Marketing Strategie

Veränderungen in der Video-Advertising-Landschaft: Ooyala schluckt Videoplaza

Ooyala, Tochter von Telstra, kauft das britische Startup Videoplaza. Wir befragten Jay Fulcher, CEO Ooyala, zu dieser ersten Übernahme.

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Video-Technologie-Unternehmen Ooyala übernimmt Videoplaza und baut damit seine Reichweite massiv aus. Beiden Unternehmen bieten sich somit Möglichkeiten, weiter zu expandieren.

Die erste Übernahme von Ooayala

Wie vor kurzem bekannt wurde, schluckt Ooyala das 2007 gegründete, britische Startup Videoplaza. Die Tochter von Telstra aus Australien mit Kunden wie Dell, Panasonic oder Arsenal London geht mit ihrer ersten Akquisition der Video-Advertising-Plattform verstärkt in den programmatischen Sektor. Ooyala unterstützt große Unternehmen dabei, personalisierte Videoinhalte geräteübergreifend auszuliefern, stellt dafür die notwendige Technologie bereit und bietet Möglichkeiten zur Monetarisierung sowie die Distribution der Videos samt Analyse an.

Videoplaza war bislang vor allem in Europa und Asien aktiv, laut eigenen Angaben gehören „etwa die Hälfte der europäischen Fernsehsender und etliche Medienhäuser im Asien-Pazifik-Raum“ zu ihren Kunden. Nach der Übernahme ist mit einer erhöhten Präsenz auf dem US-amerikanischen Markt zu rechnen.

Ooyala nennt diese Akquisition nur „den ersten Schritt einer Mehr-Stufen-Strategie“, ihre Produkte umfassen nun „Content-Syndizierung und -Management, Wiederholfunktionen, Adserving, Programmatic Trading, Inhalte-Empfehlungen und Echt-Zeit-Analysen von Nutzerverhalten, Inhalten und Werbewirkung“. Das Unternehmen geht davon aus, dass sich die Budgets für Werbung immer mehr in den digitalen Sektor verschieben werden und spricht von einem Wachstum von 40 Prozent für die USA im kommenden Jahr.

Noch bieten beide Unternehmen ihre Dienste getrennt voneinander an, eine übergreifende Plattform sei jedoch geplant. Sorosh Tavakoli, Gründer und CEO von Videoplaza, freut sich über die Übernahme und sieht jetzt deutlich bessere Chancen zu expandieren. Wir sprachen mit Ooyalas CEO Jay Fulcher, der bereits sei seit 1992 in der IT- und Marketing-Branche der USA aktiv ist.

Interview mit Jay Fulcher, CEO Ooyala

OnlineMarketing.de: Wie schätzen Sie den europäischen Markt für Video Advertising ein? 

Jay Fulcher-CEO Ooyala

Jay Fulcher, CEO Ooyala

Jay Fulcher: Mit dem Erwerb von Videoplaza betreten wir Europa und damit einen der weltweit am stärksten wachsenden Anzeigenmärkte. Die Preise, die über Bannerwerbung erzielt werden, erodieren kontinuierlich. Marken suchen gleichzeitig geeignete Werbeumfelder und diese finden sie im Bewegtbildumfeld. Budgets verschieben sich also in Richtung Video. Alle Premium Publisher in Europa haben bereits eine Videostrategie und brauchen die besten Partner um diese umzusetzen, oder sie entwickeln gerade ihre Strategie. Beides zeigt, dass wir in Europa nun genau richtig positioniert sind.

Denken Sie, dass Video Advertising ein Gamechanger für die Online Marketing Branche ist?

Ganz bestimmt. Wir gehen von einem adressierbaren Marktvolumen von rund 10 Milliarden Dollar in der nahen Zukunft aus. Videokonsum verlagert sich immer mehr weg vom traditionellen Fernsehen auf der Couch. Der Zuschauer geht immer stärker ins Internet und wird dabei mobiler. Führende Werbeagenturen empfehlen daher den Fernsehanstalten, bis zu 25 Prozent ihrer Fernsehwerbungsgelder von TV auf Digital zu verlagern. eMarketer schätzt, dass die weltweiten Investitionen in digitale Anzeigen dieses Jahr um 16,7 Prozent steigen und die Gesamtmenge von 10 Milliarden Dollar übertreffen werden. Weltweit wird das hier allokierte Budget erstmals die 25-Prozent-Marke übertreffen.

In demselben Maße, wie TV und Video-Konsum sich immer mehr auf verschiedene Ausgabegeräte über das Fernsehen hinaus verteilen, müssen sich auch die Systeme und Prozesse für die Verwaltung, Verteilung und für die Monetarisierung von Video und Fernsehen entwickeln. Jede Fernsehanstalt, jeder Verlag und jeder Netzbetreiber weltweit durchläuft bedeutsame Veränderungen. Alle suchen nach Partnern, die ihnen helfen, ihre digitalen Premium-Angebote zu monetarisieren.

Warum entschieden Sie sich für eine Übernahme des Unternehmens?

Wir bei Ooyala wollten unsere starke Kompetenz mit den Vorteilen von Videoplaza kombinieren. Durch die unter einem Dach integrierte Analyse des Zugriffs auf Inhalte und auf Werbungen werden die Kunden von Ooyala und Videoplaza das Zuschauerverhalten, deren Bindung an Premium-Inhalte und ihre Reaktion auf Werbung besser verstehen. Wir werden mit einem so enorm vergrößerten Datensatz gemeinsam bessere Werkzeuge und Entscheidungsgrundlagen für eine profitable Entwicklung von Inhalten und Werbung bieten.

Videoplaza ist gerade dafür ein wichtiger Marktteilnehmer und betreibt bereits das digitale Anzeigengeschäft für einige der weltweit größten Video-Anbieter – darunter die Hälfte der europäischen Fernsehsender und zahlreiche wichtige Marktteilnehmer in der Asia-Pazifik-Region. Zu den Kunden gehört in Deutschland RTL sowie M6 in Frankreich, TV4 in Schweden, Mediaset in Spanien, STV in Großbritannien oder Mediacorp in Singapur.

Vielen Dank für das Interview!

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