Social Media Marketing

Instagram schafft Werbeinventar: Nutzer sehen empfohlene Beiträge – und ärgern sich

Seit Kurzem sehen User auf Instagram auch Beiträge von Personen, denen sie nicht folgen. Solch empfohlene Beiträge rufen gemischte Gefühle hervor.

© freestocks.org - Unsplash

Vor kurzer Zeit hat Instagram (heimlich), still und leise eingeführt, dass Nutzer empfohlene Beiträge zu sehen bekommen. Diese sind auch Posts von Usern, denen sie nicht folgen, und sollen zu mehr Verweildauer, Entdeckungen und Engagement führen. Während Instagram so mehr Werbung ausspielen könnte, macht sich bei den Instagrammern Unmut breit.

Warum empfohlene Beiträge angezeigt werden

Bei Facebook werden den Nutzern laufend Posts angezeigt, die von Freunden geliked wurden. Nun werden ebensfalls bei der Facebook-Tochter Instagram sogenannte empfohlene Beiträge angezeigt – selbst wenn diese von Nutzern stammen, denen du nicht folgst. Grund für die Anzeige ist dann, dass einer der Accounts, denen du folgst, den Beitrag geliked hat.

Instagram hat diese Neuerung ohne größere Ankündigung im Hilfebereich dargestellt. Ad Ages George Slefo und Co. berichteten davon. Demnach können die vorgeschlagenen Posts vorübergehend deaktiviert werden. Allerdings scheint dieser Zug für Instagram dazu zu dienen, mehr Inventar für Werbung bereitzustellen. Die Posts sollen die Verweildauer der Nutzer erhöhen, die mehr Zeit im Feed verbringen und somit mehr Werbung konsumieren. Außerdem könnten die empfohlenen Beiträge schon bald von Unternehmen stammen. Da etwa auf Facebook kaum mehr Raum für Werbeanzeigen übrig ist, sucht das Unternehmen neue Wege, um Werbetreibenden eine gewisse Reichweite zu gewährleisten. Dabei ist das Publikum auf Instagram natürlich eine gute Adresse. Werbung bei einer solch bildbasierten App oder Plattform, die besonders zu Kaufinspirationen neigt, bietet sich ohnehin an.

Nun werden die Nutzer beim Scrollen mehr Beiträge zu sehen bekommen, darunter eben die empfohlenen. Diese sollen Instagrammer dazu animieren, sich einerseits länger bei Instagram aufzuhalten und andererseits mehr mit – auch neu entdeckten – Inhalten zu interagieren. Im Zuge dessen kann Facebook seine Werbekunden zum Teil ebenso auf Instagram „umsetzen“, wo noch Werbekapazitäten vorhanden sind. Und mit derzeit über 800 Millionen monatlich aktiven Usern ist Instagram eine gute Plattform für zielgruppenorientierte Werbung.Statistic: Number of monthly active Instagram users from January 2013 to September 2017 (in millions) | StatistaMAUs bei Instagram von 2013 bis 2017, © Statista 

Was sagen die Nutzer dazu?

Eigentlich ist es doch gar nicht so schlecht, wenn dir noch der ein oder andere interessante Beitrag vorgeschlagen wird, der dich noch ein bisschen länger bei Instagram hält. Denn mit gutem Content sehen sich die Nutzer gern konfrontiert. Nicht zuletzt deshalb tummeln sie sich in den Sozialen Netzwerken. Allerdings funktioniert das nur, solange diese empfohlenen Beiträge auch wirklich von Interesse für dich sind. Dass das nicht immer zutrifft, zeigen Reaktionen der Nutzer auf erste vorgeschlagene Beiträge.

Insgesamt sieht sich die Neuerung bislang deutlicher Kritik vonseiten der User ausgesetzt. Denn diese heben einen wichtigen Punkt hervor. Es besteht ein gewisser Widerspruch darin, dass Instagrams Algorithmus dir ausgerechnet Posts von den Usern vorschlägt und anzeigt, denen du (bewusst) nicht folgst.

Natürlich könnten einige Nutzer durch diese Empfehlungen womöglich Neuentdeckungen machen. Dennoch ist das Gros der Nutzer scheinbar verärgert. Instagram entwickelt sich mehr und mehr in Facebooks Richtung. Das ist für das Unternehmen produktiv und für Werbetreibende sicherlich attraktiv. Die eingefleischten Instagrammer aber sind von der Entwicklung wenig beeindruckt. Dabei kommt ebenso die Frage auf, ob die Belange der Nutzer in den Hintergrund gerückt werden.

Hat diese Neuerung Auswirkungen auf Instagrams Nutzerbasis?

Die Kontrolle über die eigene Timeline ist also ein Stück weit begrenzter. Und der nachvollziehbare Einfluss der Werbeindustrie scheint seine Auswirkungen verstärkt auch bei Instagram deutlich zu machen. Solch ein Einfluss und der mit Vorschlägen gespickte Feed haben dem Wachstum bei Facebook keinen Abbruch getan, allerdings das Bild des Sozialen Netzwerkes verändert. Ob sich beim boomenden Instagram – trotz aller Kritik – ein spürbarer Einbruch der Popularität bemerkbar machen wird, bleibt abzuwarten; es ist jedoch nicht sehr wahrscheinlich.

Mit wachsender Popularität und größeren Ressourcen, sind die meisten Plattformen und Apps über kurz oder lang geneigt, wenn nicht mitunter gar gezwungen, sich den lukrativen Optionen des Online Marketing auszusetzen und dementsprechend anzupassen. Das zeigt unter anderem Snapchat, das um die Aufmerksamkeit der Werbetreibenden buhlen muss. Instagram muss das nicht; und das dahinterstehende Unternehmen Facebook Inc. weiß genau, wie man Werbeformate einsetzt und vermarktet und die Nutzer dennoch bei der Stange hält.

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