Social Media Marketing

Antworten verbergen: Twitter arbeitet an neuer Funktion

**UPDATE** User könnten Konversationen bei Twitter demnächst stärker beeinflussen, denn das Medium arbeitet am Hide Tweet Feature, das ambivalent erscheint.

© Con Karampelas - Unsplash

Ein Update und erste Testergebnisse findest du am Ende dieses Artikels.

Was wäre, wenn man unpassende oder unerwünschte Antworten bei Twitter einfach ausblenden könnte? Für viele Nutzer scheint die Option wertvoll, um die Konversation frei von deplatzierten Ausführungen zu halten. Andererseits ermöglicht dies auch eine Ausblendung von Meinungen. Twitter bestätigte die Arbeit am Feature Hide Tweet, wobei die Kommentare aber nicht gelöscht, sondern nur verborgen werden.

Die Hide Tweet-Funktion zur Kontrolle über Konversationen

Sarah Perez berichtet bei TechCrunch über die Funktion, die die Code-Expertin Jane Manchun Wong entdeckt und bei Twitter präsentiert hatte.

Gegenüber TechCruch hat der Kurznachrichtendienst die Entwicklung des Features selbst bestätigt. Dabei handelt es sich um eine Funktion, die über den Share Button ausgeführt werden kann. Mit der Option „Hide Tweet“ können einzelne Replies bei Tweets einfach verborgen werden.

Wer darauf zurückgreift, kann später alle versteckten Tweets wieder darstellen. Und für andere User sind diese auch nicht gänzlich verschwunden. Allerdings müssten sie zunächst zu den geblockten Antworten durchklicken, um diese zu sehen. Und manche Nutzer wissen womöglich gar nicht, dass sie diese Möglichkeit haben.

Kritik am neuen Feature

Noch ist die Funktion Hide Tweet gar nicht ausgerollt, doch die Kritik daran ist bereits vorhanden. Zwar liefert das Feature eine gute Alternative, um Konversationen so zu moderieren, dass beispielsweise hasserfüllte Antworten – die nicht direkt gesperrt werden – oder unsinnige Kommentare außen vor bleiben. Doch genau solch eine selektive Moderationsoption ermöglicht potentiell auch die, zumindest oberflächliche, Zensur anderer Meinungen.

Sarah Perez stellt in den Raum, dass mehr User zum Tweeten animiert werden könnten, wenn ihnen die Option zur Regulierung der Antworten freisteht; was letztlich zum Nutzerwachstum führen könnte. Dieser Vorteil allein wird womöglich aber nicht davon ablenken, welche Schattenseiten das Feature entwickeln könnte, gerade im politischen Kontext.

Twitters Senior PM, Michelle Yasmeen, brachte bei Twitter mit einer Reihe von Tweets etwas mehr Kontext zu dieser aktuellen Entwicklung. Darin erklärt sie, dass das Empowerment der Nutzer sehr wichtig sei. Zudem habe man Feedback erhalten, das den Wunsch nach einer solchen Funktion ausdrückt.

We try to balance the experience across all four groups, and we are continuously exploring ways to shift the balance without overcorrecting.

Die bisherigen Features zum Blockieren und Stummschalten bringen nur Änderungen für den Blockenden, das Melden von Inhalten funktioniert nur bei Content, der die Richtlinien verletzt. Hier setzt Hide Tweet als Alternative an; die aber die Transparenz nicht vermissen lassen soll.

Daher wird die neue Funktion in den kommenden Monaten getestet und Twitter ist auf umfassendes Feedback gespannt. Die Option erscheint auf den ersten Blick nun durchaus pragmatisch, weil sie zur Durchsetzung von Konversationsregeln beitragen könnte. Allerdings hat sie gleichzeitig das Potential, spezifische Meinungen auszugrenzen. Hide Tweet kommt demnach als Gratwanderung daher. Da man ähnliche Funktionen bei Instagram, Facebook und Co. jedoch auch findet, damit Antworten von Bots oder Trollen nicht die Konversation beherrschen, dürfte sich das Feature bei Twitter durchsetzen. Denn wie bei jeder Option in Social Media, kann sie auf vielfältige Weise genutzt werden.

UPDATE vom 20.09.2019:

Nachdem das neue Feature bereits seit Juni testweise für kanadische User freigegeben ist, soll es nun auch für Japan und die USA in der App freigeschaltet werden. Twitter erhofft sich davon ein breiteres Testfeld.

Die Anwendung des Features läuft dabei so ab, wie oben beschrieben. Die Effekte des bisherigen Tests in Kanada beschreibt Twitter als durchweg positiv. So schreibt das Unternehmen, dass vor allem Tweets versteckt wurden, die irrelevant zum Thema waren, Hate Speech enthielten oder unverständlich waren. Zudem geben 27 Prozent der User, deren Tweets ausgeblendet wurden, an, dass sie ihre zukünftigen Interaktionen auf Twitter überdenken würden. Allgemein scheinen die Nutzer der Funktion diese zu loben, vor allem weil sie Kontrolle darüber haben, was sie sehen. Als Ergänzung fügte Twitter nun noch hinzu, dass ein User beim Ausblenden eines Tweets zusätzlich gefragt wird, ob der den Absender der Nachricht auch direkt blocken möchte.

Bisher scheint das Feature also den gewünschten Effekt zu haben: User dazu zu bringen, ihre Aussagen im Internet zu überdenken und Twitter dadurch freundlicher und hate-freier zu gestalten. Ob es jedoch dabei bleibt oder ob die User in Japan und den USA das Feature missbrauchen, um Meinungen verstummen zu lassen und Zensur zu betreiben, wie es die Kritiker befürchten, bleibt abzuwarten. Wir werden euch in jedem Fall mit Updates zu Twitters Tests auf dem Laufenden halten.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

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