Apps

Mobile Fraud wächst: Schon jetzt über 2 Milliarden US-Dollar Schaden 2019

Die mobilen Ad Fraud-Raten wachsen weiter beständig und die Verluste sind enorm. AppsFlyer stellt die Problematik vor und liefert einen konkreten Lösungsansatz.

App Install Fraud Rate Q2 2019 nach Ländern, © AppsFlyer

Das Problem des Betrugs im Mobile-Bereich ist im Wachsen begriffen. Zu diesem Ergebnis kommt der umfassende The State of Mobile Fraud 2019-Bericht von AppsFlyer. Die Analyse von 2,5 Milliarden nicht-organisch heruntergeladenen Apps zeigt: die Ansätze zum Betrug sind vielfältig und je nach Betriebssystem oder Region unterschiedlich. Doch die Prozentsätze steigen und auch Post Attribution Fraud darf nicht außer Acht gelassen werden. Hierfür hat AppsFlyer eine innovative Lösung parat.

Betrugsrate bei App Installs stark gewachsen

22,6 Prozent aller nicht-organischen App Installs waren im ersten Halbjahr 2019 betrügerischen Ursprungs. Das ist nur eine der Erkenntnisse des Berichts von AppsFlyer. 2,5 Milliarden nicht-organische App-Installationen wurden bei 9.500 Apps zwischen Januar und Juni 2019 analysiert. Ermittelt wurde auf diesem Wege auch, welche Verluste durch derlei Anzeigenbetrug im ersten Halbjahr zusammenkamen. Es handelt sich um einen Wert von 2,3 Milliarden US-Dollar. Ben Jeger, Managing Director Central Europe bei AppsFlyer, erklärt:

Wir bezeichnen Ad Fraud häufig als Katz- und Mausspiel. Auch nach den massiven Bot-Angriffen im Sommer 2018 haben die Schutzlösungen Wege gefunden, den Angriffen entgegenzuwirken. Doch seit April 2019 beobachten wir einen neuen Anstieg: Der App-Installations-Betrug hat sich von Device Farms mit reellen Geräten hin zu Geräteemulatoren sowie hochentwickelten Bots und anderen Systemen entwickelt, die zu unbegrenzter Skalierbarkeit fähig sind. Auch die Reaktionsgeschwindigkeit der Betrüger nimmt zu –  passten sich diese 2018 in ein bis zwei Monaten an, schaffen sie das heute in zwei bis drei Tagen.

Die Entwicklung der Fraud-Rate bei App Insalls ist bedenklich, © AppsFlyer

Während über 20 Prozent der Installationen als betrügerisch galten, sind auch 2,1 Prozent der In-App-Käufe in Q2 so klassifiziert worden. Das ist ein zehnfacher Anstieg gegenüber Q1. AppsFlyer erklärt, dass plattformübergreifend eine von vier Apps ein Fraud-Problem vorzuweisen hat. Und es gibt Branchen, die besonders gefährdet sind. Insbesondere Finanzen, Business, Reisen und Shopping.

Besonders die Finanzbranche hat mit Mobile Fraud zu kämpfen, © AppsFlyer

Vor allem im Finanzsektor sind Werbegausgaben in extremer Höhe gefährdet. 750 Millionen US-Dollar stehen auf dem Spiel; im Bereich Shopping sind es immerhin noch 370 Millionen.

Werbeausgaben, die bei Branchen durch Mobile Fraud gefährdet sind, © AppsFlyer

Besonders betroffen: große Apps und Android

Eine eindeutige Tendenz, bei welcher Art von Apps die Betrugstaktiken sehr gut funktionieren, lässt sich von der Grafik zu der Größe der betroffenen Apps ablesen. Denn die Fraud-Rate ist bei großen Apps (23,2 Prozent im Juni 2019) deutlich höher als bei mittelgroßen (14,3 Prozent) und kleinen (7,7 Prozent).

Insbesondere große Apps sind betroffen, © AppsFlyer

Darüber hinaus wird offenbart, dass Android mit einer Rate von 29,1 Prozent (Juni 2019) deutlich anfälliger ist als iOS (4,5 Prozent). Dabei unterscheidet sich auch die Art des Betrugs bei den Betriebssystemen, wie AppsFlyer in der Meldung ausführt:

80 % der betrügerischen App-Installationen auf Android sind auf Bots zurückzuführen. 85 % der betrügerischen Installationen auf iOS sind ein Ergebnis von Click Flooding: In der Hoffnung, sich den letzten Klick vor App-Installation zu sichern, versenden Netzwerke eine große Anzahl von betrügerischen Klicks.

Betrugstypen bei Android und iOS, © AppsFlyer

Bestimmte Regionen weisen bestimmte Fraud-Muster auf

Auch in Bezug auf die Region sind klare Muster erkennbar. Die App Install Fraud Rate liegt beispielsweise in Indonesien bei 45 Prozent, in Deutschland hingegen bei 11,2, in den USA bei nur 5,2 Prozent. In Indien, Nigeria, Brasilien usw. sind die Fraud-Raten ebenfalls recht hoch.

Fraud-Raten nach Ländern, © AppsFlyer

AppsFlyer gibt an, dass Kampagnen für Reise-Apps vermehrt in Indonesien, Indien und Südkorea, aber ebenso in Saudi-Arabien und Frankreich angegriffen wurden. Dagegen waren Brasilien, Deutschland, Spanien, Italien, Frankreich, Südostasien und Indien für Betrug bei Shopping-Apps sehr anfällig.

Hinsichtlich des Betrugs im Bereich der App-Käufe sind ebenfalls klare Unterschiede nach Ländern auszumachen. In Deutschland liegt die betreffende Rate nur bei 0,2 Prozent. Spitenreiter ist hier Katar mit 40,6 Prozent.

Die Purchase Fraud Rate nach Ländern, © AppsFlyer

Das Problem mit der Echtzeit-Erkennung

Viele Versuche Mobile Fraud abzuwehren, beziehen sich auf die Echtzeit-Abwehr. Doch AppsFlyer argumentiert, dass 16 Prozent der App Install-Betrugsfälle nicht in Echtzeit zu erkennen sind. Daher müsse man besonders auch im Nachhinein auf Betrugssignale achten und diese bekämpfen. Dementsprechend hat AppsFlyer die Erkenntnisse genutzt, um eine eigene Post-Attributions-Technologie für die Protect 360 Fraud Protection Suite einzuführen. So können Werbetreibende Betrugsfälle analysieren, nachdem Post-Attributions-Berichte eingesehen oder erstellt wurden.

Die effektive Betrugsbekämpfung erfordert ständige Aufmerksamkeit, Innovation und die Fähigkeit, massive Datensätze über maschinelle Lernalgorithmen hinweg zu verarbeiten,

so Ben Jeger. Mit diesem Ansatz möchte das Unternehmen dazu beitragen, Werbetreibende vor dem Verlust von Millionen von Dollar zu bewahren. Den gesamten Bericht zu The State of Mobile Fraud 2019findet ihr hier. Wer im App-Geschäft tätig ist, sollte die beunruhigende Entwicklung im Auge behalten und, falls nötig, die eigenen Maßnahmen verschärfen. Denn die Mobile Fraud-Strategien entwickeln sich weiter – und das spiegelt sich in der stetig wachsenden Betrugsrate. Zeit, dieser Einhalt zu gebieten.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.