Mobile Marketing

Rückzug: Doch keine Werbung auf WhatsApp – vorerst

Facebooks Pläne, auf WhatsApp Werbeanzeigen zu schalten, sind zunächst auf Eis gelegt. Doch gänzlich vom Tisch sind sie nicht.

WhatsApp Logo auf Smartphone

© LoboStudioHamburg - Pixabay

Noch im Sommer letzten Jahres hatte Facebook angekündigt, mit dem kostenfreien Messenger WhatsApp Geld machen zu wollen. Und zwar, indem Werbung auf der Plattform geschaltet wird. Von dem Plan wurde jetzt allerdings Abstand genommen, wie das Wall Street Journal berichtet.

Die Entscheidung fiel gegen Werbung

Die Anzeigen sollten ursprünglich wie Stories Ads auf Instagram in den Statusmeldungen auf WhatsApp auftauchen. Diese Pläne hatten zuletzt auch die WhatsApp-Gründer Jan Koum und Brian Acton Abstand von dem Unternehmen nehmen lassen. Beide hatten sich zuvor stets gegen Werbung im Messenger ausgesprochen.

Ein Team hatte sich um die Entwicklung der Funktion gekümmert. Dieses wurde laut Insidern, auf die das Wall Street Journal sich beruft, in den letzten Monaten aufgelöst und auch der bereits erarbeitete Code wurde entfernt. Das bedeutet, dass die App, die im letzten Jahr am häufigsten heruntergeladen wurde, in naher Zukunft nicht maßgeblich zu Facebooks Werbeeinnahmen beisteuern wird.

Warum?

Nach dem Austritt der Gründer schien Anzeigen in Statusmeldungen nichts mehr im Wege zu stehen und noch auf dem Facebook Marketing Summit wurden die neuen Möglichkeiten auf WhatsApp präsentiert. Warum nun also der Rückzug? Generell scheint es schwierig, Messenger zu monetarisieren. Zu groß wäre beispielsweise die Störung in einem privaten Chat. Denkbar ist auch, dass der Zugriff auf genügend Nutzerdaten fehlte. Zumal WhatsApps Fokussierung auf Erweiterungen wie die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung der Chats sehr auf User Privacy abzielt. Da passt Ad Targeting nicht ins Bild.

Derzeit kommen nach und nach andere Messenger auf, die nicht die Verbindung zu Facebook aufweisen und somit von einigen Menschen bevorzugt werden. Zwar ist die Konkurrenz hier noch nicht groß, doch die Einführung von Reklame könnte einige User dazu veranlassen, den Standard-Messenger umzustellen. Daraus könnte eine größere Bewegung entstehen, schließlich möchten alle weiterhin in der Lage sein, mit ihren Freunden zu kommunizieren. Stephanie Wißmann, Vice President Digital and Growth bei tyntec, ordnet das OnlineMarketing.de gegenüber ähnlich ein:

Für mich kommt die Meldung nicht überraschend. Hinsichtlich auf das im Dezember in Kraft getretene Newsletter-Verbot ist die Entscheidung seitens WhatsApp die einzig logische Konsequenz. Der Messenger signalisiert damit, dass er ein „cleaner“ Kommunikationskanal bleiben will, anstatt seine treuen User durch Werbung zu verprellen.

Der Plan für die Zukunft

Ads auf WhatsApp sind jedoch nicht komplett aus dem Gespräch, sondern lediglich auf Eis gelegt. Im Wall Street Journal heißt es:

For now, the focus is on features [which allow] businesses to communicate with customers and organize those contacts, said one person familiar with the matter.

Zunächst soll WhatsApp also, nachdem es sich in den letzten zehn Jahren zum Quasi-Standard der mobilen Kommunikation entwickelt hat, auch als Kommunikationsplattform zwischen Unternehmen und Kunden etabliert werden. Wie Wißmann weiter erklärt:

Im Gegensatz zu anderen Kanälen wie beispielsweise WeChat im asiatischen Raum hat der Facebook-Konzern verstanden, dass sich der Konsument keinen weiteren Werbekanal wünscht, sondern stattdessen auf persönlicher Ebene mit den Unternehmen in Kontakt treten will.

Viele Nutzer fragen sich jetzt, wann das Thema Werbung wieder ausgerollt wird – und hoffen als Ausweg auf eine Bezahlversion, wie sie zu Beginn durchgesetzt werden sollte. Ursprünglich hatten User einen US-Dollar im Jahr für die Nutzung des Dienstes zahlen müssen. Dieses Modell wurde 2014 mit der Übernahme durch Facebook abgesetzt, schließlich hatte das Unternehmen andere Monetarisierungspläne. Doch um keine Werbung angezeigt zu bekommen, ist zu vermuten, dass viele User bereit wären, eine Gebühr für eine Art Premiumversion des Messengers zu zahlen.

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