Social Media Marketing

Beschwerde: TikTok ignoriert Vereinbarung zum Schutz von Kindern

Die Plattform verstößt gegen eine Vereinbarung mit der FTC zum Schutz von Kindern im Internet. So sammelt die App immer noch persönliche Daten und hostet Content von Usern unter 13 Jahren.

TikTok App auf Smartphone

© Kon Karampelas- Unsplash

Gegen die App TikTok wurde von insgesamt 20 Organisationen zum Schutz der Privatsphäre von Kindern Beschwerde bei der Federal Trade Commission (FTC) eingereicht. Der Grund: Die App habe gegen eine Vereinbarung verstoßen, die im vergangenen Jahr zwischen TikTok und der FTC getroffen wurde. Die Kurzvideo-Plattform ignoriere weiterhin die Privatsphäre-Regelungen für Kinder im Internet.

TikTok versprach, Videos und Daten von Usern unter 13 Jahren zu löschen

Erst im Februar 2019 musste TikTok eine Strafe von 5,7 Millionen US-Dollar an die FTC bezahlen. Die Vorgänger-App Musical.ly verstieß gegen den Children’s Online Privacy Protection Act (COPPA). Der COPPA besagt, dass User, die jünger als 13 Jahre sind, eine Einwilligung der Eltern brauchen, um sich in einer App anzumelden. TikTok stimmte im Zuge der Vereinbarung mit der FTC zu, sämtliche Videos von Nutzenden unter 13 Jahren zu entfernen. Des Weiteren versicherte TikTok, alle persönlichen Informationen der Kinder, wie zum Beispiel Name, E-Mail-Adresse und Bilder zu löschen. Dies sei allerdings bis jetzt noch nicht geschehen, so der Vorwurf in der nun eingereichten Beschwerde:

Under the terms of the consent decree, TikTok agreed to either destroy all personal information in its control […] or alternatively, to destroy all personal information collected from users under 13 years of age. In fact, however, TikTok has not destroyed all personal information collected from users under age 13.

Gemeinsam mit anderen Organisationen kritisiert das Center for Digital Democracy in der eingereichten Beschwerdeschrift, dass sich immer noch Content von unter 13-Jährigen auf der Plattform befinde. Auch würde sich TikTok in keinerlei Hinsicht darum bemühen, die Einwilligung der Eltern von neuen Usern zu erhalten. In dem Dokument heißt es weiter :

TikTok fails to make reasonable efforts to ensure that a parent of a child receives direct notice of its practices regarding the collection, use, or disclosure of personal information. Indeed, TikTok does not at any point contact the child’s parents to give them notice and does not even ask for contact information for the child’s parents.

Kinder können die Alterskontrolle einfach umgehen

Ein weiterer Kritikpunkt, der in der Beschwerde aufgeführt wird: Sogar die von TikTok eingerichtete Alterskontrolle und die damit einhergehende Beschränkung der Sharing-Optionen im sogenannten „younger users Account“, kann einfach umgangen werden. Denn Kinder, die sich bei TikTok anmelden, können ganz unkompliziert ein falsches Geburtsdatum angeben. Auch sammle TikTok weiterhin – ebenfalls bei den „younger users Accounts“ – persönliche Daten, ohne die Zustimmung der Eltern. Der Zusammenschluss schreibt in der Beschwerde:

Even with a younger users account, TikTok still collects some personal identifiers and usage information that go beyond support for internal operations, for which TikTok does not obtain verifiable parental consent.

TikTok selbst betont, dass es der Plattform wichtig sei, die User zu schützen. So schrieb eine Unternehmenssprecherin in einer E-Mail an OnlineMarketing.de:

Der Schutz der Daten unserer Nutzenden hat bei TikTok höchste Priorität. Wir verpflichten uns dazu, mit TikTok eine Plattform bereitzustellen, die für unsere Nutzenden ebenso sicher wie unterhaltsam ist.


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Auch andere Plattformen haben Probleme mit dem Kinderschutz

Das Schützen der Privatsphäre von sehr jungen Usern ist nicht nur ein Problem für TikTok. Auch YouTube wurde bereits zu einer Strafzahlung von satten 170 Millionen US-Dollar von der FTC verurteilt. Googles Videoplattform hatte ebenfalls mit dem Sammeln von persönlichen Daten von Kindern und Jugendlichen gegen den COPPA verstoßen. YouTube reagierte mit einem neuen Label-System, dass Content von jungen YouTubern seitdem kennzeichnet.

In einer Pressemitteilung kritisierte Jeff Chester, Executive Director of the Center for Digital Democracy, die Arbeit der FTC allerdings scharf:

Congress empowered the FTC to ensure that kids have online protections, yet here is another case of a digital giant deliberately violating the law. The failure of the FTC to ensure that TikTok protects the privacy of millions of children, including through its use of predictive AI applications, is another reason why there are questions whether the agency can be trusted to effectively oversee the kids’ data law.

TikTok möchte Eltern mehr Kontrolle geben, um Kinder zu schützen

Als Bytedance im August 2018 Musical.ly übernahm, hatte die App 100 Millionen monatlich aktive Nutzende. Mittlerweile hat TikTok mehr als 800 Millionen User weltweit. Viele davon sind Kinder, für die besonders strenge Datenschutzbestimmungen gelten. Denn immer wieder bekommen junge Nutzende unaufgefordert und auf unangebrachte Weise Nachrichten von älteren Usern. Teilweise artet dies sogar in Belästigung aus. TikTok versuchte bereits den Eltern mehr Kontrolle über die Accounts ihrer Kinder zu geben und führte das Feature Family Pairing ein. Damit können Eltern ihren Account mit dem ihrer Kinder verbinden, die Nutzungszeit beschränken oder Nachrichten lesen und gegebenenfalls löschen.

Die nun eingereichte Beschwerde zeigt allerdings, dass die App immer noch viele Sicherheitslücken aufweist. TikTok sollte diese zum Wohle der jüngeren User schnellstmöglich schließen. Denn gerade junge Nutzende lassen sich von Features, die ihren Account mir dem der Eltern verknüpfen oder anderweitigen Alterskontrollen nicht davon abhalten, die App selbstbestimmt zu nutzen.


Der Artikel wurde am 18.05.2020 um das Statement von TikTok ergänzt.

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