Video Marketing

YouTube bezahlt Stars, damit sie neue Features promoten

Um sich als stärkstes Videoportal zu behaupten, bietet YouTube seinen Stars große Summen für das Promoten neuer Features – unter anderem der Paid Membership.

Schauspielerin, Autorin, Filmemacherin und YouTuberin: Anna Akana, Screenshot, © YouTube

Der Status Quo ist klar: YouTube ist das Videoportal schlechthin, eine Suchmaschine für Content, ein Trend- und vielleicht sogar ein Gesellschaftsbarometer. Dennoch wird der Konkurrenzkampf härter, weil Facebook Live, Twitter, Twitch oder IGTV mehr Publika gewinnen. Deshalb zahlt YouTube seinen Stars Geld, sodass diese neue Optionen bei der Plattform anpreisen. Auch Bezahlmodelle sollen so popularisiert werden.

Stars sollen neue Features bei YouTube beliebter machen

Bei YouTube tummeln sich naturgemäß die Stars und Sternchen der Videoproduktion und des Streaming. Zum Beispiel Fernanfloo aus El Salvador, der mit Gaming auf der Plattform populär wurde und inzwischen 29 Millionen Follower hat. Mit einigen Stars der Plattform hat YouTube auch immer wieder Probleme. PewDiePie, bei YouTube extrem beliebt, muss sich Rassismus und sogar Antisemitismus vorwerfen lassen, während Logan Paul etwa mit schamlosen und ethisch fragwürdigen Videos auffiel. Solche Skandale werfen vorübergehend ein schlechtes Licht auf YouTube, das dadurch jedoch kaum an Beliebtheit einbüßt. Einer aktuellen Studie des Pew Research Centers aus den USA zufolge ist die Videoplattform bei den US-Teenagern das beliebteste soziale Medium.

YouTube ist bei den US-Teens extrem beliebt und oft genutzt, © Pew Research Center

Doch YouTube möchte sich seiner besonderen Stellung langfristig versichern; und dazu nicht nur neue Features, sondern auch Bezahloptionen weiter in den Fokus rücken. Hierfür sollen die Berühmtheiten des Portals quasi als Markenbotschafter fungieren. Das weiß Bloombergs Lucas Shaw unter Berufung auf unternehmensnahe Quellen zu berichten. Demnach sollen die Stars vor allem Monetarisierungsoptionen promoten, zum Beispiel den Super Chat, das Merchandise Shelf oder kostenpflichtige Mitgliedschaften für Kanäle. Dafür winken ihnen Shaw zufolge zehntausende, wenn nicht gar hunderttausende US-Dollar.

YouTube muss seine Monetarisierungsoptionen besser vermarkten

Die Videoplattform hat vorrangig im Bereich des Advertising Möglichkeiten bereitgestellt, die Produzenten mit großer Gefolgschaft und hohen Viewzahlen nutzen können. Das geht vielen YouTubern jedoch nicht weit genug. Sie wollen keine zu große Abhängigkeit von den reinen Werbeeinnahmen riskieren. Da andere Plattformen wie Twitch auch Abonnenmentmodelle bieten, könnten künftig vermehrt Produzenten abwandern. Denn IGTV bietet durch seine Nähe zu den Instagram Stories, wofür es etwa auch die Shopping-Option gibt, ebenso einen womöglich raschen Weg zur Conversion.

Aus all diesen Gründen hat YouTube im Juni neue Features vorgestellt, die Produzenten zu mehr Einnahmen und größeren Communities verhelfen sollen. Dazu gehören die Channel Memberships, die Viewer für 4,99 US-Dollar monatlich annehmen können. Außerdem bietet YouTube Merchandising Shelves, die das direkte Vermarkten von Artikeln des Produzenten unter einem Video erlauben.

Merchandising Shelf bei YouTube, Screenshot, © YouTube

Und mit Premieres lässt sich ebenso Geld einnehmen. Vorab produzierte Inhalte können als Live-Momente hochgeladen werden und Nutzer heben die Möglichkeit den Super Chat darauf anwenden. Dieser ermöglicht Fans ihre Nachrichten gegen ein geringes Entgelt hervorheben zu lassen.

YouTubes Super Chat ist seit 2017 eine Option, © YouTube

Einflussnahme durch die populärsten YouTuber

Jetzt sollen die Stars diese Tools selbst anpreisen, damit YouTube neben seiner Funktion als Reichweitengenerator auch als Monetarisierungsplattform in Erscheinung tritt.

YouTube creators are the heartbeat of our platform. That’s why we’re committed to building products that empower and support the creator community. We hope these tools help creators build a stronger community and earn more money while doing it, because when they succeed, the entire YouTube community thrives,

heißt es im Blog. Die Bezahlung von YouTubern – wer genau in diesem Fall profitiert, ist bisher nicht klar – zeigt nun, wie hart umkämpft der Videomarkt ist und dass YouTube anscheinend keine Kosten und Mühen scheut, um sich den Anforderungen der Produzenten gemäß weiterzuentwickeln. Die Verträge mit den Stars, die die Monetarisierungsfeatures promoten sollen, verbieten diesen übrigens nicht das Posten auf anderen Plattformen. Allerdings müssen Inhalte stets zuerst auf YouTube veröffentlicht werden. Gelingt dieser Coup und zieht womöglich weitere nach sich, könnte die Videoplattform ihre Vormachtstellung künftig stärken. Trotzdem wird sich der Markt dank vieler neuer Player, allen voran Twitch und IGTV, verändern. Hier gilt: wer sich für Nutzer, Marken und die Produzenten unentbehrlich macht, gewinnt letztendlich zumindest mittelfristig an Relevanz. In diesem Sinne ist YouTube weiter auf einem guten Weg.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

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