Social Media Marketing

Nach Shooting in YouTube-Zentrale: Twitter-Account von Mitarbeiter gehackt

Wenige Minuten nach dem Ende der Schießerei kaperten Hacker den Twitter-Account des Mitarbeiters, um Fake News zu verbreiten.

© Flickr / Greg Schechter, CC BY 2.0

Bei dem gestrigen Shooting im YouTube-Headquarter im kalifornischen San Bruno, bei dem es drei Schwerverletzte und ein Todesopfer gab, kam es zu einem nennenswerten Vorfall auf Twitter. Der YouTube-Mitarbeiter Vadim Lavrusik tweetete aus dem Gebäude über die aktuelle Lage. Sein Initial-Tweet war die erste offizielle Wortmeldung zum Vorfall und wurde entsprechend häufig geteilt. Als ob die Schießerei an sich nicht bereits grausam genug wäre, wurde Lavrusik kurz danach Ziel von Hackern, die über seinen Twitter-Account Fake News verbreiteten.

Hacker nutzen öffentliche Aufmerksamkeit

Twitter ist der Hotspot für Realtime News. Nirgends gibt es schneller Informationen zu aktuellen Vorfällen als auf dem Microblogging-Dienst. Während der Schießerei bei YouTube nutzten das auch Hacker aus, indem sie den verifizierten Account des YouTube-Produktmanagers Vadim Lavrusik kaperten, auf den gerade ohnehin die öffentliche Aufmerksamkeit gerichtet war, und Fake News verbreiteten.

Lavrusik hielt sich während des Shootings in der Nähe auf und twitterte über den Vorfall. Dabei schrieb er von Schüssen, die in der Nähe gefallen sind, weglaufenden Menschen und dass er sich mit Kollegen in einem Raum verbarrikadiert hatte.

Der Tweet ging schnell um die Welt, denn es war die erste Information zum Shooting, die bekannt geworden war.

Etwa 20 Minuten später veröffentlichte er einen Tweet mit den Worten „PLEASE HELP ME FIND MY FRIEND I LOST HIM IN THE SHOOTING“ und einem Link, der zu einem Foto des YouTubers Keemstar führte. Weitere Tweets, die in einem kurzen Zeitraum über seinen Account veröffentlicht wurden, ließen schnell darauf schließen, dass es sich um einen Fake handelte.

Der Twitter-Account Lavrusiks, nachdem Hacker ihn kaperten. Vermutlich wollten die Verantwortlichen die starke Aufmerksamkeit, die der Account gerade erfuhr, für sich nutzen. Die Nachrichten wurden schnell gelöscht.

Nachdem zahlreiche User und Journalisten den Hoax schnell gemeldet hatten, meldete sich auch Twitter-CEO Jack Dorsey zu Wort. Man arbeite daran. Doch obwohl die Tweets daraufhin gelöscht wurden, posteten die Hacker in kurzen Abständen munter weiter auf dem Account des YouTube-Mitarbeiters. Wie die Hacker an den Account kamen und weshalb sie weitermachen konnten, ist bislang unklar.

 

Auch Twitter hat mit Fake News zu kämpfen

Der Hacker-Vorfall katapultiert uns direkt in die Social Media-Welt mitsamt ihren derzeitigen Krankheiten und zeigt damit auf, wie kaputt – und nicht zuletzt gefährlich – die Plattformen eigentlich sind. Gerade Twitter hatte in der Vergangenheit häufig mit der schnellen Verbreitung von Fakenachrichten rund um Breaking News zu kämpfen und auch der jüngste Vorfall lässt tief in die Problematik blicken. Denn nicht nur der Account Lavrusiks verbreitete falsche Tatsachen. Gleich eine ganze Reihe anderer Twitteruser teilte Bilder der mutmaßlichen Opfer und Täter, die sich jedoch schnell als falsch herausstellten. Das Besondere an Luvrasik ist jedoch, dass er zu dem Zeitpunkt im Fokus der Öffentlichkeit stand.

Auch zeigt das Geschehen, wie einfach es die Plattformen Hackern machen, Fake News zu verbreiten und diese auch noch einer breiten Masse zugänglich zu machen. Dies ist Wasser auf die Mühlen derzeitiger Debatten um Datensicherheit im (Social) Web – eine Lösung ist derweil nicht in Sicht.

Bei der gestrigen Schießerei im YouTube Headquarter in San Bruno, nahe San Francisco, wurden drei Menschen verletzt und einer getötet. Bei dem Todesopfer handelt es sich um die mutmaßliche Täterin, die inzwischen als die 39-jährige Bloggerin, YouTuberin und vegane Aktivistin Nasim A. identizifiert wurde und allem Anschein nach Selbstmord begangen hat. Ihr Motiv ist bislang unklar, eine Verbindung zum Onlinedienst gebe es nicht, jedoch schien sie tiefe Abneigung gegen das Unternehmen zu hegen. Allerdings postete sie im Januar ein Video auf YouTube, in dem sie behauptete, die Plattform würde ihren Content benachteiligen und herausfiltern.

Über Tina Bauer

Tina Bauer

Studierte Sozialwissenschaftlerin mit Hang zu Online und Marketing. Seit 2014 als Redakteurin & Content Managerin bei OnlineMarketing.de.

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