Display Advertising

Update: “Pay-per-gaze”: Googles Patent und das Werbemodell der Zukunft

Advertiser zahlen nur noch, wenn ein Nutzer Augenkontakt mit einer Anzeige hatte. Ein neues Patent und Google Glass könnten dieses Szenario verwirklichen.

Bild: namida-k / stock.xchng

Am 13. August wurde Google ein neues Patent mit der Nummer US008510166 gewährt. Es beschreibt ein “Gaze tracking”-System, das laut Antrag ein auf dem Kopf getragenes Gerät in Verbindung mit einem Server beschreibt. Das Gerät sendet Richtungsdaten der Blicke des Nutzers an den Server, reguläres Eye-Tracking also. Die Neuerung dabei: Das System identifiziert über einen Bilderekennungsalgorithmus konkrete Objekte, Motive und Bilder.

paypergaze

Dahinter steht die Idee, genau nachvollziehen zu können, welche Anzeigen der Träger auf Websites angeschaut und so wirklich gesehen wurden. Sie geht noch einige Schritte weiter als die Viewable Impression als Metrik für Anzeigen, die mindestens eine Sekunde auf dem Bildschirm zu sehen waren: “Pay-per-gaze”, also die Abrechnung nach nachweisbarem Augenkontakt des Konsumenten, wird als neues Advertising-Modell genannt und könnte sich in nicht allzu weit entfernter Zukunft zum Branchenstandard entwickeln.

Das Konzept beschränkt sich nicht nur auf Online-Anzeigen und kann auch auf klassische Printmedien ausweitbar sein. Google Glass könnte dies möglich machen und bald sogar Daten für Außenwerbung auf Plakaten und Bildschirmen aufzeichnen.

Laut dem Patentantrag sollen zusätzlich Reaktionen der Pupille des Trägers messbar werden. Diese Daten können als emotionaler Indikator für die Wirkung einer Anzeige dienen – etwa wenn sich die Pupille des Nutzers erweitern, wenn er eine Anzeige erblickt.

Ein Traum für Advertiser, ein Alptraum für Datenschützer. Google will die Privatsphäre der Nutzer zu schützen, indem ihnen ein Opt-Out angeboten und nur anonymisierte und stark verschlüsselte Daten übertragen werden.

Update:

Laut Marketing Land plant Google weder heute noch in absehbarer Zeit eine Umsetzung des im Patent beschriebenen Konzepts. Ein offizielles Statement dazu:

We hold patents on a variety of ideas. Some of those ideas later mature into real products or services, some don’t. Prospective product announcements should not necessarily be inferred from our patents.

Da Google Glass werbefrei startet und es App-Entwicklern ausdrücklich verboten wurde, Werbung in ihre Programme einzubauen könnte die Umsetzung eines “pay-per-gaze”-Modells noch einige Jahre auf sich warten lassen. Zumindest, bis eine breitere Masse das futuristische und für viele einschüchternd anmutende Produkt akzeptiert und nutzt oder eine Alternative geschaffen wird.

2 Gedanken zu „Update: “Pay-per-gaze”: Googles Patent und das Werbemodell der Zukunft

  1. Michael Marheine

    Das ist sehr interessant und wird bestimmt massenhaft neue Erkenntnisse bzw. weitreichend genauere Ergebnisse bringen als Umfragen etc. Der oft durch Werbepartner bezahlte Schwund fällt dabei weg. Gezahlt wird wirklich nur, wenn die Anzeige auch gesehen wurde. Quasi ein PayPerClick für die Augen. Also werden schlecht positionierte Werbeflächen auf Litfass-Säulen-Rückseiten oder hinter abgestellten LKW etc. einfach weniger kosten bzw. weniger Ertrag bringen. Man zahlt also keine schlechten Werbeflächen mehr einfach so im Bundle mit, … ja, der Datenschutz kommt jetzt wieder auf den Plan.
    In Japan bereits gibt es Werbeflächen seit Jahren, in deren Rahmen Kameras eingebaut sind mit Computern, welche erkennen, ob Mann oder Frau bzw. in welcher Altergruppe dort vorbei laufen. Es wird dementsprechend Werbung eingeblendet. Die Kameras erkennen auch, ob gewisse Symbole von Labels oder Marken getragen werden (Gürtelschnalle oder gar weisse Kopfhörer, welche Apple zugeschrieben werden, bestimmte Farbtöne, die diese einer Kosmetikserie zuordnen etc.).

    Stellen wir uns mal vor, eine Dame trägt ein rotes Chanel-Kleid und es gibt einen passenden Lippenstift dazu … auch die Pumps gibt es, die Dame hat aber beides noch nicht aufgetragen bzw. am Fuss … der Computer ermittelt in Sekundenbruchteilen die Verfügbarkeit am Lager im örtlichen Store/Lager … sie bekommt es mit einem Barcode angezeigt, wenn sie ordert, dann geht die Sache direkt in den Versand und wird bis 18 Uhr an ihre hinterlegte Adresse geliefert …

    Datenschutz ade – da stecken solch grosse Summen dahinter an Unternehmensinteressen … früher oder später setzt es sich durch.

    Es kann beängstigend sein, aber wer Angst davor hat, der kapselt sich ab bzw. wird dann irgendwann überrollt. Besser man bleibt allem offen gegenüber und nimmt sie an bzw. man akzeptiert sie einfach – die neue schöne Technikwelt *-)

    Michael Marheine

    Autor auf diversen eigenen Blogs zum Thema Social Media und Online-Marketing wie beispielsweise: http://www.social-media-online-marketing.com

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