Social Media Marketing

Social Bots als Propaganda: Wie Trump die öffentliche Meinung manipuliert

Social Bots sind nicht nur nervig, sie können als automatisierte Maschinen auch den politischen Diskurs manipulieren.

© Siyan Ren | Unsplash

Social Bots werden gerade heiß diskutiert, denn ihr Sinn erschließt sich nicht jedem und dabei können sie auch eine Gefahr darstellen. Sie werden von Menschenhand programmiert, um die Sozialen Netzwerke zuzuspammen und manipulieren Meinungen. Zuletzt machten sie im Rahmen des US-amerikanischen Wahlkampfs Schlagzeilen und nun will auch die AfD sie bei der anstehenden Bundestagswahl zum Einsatz bringen.

Social Bots übernehmen die sozialen Medien

Social Bots sind automatisierte Social Media Accounts, die mehr oder minder dazu in der Lage sind, mit Usern zu interagieren. Die meisten sind darauf programmiert, vollautomatisch eine hohe Anzahl an Beiträgen am Tag auszusenden und die Plattformen zu fluten. Das folgende Beispiel zeigt einen weitestgehend harmlosen, wenn auch für Admins nervigen Einsatz der Social Bots auf Facebook:

Chatbots führen eine mehr oder weniger sinnvolle, aber dafür eigenständige Unterhaltung © Facebook

Chatbots führen eine mehr oder weniger sinnvolle, aber dafür eigenständige Unterhaltung © Facebook

Schwieriger zu identifizieren und damit weitaus gefährlicher sind Bots, die scheinbar reagieren und deren Kommentare oder Tweets nicht mehr so einfach von menschlichen Usern zu unterscheiden sind.

Bot oder Mensch? Bei diesem Account handelt es sich laut Politico.com um einen Bot.

Bot oder Mensch? Bei diesem Account handelt es sich laut Politico.com um einen Bot.

Pro-Trump Tweets sind Bot-verseucht

So sorgte die erste Live Debatte des US-amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump in jüngster Vergangenheit für Aufsehen. Ein Forscherteam der Oxford University analysierte die Tweets während der Debatte und konnte dabei herausfinden, dass wenigstens 33 Prozent des Pro-Trump-Traffics Bot-generiert oder zumindest hoch automatisiert war – jeder dritte Tweet also wurde von einem Bot versandt.

trump-clinton-bots

Auch Tweets, die sich für Clinton aussprachen, waren mit hoher Wahrscheinlichkeit zu etwa 22 Prozent automatisiert. Zwar hätte Trump den Wahlkampf zumindest auf Twitter auch ohne die Bots für sich entschieden, wie die Forscher angaben, dennoch bietet die Technologie auch einen guten Nährboden für Manipulation. Nicht wenige User werden sich in ihrem Meinungsbild von der schieren Anzahl an vermeintlichen Trump-Befürwortern beeinflussen lassen. Obwohl Trump also selbst die erste Debatte (thematisch) verloren hatte, pushten ausschließlich Twitter Bots den Hashtag #TrumpWon bis er trendete und das Ergebnis verzerrte.

Social Bots beeinflussen den politischen Diskurs

Social Bots können auch zur Ablenkung eingesetzt werden, um den Fokus umzulenken und Diskussionen zu verwässern. Als Trump etwa beschuldigt wurde, Geld aus seiner Wohltätigkeitsorganisation abgezapft zu haben, um Kosten für Rechtsstreite zu decken und Portraits von sich anfertigen zu lassen, twitterte eine Vielzahl seiner Fans über Clintons eigene Stiftung. Als Trump während einer Debatte bei der Frage nach seiner Steuererklärung ins Straucheln kam, setzte die gleiche Twitterarmee eine handfeste Diskussion über Clintons Steuern in Gang.

Die Bots werden dabei so programmiert, dass sie aussehen, als stünden echte Menschen hinter dem Account. Wie ein Hacker der Bloomberg Businessweek mitteilte, wollte er die Möglichkeit der Manipulation nicht ungenutzt lassen:

When I realized that people believe what the Internet says more than reality, I discovered that I had the power to make people believe almost anything

Neben dem echten Erscheinungsbild der Bots, macht auch ein weiterer Faktor die Identifizierung zu einem schwierigen Unterfangen: Wird ein Account öffentlich auf das Faken angesprochen, kommt es häufig vor, dass der Programmierer übernimmt und auf den Vorwurf reagiert.

Im aktuellen US-Wahlkampf findet seitens der Hacker ebenfalls eine Instrumentalisierung von Randgruppen statt. So besteht eine ganze Reihe an Latino-Bots, die Trump unterstützen und suggerieren sollen, dass er eine gute Wahl sei.

Auch die AfD will Bots zur Propaganda einsetzen

Zuerst gerieten Social Bots laut Politico vermutlich im Zuge des Abschusses der Boeing 777 der Malaysian Airlines über der Ost-Ukraine in den Fokus der Aufmerksamkeit: Um Misinformation über die Herkunft der Rakete zu streuen, wurden Bots in den Sozialen Netzwerken aktiviert. Und auch der Ursprung des ausschließlich bot-generierten Hahstags #TrumpWon konnte nachverfolgt werden. Laut Heat Street handelt es sich dabei um eine Troll-Fabrik in Sankt Petersburg. An eine Trollschmiede zu gelangen, die die Politik zum eigenen Vorteil manipulieren kann, ist also scheinbar kein großes Problem.

petersburg

Die großflächige Nutzung von Social Bots im US-Wahlkampf ist kein Einzelfall. Hält man sich in Deutschland noch weitestgehend mit dem Einsatz zurück, rückt gleichzeitig auch die Bundestagswahl im kommenden Jahr immer näher. Während die traditionellen Parteien, die bereits im Bundestag vertreten sind, keinen Grund sehen, Bots für die Wahlen einzusetzen, sieht die AfD dieses Thema anders. Nicht nur, dass die AfD ohnehin bereits einen großen Zulauf verzeichnet, der auch zu einem gewissen Teil auf Social Media Aktivitäten zurückzuführen ist. Auch gibt die Partei offen zu, selbstverständlich Bots für den Wahlkampf einsetzen zu wollen, wie der Spiegel berichtet.

Gefahr der einseitigen Meinungsbildung

Zwar lehnen sowohl Merkel mit der CDU im Rücken als auch SPD, Linke sowie Die Grünen Bots ab, wollen jedoch auch einen Fokus auf Soziale Medien legen. Ein großer Teil der Wählerschaft nutzt Social Media, die Gefahr der einseitigen Meinungsbildung ist hier dank (semi-)intelligenter Algorithmen nicht eben klein. Warum nicht die Wähler dort ansprechen, wo sie am besten zu erreichen sind? Wenn auch die AfD ein recht antiquiertes Programm ihr eigen nennt, eines kann sie besser als die anderen: Social Media. Mithilfe von Bots steigert die Partei ihre Reichweite und wird ebenfalls in den Diskurs eingreifen können. Denn gibt es eine Vielzahl vermeintlicher User, die sich positiv für die AfD aussprechen, kann sie so schlecht ja nicht sein.

Die Irreführung durch den Einsatz von Social Bots kann das Meinungsbild durchaus manipulieren und zur Instrumentalisierung genutzt werden. Dass Trump letztlich doch an Reputation einbüßen musste, liegt an den handfesten Skandalen, gegen die auch die Bots nichts mehr verrichten konnten.

Über Tina Bauer

Tina Bauer

Studierte Sozialwissenschaftlerin mit Hang zu Online und Marketing. Seit 2014 als Redakteurin & Content Managerin bei OnlineMarketing.de.

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