Social Media Marketing

#SpottedAtLidl: Sind wir 2018 am Tiefpunkt des Influencer Marketings angekommen?

Was Lidl mit seiner aktuellen Social Media-Kampagne eigentlich vorschwebte, ist anscheinend nicht mal dem Discounter selbst klar. Ein Kommentar.

#SpottedAtLidl - OMG, jetzt werden die Social Stars schon im Discounter verfolgt. © Screenshot, Instagram

Ist das Influencer Marketing 2018 schon so kaputt, dass es Unternehmen völlig am Allerwertesten vorbeigeht, was für Kampagnen sie der Lächerlichkeit preisgeben oder ist Lidls neuer Influencer Marketing-Versuch ein Geniestreich? Eine definitive Antwort darauf werden wir leider nicht finden, auf die partizipierenden Influencer allerdings wirft das alles gar kein gutes Licht.

#SpottedAtLidl oder besser #CannotUnsee

Es muss um den 13. August herum gewesen sein, dass Lidls neue Kampagne auf Instagram online ging. Unter dem Hashtag  #SpottedAtLidl finden sich derzeit (zum Glück nur) insgesamt 21 Bilder, die ein paar mehr und ein paar weniger bekannte „Influencer“ abbilden, die allem Anschein nach bei ihrem Einkauf beim Discounter von „Paparazzi“ erwischt wurden.

So können wir also in das vor völliger Überraschung gefrorene Gesicht des GZSZ-Sternchens Valentina Pahde schauen, die offenbar gerade die InTouch nach Bildern von sich scannt.

Beim Lesen erwischt! © Screenshot, Valentina Pahde

„Ach, so ein Mist aber auch. Na ja, das musste ja irgendwann passieren, dass ich vom Paparazzi erwischt wurde. Nee, du.“ Nun ja, wer zwanghaft Produkte in Discountern fotografiert, wird früher oder später eben erwischt.

@foodnewsgermany bei der Produktion für private Selfies mit Ü-Eiern. © Screenshot, Food News Germany

Wer kennt es nicht? Da will man sich nur zwei große Melonen zum Abendbrot holen und wird direkt von Paparazzi fotografiert! Unfassbar.

@krueger_patrick hat zwei sehr große Melonen. © Screenshot, Patrick Krüger

Die Bilder sind keinesfalls gestellt, das suggerieren sie schließlich auch. Ja klar, wer kennt sie nicht: Die in jeder Lidl-Filiale lauernden Paparazzi mit ihren mit großen Teleobjektiven ausgestatteten Profikameras, das Bokeh im Vordergrund so ungestellt wie die Szenen schlechter Soaps. Man fühlt sich schon sehr behelligt, jedes Mal, wenn der Einkauf beim nächsten Lidl ansteht.

Die Kampagne – da alle 21 Beiträge auf Instagram vor Werbekennzeichnungen nur so triefen, muss es gewollte Werbung sein – wirkt auf den ersten Blick wie ein Unfall. Man kann einfach nicht wegschauen.

Tja, wie funktioniert eigentlich ein gutes Influencer Marketing? Sicherlich nicht, indem man irgendwelche Social Media User aus der Versenkung zerrt, die die Nutzer eventuell irgendwo schon einmal gesehen haben könnten, aber nicht mehr wissen wo genau. Das erinnert doch sehr ans „Sommerhaus der Stars“, bei dessen Start die Zuschauer alljährlich erstmal Google bemühen müssen und selbst da teils ratlos zurückbleiben.

Da platzt einem ja der Kopf

Auf Instagram gibt es eben viele Fangirls und -boys. Das ist aber vermutlich auch der einzige Grund, weshalb es zumindest dort zum Teil positive Resonanz gibt. Die Boys und Girls haben allem Anschein nach einen kognitiven Filter für Inhalte entwickelt, der alles rund um die abgebildete Person in Unschärfe ertränkt. Auf Facebook finden die Nutzer deutlichere Worte.

Handelt es sich hierbei um eine absichtlich derart schlechte Geschichte, die einfach nur entsetztes Medienecho erzielen wollte? Frei nach dem Motto „schlechte PR ist besser als gar keine PR“, um danach mit einer Auflösung um die Ecke zu spazieren, à la „Haha ihr Loser seid alle reingefallen, war nur ein Witz!“. Nicht mal dieser vermeintliche PR Coup ist gelungen – selbst Publisher, die sich sonst auch für keine Story zu schade sind, scheinen zu paralysiert, um in die Tasten zu hauen.

Irgendeiner musste es aber mal ansprechen. Man kann schlechte Influencersachen machen, was Perlen des Influencer Marketings durchaus regelmäßig bildgewaltig beweist. Man muss die ohnehin schon strauchelnde Disziplin, deren Authentizität ständig durch den Quark gezogen wird, aber nicht noch lächerlicher machen. Ist die Kampagne so schlecht, dass sie schon wieder gut ist? Nein. Sie ist so schlecht, dass es besser gewesen wäre, sie niemals zu veröffentlichen.

Über Tina Bauer

Tina Bauer

Studierte Sozialwissenschaftlerin mit Hang zu Online und Marketing. Seit 2014 als Redakteurin & Content Managerin bei OnlineMarketing.de.

3 Gedanken zu „#SpottedAtLidl: Sind wir 2018 am Tiefpunkt des Influencer Marketings angekommen?

  1. Andreas

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies eine ernsthafte Werbekampagne von Lidl sein soll

    Antworten
  2. Jochen Harter

    Liebe Tina,

    wie heisst es so schön, thanks for sharing.
    Wenn ich die Likes auf Patricks Post ansehe, >1000, frage ich mich ernsthaft, was einem an diesem Bild gefallen kann? Bei Fashion oder Foodpics komm ich ja noch einigermaßen mit, nur bei diesem Frage ich mich ernsthaft „wie lange war wohl die Verweildauer“ des Betrachters? Wahrscheinlich <1 Sekunde.

    Vielleicht wäre diese Werbemaßnahme auch mal was für den gebeutelten Beate Uhse Konzern.

    Viele Grüße
    Jochen

    Antworten

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