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„Wir betreten zurzeit eine neue Ära der Personalisierung von Videos“ – Jay Fulcher, CEO von Ooyala

[Part 1] Jay Fulcher, CEO von Ooyala, gibt Einblicke ins Video-Marketing, die Monetarisierung von Video-Inhalten und zeigt Trends auf.

Jay Fulcher, CEO von Ooyala

Jay Fulcher ist seit über vier Jahren Präsident und CEO des Video-Technologie-Unternehmens Ooyala. Der Unternehmer, Investor und Berater ist seit 1992 in der IT- und Marketing-Branche der USA aktiv und hat bereits zahlreiche Projekte gezielt vorangebracht. Zuletzt war er als CEO bei Agile Software tätig, das 2007 von Oracle übernommen wurde.

Das 2007 gegründete Ooyala hat es sich auf die Fahne geschrieben, großen Firmen und Marken dabei zu helfen, personalisierte Video-Inhalte auf allen Geräten zu jeder Zeit verfügbar zu machen. Dazu übernimmt das Unternehmen die technische Umsetzung und Monetarisierung sowie die Distribution und Analyse der Videos unter Zuhilfenahme von Big Data.

Im Folgenden beantwortet Fulcher in zwei Teilen unsere Fragen, die das Wesen, die Trends und den aktuellen Stand der Video-Marketing-Branche beleuchten sollen. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!

OnlineMarketing.de: Der Online-Video-Kanal hat in den letzten Jahren mehr und mehr an Bedeutung gewonnen. Wann kamen Sie zu der Überzeugung, dass Sie in dem Bereich aktiv werden müssen?

Jay Fulcher: Lassen Sie es mich so sagen: Als Ooyala 2009 auf mich zukam, war ich eigentlich nicht aktiv auf der Suche nach einer neuen Position. Auch machte das Unternehmen noch einen sehr jungen Eindruck und die Perspektiven schienen noch recht unklar sowie wenig markterprobt. Dennoch schien das Angebot der Gründer und das Potential von Ooyala für mich unwiderstehlich.

Mit dem Team und dem Vorstand von Ooyala besprachen wir dann ausführlich die wichtigsten aktuellen Trends in TV und Video. Das Ergebnis fiel eindeutig aus: Die Möglichkeiten waren enorm. Heute, fünf Jahre später, nach einer Expansion von 30 auf 300 Mitarbeiter, sind die damals diskutierten Tendenzen ausgeprägter und deutlicher als je zuvor. Die Entwicklungen rund um die Digitalisierung des Fernsehens spielen sich mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit ab.

Erstens steigt die Anzahl video-kompatibler Geräte, insbesondere von Smartphones und Tablets. Bald schon wird die Zahl der mobilen Geräte die der Weltbevölkerung übertreffen. Zweitens wird drahtlose Breitbandverbindung flächendeckend verfügbar, ein zentraler Faktor für das Abspielen von Premium-Video-Inhalten auf Milliarden von Endgeräten. Und damit verdient letztlich ein Broadcaster sein Geld. Schließlich ist die Big Data Analyse nun Realität: Eine enorme Menge der verschiedensten Daten rund um den Video-Konsum kann gesammelt werden. Dies ermöglicht ein genaues Abbild der Interaktion sowohl einzelner Individuen als auch des breiten Publikums mit Video-Content. Das Zusammenspiel dieser drei Trends bietet enorme Geschäftsmöglichkeiten. Dementsprechend haben wir in den letzten sieben Jahren den Fokus unserer Innovationen gelegt.

Welche Leistungen bieten Sie Ihren Kunden genau?

Wir bieten die nötigen Cloud-Technologien und Dienste für die Verwaltung und Monetarisierung personalisierter, über Internet ausgelieferter Video-Inhalte auf allen Geräten. Unsere umfassende Plattform bietet hier sowohl die grundlegende Technologie zur Verwaltung einer Online-Video-Bibliothek: Vom Verteilen eines Video über alle Gerätearten hinweg – gemessen an den Kriterien einer echten TV-Erfahrung – bis hin zur Messung der Interaktion der Zuschauer mit dem Video. So erfahren die Anbieter, wie sie ihre Umsatzmöglichkeiten für jeden individuellen Video-Asset optimieren.

Gerade die Big-Data Analyse zeichnet uns bei Ooyala aus. Wir haben von Anfang an erkannt, dass neue Formen der Datenanalyse und der Messung des Zuschauerverhaltens nötig sind, um die Akzeptanz von Werbung, Subskriptionsmodellen und Paywalls zu verstehen. Wir helfen unseren Kunden, die beste Strategie für ihre Zielgruppen zu entwerfen. Die Monetarisierung in der „one-to-one“-Welt der individuell IP-gestützt verteilten Video-Inhalte unterscheidet sich im hohen Maße vom „one-to-many“-Muster der TV-Werbung.

Zu Ihren Kunden gehören Dell, Panasonic und sogar der englische Fußballclub Arsenal London. Schildern Sie doch bitte einmal einen klassischen Kunden-Case.

Unser Kundenspektrum reicht von Kunden, die Videos für den Verkauf ihrer Produkte und für die Steigerung ihrer Markenbekanntheit nutzen – wie Dell oder Victoria`s Secret – über Verlagshäuser, die ihr Printgeschäft nun ins Internet verlagern, bis hin zu großen Sendeanstalten und TV-Service-Providern wie ESPN oder Foxtel.

Im deutschsprachigen Raum ist die Wiener Staatsoper ein gutes Beispiel, wie eine bedeutende Kunstinstitution sich mit unseren Diensten ein enormes Zuschauerpotential erschließen kann. Dazu bietet sie ihr ganzes Opern-Repertoire als Live-Performance im Web über Pay-per-View an. Der Time-Shift der jeweiligen Aufführung ermöglicht, dass weltweit jede Region die Live-Übertragungen zur lokalen Prime-Time genießen kann. Alles in wunderbar anzusehender HD Qualität und auf allen ans Internet angeschlossenen Fernsehern für den Fernsehgenuss auf der großen Leinwand im heimischen Wohnzimmer. So erschließt sich die Staatsoper eine ganz neue Einkommensquelle, was letztlich die künstlerischen Ziele unterstützt, die Inhalte gegenüber den Sponsoren aufwertet und neue größere Zielgruppen in Gebieten anspricht, die bisher nicht erreicht werden konnten. Hier nimmt die Wiener Staatsoper eine Vorbildfunktion für andere Unternehmen ein.

Der absolute Durchbruch steht und fällt mit Branding Budgets, die ihren Weg auch zu großen Teilen ins Netz finden. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Die Bewerbung von Online-Videos stellt zurzeit nur einen geringen Prozentsatz des gesamten Werbungsgeschäftes dar. Aber wir beobachten ein signifikantes Wachstum. Analysetools werden eine wichtige Rolle spielen, um hier Budget immer mehr in die Online-Etats zu verschieben.

Wenn ein Anbieter zum Beispiel weiß, zu welcher Tageszeit, an welchem Wochentag und von welchem Geräte welche Inhalte von einer bestimmten Zuschauerkategorie abgerufen werden, steigt der Gesamtwert der Werbung, weil Inhalte nun auf diese besonderen Umstände oder auch in einigen Fällen auf jedes Individuum zugeschnitten werden können. Das ist das wahre Versprechen und die Zukunft der Monetarisierung von Online-Video-Inhalten: Die perfekte Kombination von Inhalt, Gerät und Anzeigen für jeden einzelnen Zuschauer. Wir betreten zurzeit eine neue Ära der Personalisierung von Videos. Big Data-Analysen wie die von Ooyala lassen diese Vision wahr werden.

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Wenn ihr mehr zum Thema Monetarisierung von Video-Inhalten, Multi-Screen-Kampagnen oder den Stand des Video-Marketing auf dem deutschen Markt erfahren wollt, schaut morgen in den zweiten Teil des Interviews.

Über Anton Priebe

Anton Priebe

Anton Priebe ist Redaktionsleiter und seit Ende 2013 bei OnlineMarketing.de aktiv. Der studierte Germanist und Soziologe fokussiert sich auf Technologie, kreative Marketingstrategien und SEO. In seiner Freizeit klettert Anton gerne Wände hoch, bereist die Welt und freut sich über gutes Essen oder neue Musik.

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