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Vero: Kann die App Hype und Anspruch vereinbaren?

Vero ist eine neue Social Media-App, die Wahrhaftigkeit verspricht – und mehr. Aber kann sie diese Versprechen bei anhaltendem Andrang halten?

Screenshot YouTube, © Vero

Und plötzlich taucht wieder eine neue Social App auf, die einen großen Hype auslöst. Vero, italienisch für wahrhaft, möchte den Nutzern wieder das echte Social Media-Erlebnis liefern. Dazu gehören Werbefreiheit, spezifische Kontaktkategorisierung oder unmittelbare Engagementmöglichkeiten. Dennoch sind Zweifel berechtigt, ob sich Vero etablieren kann.

Vero: Ein Erfolg durch frische Features

Seit Kurzem ist die Social App Vero in aller Munde. Und das hat seinen Grund. Bei Vero können Inhalte wie Filme, Musik, Bücher, Links, Standorte usw. mit Kontakten geteilt werden, die sich wiederum verschieden kategorisieren lassen. Dann kannst du entscheiden, welche Follower was sehen.

Verbinden mit Kontakten bei Vero (beim Klick aufs Bild gelangt ihr zur größeren Ansicht), Screenshot Vero

Dazu kommt, dass Posts, deine und von deinen Freunden, direkt in Collections versammelt werden, die als eine Art Bibliothek die Suche vereinfachen.

Collections in Vero speichern die Posts deiner Konversationen, © Vero

Nun gibt es aber noch mehr tolle Features, die Vero bietet. Du kannst Produkte kaufen, die geteilt werden, und zwar in der App. Genauso verhält es sich mit Musik, die du hören oder auch gleich kaufen kannst.

Die optisch gut aufgebaute App hat daher inzwischen eine Reihe auch berühmter Fürsprecher gewonnen. Zack Snyder, die British GQ oder Jeymes zählen zu Größen, die die Vero Website als Nutzer zählt.

Populäre Vero-Nutzer, Screenshot Vero

Und auch die Influencer haben diese App für sich entdeckt, wie die Huffington Post berichtet. Das hat einen ganz zentralen Grund: Vero ist werbefrei – und soll es auch bleiben. Damit hat diese Social App eine tolle Vision, bürdet sich aber auch einen Anspruch auf, bei dem es schwer wird, ihm gerecht zu werden.

Werbefreiheit lockt User, aber auch Probleme an

An Vero wird geschätzt, dass hier kein Algorithmus die Platzierung der Posts, im Zweifel zwischen Werbeanzeigen, wie bei Facebook, bestimmt. Dazu heißt es auf der Website:

There are no ads on Vero – just the posts you want to see. That also means there’s no algorithms and no data mining. Ever.

Dieses Versprechen und die starke Frequentierung der App durch Influencer hat dazu geführt, dass zuletzt immer mehr Nutzer Teil der Vero-Community werden wollten. Nachteilhaft gestaltete sich jedoch die technische Fertigkeit der App; denn unter dem Andrang gab es wieder und wieder Probleme, die App funktionierte immer häufiger gar nicht.

Der Zustrom hat aber noch einen weiteren Grund. Um die Werbefreiheit beibehalten zu können, soll die App kostenpflichtig werden, für alle User, die nach dem millionsten dazustoßen. Allerdings gibt es noch keine konkreten Informationen zu künftigen Kosten, wie die Terms of Use zeigen:

Certain aspects of the Service may be provided for an annual subscription fee or other charge. If and when we provide services requiring payment, and you elect to use paid aspects of the Service, you will be provided with pricing and payment terms which you will be required to accept in order to make those payments.

Genau an dieser Stelle könnten sich aber Probleme etablieren. Denn Apps, die bezahlt werden wollen, werden es im Social Media-Umfeld unheimlich schwer haben. Whatsapp hat das Bezahlmodell nicht wirklich durchsetzen können. Und auch wenn Instagram und Facebook inzwischen den einen oder anderen User verschreckt haben sollten, sind sie doch das Nonplusultra der sozialen Netzwerke, und dabei kostenfrei.

Wenn Vero als Finanzierungsmodell wirklich auf Bezahlung durch die Nutzer setzen wird, dürfte eine umfassende Etablierung sich deutlich schwieriger gestalten.

Und wie wahrhaftig ist Vero nun wirklich?

Das ist schwer zu sagen. Die App gibt es schon seit zwei Jahren, doch erst jetzt kommt sie zu Popularität; die sie womöglich einigen Influencern zu verdanken hat. Bisher hat die Algorithmus- und werbefreie Struktur überzeugen können, die Konzentration auf Social Media-Praktiken ist unübersehbar. Aber man kann Posts auch nur in Verbindung mit Medien – Videos oder Fotos etc. – absetzen. Und ein erster kleiner Riss in der Wahrhaftigkeit zeigt sich, wenn man bedenkt, dass über Vero Produkte in Hülle und Fülle gekauft werden können.

Vero macht In App-Käufe möglich, Screenshot YouTube, © Vero

Auch wenn es keine direkte Werbung ist, ist hier der Konsumgedanke doch offensichtlich. Die größte Frage aber wird sein: kann solch eine App langfristig werbefrei und nutzerfreundlich bleiben, wenn die Nutzungszahlen weiter steigen? Bislang haben alle Social Media-Größen dem Druck der Werbeindustrie nachgegeben. Und bislang haben sie auch viele neue Social Media-Apps überlebt.

Doch es scheint noch zu früh, um Vero einzuordnen oder gesicherte Prognosen abzugeben. Die App sollte die Chance haben, sich zu beweisen. Klar ist jedoch, dass der eigene Anspruch zum Stolperstein werden könnte, wenn die großen Marken die Vero-Community für sich entdecken. Keine lukrative Werbung zuzulassen, das ist wahrhaft schwer.

Zuallererst müssten aber die grundlegenden technischen Probleme in den Griff bekommen werden, damit der momentane Hype nicht abrupt wieder endet.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

2 Gedanken zu „Vero: Kann die App Hype und Anspruch vereinbaren?

  1. Christoph . B.

    Diese App wird irgendwann sein Versprechen zwangsläufig brechen müssen. Der Betrieb kostet nun mal Geld. Keiner kann aus reinem Idealismus irgendeine Leistung anbieten. Die aktuellen technischen Probleme werden wohl jetzt schon damit im Zusammenhang stehen. Ohne Knete, kein Ausbau der Infrastruktur.

    Die Schuld daran sehe ich aber eher beim User! Warum glauben die Leute im Netz immer alles kostenlos bekommen zu müssen. Sie nutzen etwas völlig ohne Gebühren und beschweren sich dann über Werbung!
    Wacht mal auf, das Internet ist nicht gratis.

    Entweder die Leute zahlen den Service mit Werbeeinblendungen und ihren Nutzerdaten oder eben mit Euros.
    So lange die breite Masse nicht kapiert, dass keinen Anspruch auf Kostenfreiheit gibt, werden solche Angebote scheitern. Entweder geht Vero die Knete aus oder sie werden ihr Versprechen brechen.

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  2. Aziza

    Zwar schreien viele, dass die App vermutlich genauso schnell verschwinden wird wie Ello und Co., aber das Problem bei den anderen Social Networks war das unausgereifte Geschäftsmodell. Vero hat meiner Meinung nach ein stabiles, durchdachtes System entwickelt, um User UND Werbetreibende zufrieden zu stellen. Ob das am Ende des Tages wirklick klappt, hängt selbstverständlich immer noch am User. Ärgerlich ist derzeit die ewige Downtime. Das wird Vero einige User kosten, die vermutlich Lust auf die neue App gehabt hätten.

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