E-Commerce

“Kaufen”-Button: Online-Händler fügen sich

Der seit heute obligatorische “Kaufen”-Button soll Verbrauchern Schutz bieten. Vor allem aber er illustriert die Ohnmacht einer Branche ohne Lobby.

Gerd Altmann / pixelio.de

Um die Verbraucher vor Abo-Fallen und anderen Tricksereien des Internets zu schützen, sind Gewerbetreibende seit dem gestrigen Mittwoch dazu verpflichtet, den Kunden per Knopfdruck unmissverständlich und verbindlich seine Kaufabsicht bestätigen zu lassen. Das Gesetz der Bundesregierung besagt weiterhin, dass “Bestellen”, “Anmeldung” oder “Weiter” ab sofort nicht mehr vertragsbindende Bestätigungen sind.

E-Commercer ohne Lobby

Die Liste der Errungenschaften durch digitale Massenproteste gerade in der jüngeren Zeit liest sich alles andere als schlecht. Erst im letzten Monat feierte man rund um den Globus das ACTA-Aus, woran die Internetgemeinde ihren gewichtigen Anteil hat. Zensursula, eine Abwandlung des Vornamens der Bundesfamilienministerin, ist längst zum geflügelten Wort avanciert und steht für populistische Entscheidungen der Politik, die Tatkraft und Entscheidungsmut suggerieren sollen, das Problem an sich aber nicht erfassen (wollen).

Ein kollektiver Aufschrei der Online-Händler gegen diese Maßnahme zum Verbraucherschutz blieb jedoch seltsamerweise aus. Gar nicht so seltsam meint excitingcommerce – denn den Händlern im Netz fehle sowohl der Zusammenhalt als auch eine nennenswerte Interessenvertretung. Ein Artikel von Zeit.de dokumentiert gar die Zustimmung der Branche:

Wir halten sie grundsätzlich für eine gute Sache […] Allerdings wäre uns eine Lösung, die mehr auf Aufklärung der Verbraucher setzt und weniger auf eine gesetzliche Änderung, lieber gewesen.

So dazu geäußert hat sich Nadine Schüttel, Rechtsexpertin vom Internetverband Eco. Der Button stärke das Vertrauen der Verbraucher in die E-Commerce-Branche, so die Hoffnung der Lobby. Eine, die ihre Interessen offenbar nicht allzu sehr in Gefahr sieht.

Grabenkämpfe

Aber selbst die E-Commercer sehen das Problem zwielichtiger Geschäftemacher im Netz mit dem Gesetz nicht wirklich behoben. excitingcommerce wird hier wesentlich deutlicher, spricht von einer erheblichen Conversion-Bremse, Wahnwitz, einer ganze Branche, ins Zwielicht gerückt und in Sippenhaftung genommen wird. In der Tat tun sich die Einzelhändler noch immer sehr schwer damit, den digitalen Vertriebsweg zu integrieren und für sich zu nutzen. Darüber hinaus scheint sich eine Atmosphäre der gegenseitigen Missgunst etabliert zu haben, der sich des Öfteren in regelrechten “Grabenkämpfen” zwischen dem Internet- und dem traditionellen Offline-Bereich äußert.

Die gesetzliche Regelung für den “Kaufen”-Button jedenfalls ist seit gestern für Online-Händler verbindlich – und Nichtbeachtung kann teuer werden. Hat ein Shop einen Artikel so auf Rechnung verschickt, muss er sich um die Rückführung selbst kümmern. Nadine Schüttel geht deshalb davon aus, “dass die meisten unserer Mitglieder die Umstellung fristgerecht hinbekommen.“

Fragt sich nur, zu wessen Vorteil.

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