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Rundumschlag für Digitales Marketing – das DMEXCO-Fazit in acht Punkten

Im 5. Jahr hat sich die Leitmesse für Online-Marketing fest etabliert. Nach Angaben der Aussteller kamen 26.000 Besucher. Ralf Scharnhorst berichtet vom zweiten Tag.

1. Snowden war da

Bisher hatten einige User die Befürchtung, daß sie von Werbern ausspioniert werden. Nun wissen sie: sie werden ausspioniert – aber von der amerikanischen Regierung.

Der wesentliche Unterschied: die werbenden Unternehmen halten sich an die Gesetze. Der amerikanische Gesetzgeber bricht offensichtlich Gesetze und Menschenrechte.

Aber wird dieser Unterschied in der Öffentlichkeit wahrgenommen? Muss sich die Marketing-Branche nicht vorwerfen lassen, den User daran gewöhnt zu haben, dass er verfolgt wird – wenn auch nur in einem Banner mit dem paar Schuhen, die er neulich nicht gekauft hat?

Um so weniger die deutsche Politik reagiert, um so eher werden die User reagieren – mit einer Blockade von vielem, was die Online-Werbung erleichtert hatte. Diese Sorge schwebte über der Messe.

Selbstbild der Branche.

Selbstbild der Branche.

2. Die Haßliebe der Agentur-Networks zum Digitalen

“TV still drives our ROI” sagte ein Agenturboss auf dem Panel. Er meinte damit wohl den ROI seiner Mediaagentur und die Rückvergütungen, die er von den TV-Sendern erhält. Aber wie steht es mit dem der Werbung treibenden Kunden?

Häufig diskutiert wurde die Frage, wie viel Raum für Kreativität Online als Werbemedium bietet. Von Procter & Gamble kam das Statement: “Wir sind verliebt in Technologie. Wir müssen wieder in Ideen verliebt werden.” Retargeting ist dafür bekannt, die Kreation mit austauschbaren Elementen zu automatisieren. Dem widersprach Criteo: „Auch für Don Draper ist in Zukunft noch Platz.“

3. die internationale Leitmesse

Der Wettkampf mit der Adtech in London scheint endgültig gewonnen. Letztes Jahr überschnitten sich die Messen um einen Tag, viele internationale Besucher mussten sich entscheiden. Dieses Jahr soll bis zu jeder vierte Besucher der DMEXCO aus dem angrenzenden Europa gekommen sein. Terence Kawaja, Erfinder der LUMA-Charts, verglich mit Cannes und der SXWX und lobte die DMEXCO als die einzige Veranstaltung, die von vorne herein für das Thema Online-Marketing konzipiert worden sei.

4. Bestandsaufnahme statt Trendsetting

Der Konferenz-Teil der DMEXCO war in der Vergangenheit gelegentlich so interessant, dass dadurch der Messe Besucher verloren gingen. Dieses Problem schienen die Organisatoren dieses mal gelöst zu haben. Im Konferenz-Programm vertreten waren die Aussteller – besonders diejenigen, die zum ersten mal ausgestellt haben. Garniert wurde es mit einer Prise hochkarätiger Branchen-Prominenz. Schade nur, dass beide Gruppen ähnlich wenig neues und kontroverses gesagt haben.

Trotzdem: Ziel erreicht – denn thematischer Trendsetter wollte die DMEXCO schließlich auch nie sein, sie bot aber eine umfassende Bestandsaufnahme für Einsteiger.

Aufstieg durch Sales.

Aufstieg durch Sales.

5. Angst vor Neuem

„Realtime Bidding bietet die Gefahr, dass wir so ein lausiges Preisniveau bekommen wie in den USA.“ fasste BVDW-Präsident Matthias Ehrlich es zum Abschluss zusammen.

Kann es sein, dass es einfach sehr viel Online-Werbefläche gibt? Kann es sein, dass sich in einem transparenten Markt irgendwann ein Preis im Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage einstellt? Ob der Online-Vermarkterkreis das wahr haben will?

6. Der ROI eines Messestandes – Preis pro Kontakt

Kaum einer der Aussteller hat sich wohl durchgerechnet, was ihn ein Gespräch auf der Messe (genannt „entry to sales funnel“) oder eine getauschte Visitenkarte (genannt „Lead“) in der Summe aller Teile kostet. Und ob es nicht günstiger wäre, alle Gesprächspartner auf Reisen zu besuchen.

Das zeigt: es geht um das Prestige. Zeigen, wie groß man ist. Seinen Vorgesetzten und seinen Kunden. Ein Thema haben, über das man reden kann: zur Messe zeigen wir unser neues Produkt. Besuchen Sie uns auf der Messe. Die Messe war für uns ein voller Erfolg.

Erst falls eines Tages alles automatisiert sein sollte, stellt sich die Frage, wozu man eine glamouröse Messe noch braucht. Aber noch arbeiten dieser Branche ja auch Menschen. Und die wollen Kekse am Messestand – koste es, was es wolle.

7. Die Revolution der Werbeformen muß warten

Die Computer kommen uns immer näher: vom PC zum Smart-Phone, -Watch, Google Glass. Früher standen sie unter dem Tisch, dann auf dem Tisch. Jetzt wandern sie von der Hosentasche über das Handgelenk direkt ins Auge. Und was passiert mit der Werbung darauf? Sie nervt um so mehr, um so näher sie kommt. Daher wird es Zeit für neue Werbeformen. Das griff die Konferenz teilweise unter dem Begriff „Content“ auf.

8. Et kütt wie et kütt

So sagt der Kölner. Wir sehen uns auf der DMEXCO am 10. und 11. September 2014!

Über Ralf Scharnhorst

Ralf Scharnhorst

Scharnhorst Media leistet Marketing-Strategie-Beratung. Die Umsetzung führen die Kunden selbst aus, übergeben sie an ihre bestehenden Agenturen oder lassen sie von Scharnhorst Media planen, einkaufen und optimieren. Schwerpunkt ist die datengetriebene Mediaplanung im Programmatic Advertising. Seit 1996 ist Ralf Scharnhorst Online-Mediaplaner, 2008 hat er Scharnhorst Media gegründet. Er lehrt an der Macromedia Hochschule. Testen Sie mit dem Online-Marketing-Check ihr Optimierungspotential.

3 Gedanken zu „Rundumschlag für Digitales Marketing – das DMEXCO-Fazit in acht Punkten

  1. Tobias

    der artikel liest sich ganz gut… soweit man kommt bevor die augen tränen… wieso wurde gefühlt schriftgröße 8 mit blassgrauer schrift auf weißem hintergrund gewählt?!

    Antworten
  2. Michael Marheine

    Bin selber in der Branche und freue mich immer über neue Ideen, Ansätze, Möglichkeiten. Bin auch der Technik sehr zugetan, nur das bringt die Welt irgendwie weiter. Man muss ausloten, probieren …

    Jedoch nimmt die Geschwindigkeit der Veränderungen immens zu. Wir Menschen bekommen keine Zeit mehr, uns anzupassen. Wer im Moment nicht bei 3 auf dem Baum ist, der wird einfach von der nächsten Welle schon überrollt. Das bedeutet, dass wir gar keine Zeit mehr haben unsere Kunden und auch interessierte Menschen generell mit auf den Weg zu nehmen.

    Es ist schon fast so, dass man eigentlich jede Woche mit einer neuen Idee an den Kunden heran treten könnte um ihn zum Kauf, zur Umsetzung irgend einer neuen Welle an Projekten zu überzeugen und zu animieren. Das ist doch finanziell, zumal vom Ablauf einer Entscheidung bis zur Budget-Freistellung und dann auch Umsetzung gar nicht mehr möglich in den Unternehmen.

    Das ginge im direkten Gespräch mit absoluten Entscheidern – enormer Enthusiasmus voraus gesetzt – gerade mal bei kleineren und flexibleren Unternehmen. Gerade diese haben aber nicht die Manpower für derart viele Projekte und auch nicht die finanziellen Mittel. Dann wären sie ja nicht mehr das kleine flexible Unternehmen.

    Selbst uns Spezialisten bleibt ja kaum noch die Zeit zur Einarbeit. selbst wir müssen uns zerreissen, delegieren oder ein Thema nur noch an der Oberfläche behandeln … bis sich dann ein Trend auch wirklich als wertvoll abzeichnet. Wollen wir das denn?

    Wenn die Wellen an Neuerungen weniger schnell kämen, so hätten wir noch Zeit dazu, diese Dinge in Gänze zu erfassen, wirklich fundiert beraten zu können und dann natürlich auch wirkungsvoller an den Kunden zu kommunizieren bzw. Projekte umsetzen.

    Momentan verliert man fast Kunden, da man ständig mit DER Neuerung ankommt und der Kunde versucht Schritt zu halten. Langsam verlieren wir den Kunden, da er annimmt, wir wollten ihn von jedem kleinen Trendchen überzeugen … wir wollten nicht beraten sondern nur sein Geld haben.

    Irgendwie müssen wir wieder zu Besinnung kommen. Es wird für uns Menschen zu schnell. Ich habe das Gefühl, dass wir Unternehmen links und rechts am Wegrand liegen lassen. Dass damit auch die Menschen “abgehängt” werden.

    SO schön Trends wie 3D und Google Glasses sind. Sie werden bestimmt tolle Einsatzgebiete bekommen. Aber was ist denn aus den 3D-Brillen geworden? Alle Brillenträger wollten 20 Jahre lang gerne Linsen tragen, da diese viel komfortabler sind, dann der Trend zur Augenlaserung. Wer will denn tatsächlich eine Brille aufsetzen zur Betrachtung eines Movies? Wenn die Familie das ansehen wollte, dann brauchte es 3-4 solcher teuren Geräte. Das ist mal was für 1 Effektfilm im Kino oder so. Es musste einfach das 3D-Fernsehn her.

    Das ist beispielsweise so ein Trend – die Evolutionsstufe mit der Brille – den wir locker hätten übergehen können. Fragen wir mal die Leute, die das Ding nun zuhause liegen haben, ob sie demnächst in einen 3D-TV investieren. Die haben erst einmal die Nase voll von Innovation.

    Michael Marheine

    Autor Michael Marheine bloggt auf diversen eigenen Plattformen zu den Themen Social Media und Online-Marketing sowie E-Mail-, Video-, Affiliate- und Mobile Marketing etc., wie auch auf http://www.social-media-online-marketing.com

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