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1,5 Billionen jährliche Empfehlungen: Jan Honsel, DACH-Chef Pinterest, über gebrandeten Content, Rezeption und Chancen für Unternehmen

[Interview] Wie Unternehmen Empfehlungs-Plattform und Bookmarking-Tool Pinterest für sich nutzbar machen können und warum User Generated Content nicht unbedingt erwünscht ist.

Jan Honsel. Country Manager DACH, Pinterest

Pinterest konnte im vergangenen Jahr das schnellste Wachstum unter allen sozialen Netzwerken weltweit verbuchen. Dabei ist die Plattform gar kein Social Network, sondern sieht sich selbst als visuelle Bildersuchmaschine, von der die User sich inspirieren und leiten lassen sollen. Der überwiegende Anteil des Inhaltes besteht heute bereits aus gebrandetem Content, während User Generated Content gar nicht unbedingt gewünscht ist. Das Bookmarking-Tool fungiert als Empfehlungsinstrument und soll dabei nicht nur den Nutzern selbst, sondern auch Unternehmen zu einer höheren Reichweite und somit größerem Erfolg verhelfen. Wie die langfristigen Pläne des Unternehmens aussehen und worin die Hauptunterschiede zu Instagram bestehen, hat Jan Honsel, Country Manager DACH bei Pinterest in einem Interview mit uns erklärt.

Interview mit Jan Honsel, Country Manager DACH bei Pinterest

OnlineMarketing.de: Du warst als Speaker auf der „New Platform Advertising“ in Hamburg und hast, genau wie Evan Sharp, betont, dass Pinterest kein soziales Netzwerk sei, sondern eine „visuelle Bildersuchmaschine“. Wo genau siehst du die Kernunterschiede zu etwa Instagram, das ja im Grunde genommen auch eher als userbasierte Werbeplattform fungiert?

Jan Honsel: Pinterest ist ein Ort für Menschen, die Projekte planen und umsetzen möchten. Es ist also schwierig Pinterest direkt mit sozialen Plattformen zu vergleichen, da wir kein soziales Netzwerk sind und wir uns nicht als userbasierte Werbeplattform sehen. Bei Pinterest geht es um die Zukunft. Soziale Netzwerke konzentrieren sich eher auf die Vergangenheit und Gegenwart, wie etwa darauf, Begegnungen mit Freunden zu dokumentieren. Pinterest will Menschen helfen, Dinge zu entdecken, die ihnen gefallen, die sie inspirieren und dazu beitragen, diese Dinge im wirklichen Leben tatsächlich umzusetzen. Wichtig anzumerken ist, dass es bei Pinterest um mehr als „nur“ um Bilder geht. Fast jeder Pin auf Pinterest führt über einen Link zu dessen Quelle zurück, wo der User weitere Anregungen erhalten kann, wie man Dinge oder Interessen umsetzen kann. Unsere Mission bei Pinterest ist Menschen zu inspirieren, um Dinge zu entdecken, die sie lieben und diese im alltäglichen Leben umzusetzen.

Du hast erwähnt, dass bereits 95 % des Contents gebrandet ist und eigene Inhalte zum Beispiel gar nicht unbedingt gewünscht sind, weil die Links häufig in eine Sackgasse führen. Wie wollt ihr auf lange Sicht die Rezeption bei den Usern ändern, die das Netzwerk überwiegend als Social Media-Kanal wahrnehmen und so auch nutzen?

Auf Pinterest sehen wir, dass zwei Drittel aller gepinnten Inhalte von Unternehmens-Websites stammen. Dies können beispielsweise Publisher-, Marken- oder auch Shop-Destinationen sein. Wenn man nun noch die Blogger-Destinationen hinzurechnet, landet man deutlich in den 90%. Ein optisch ansprechendes Bild ist sehr wertvoll, aber noch wichtiger sind hilfreiche Bilder / Elemente, die auf Informationen zurückverlinken. Unser Ziel ist es Pinterest so nützlich wie möglich zu gestalten. Daher suchen wir immer nach Wegen, um viele Informationen auf einem Pin sichtbar zu machen, mit den sogenannten Rich Pins sind wir diesem Ziel schon einmal ein Stück weitergekommen. Zusätzlich hilft Pinterest dabei Fragen zu beantworten, die relativ unspezifisch sind, weshalb wir sowohl ein Bookmarking-Tool als auch eine visuelle Suchmaschine sind. Google hilft zum Beispiel bei der Frage, wie weit die Entfernung von Berlin nach München ist. Pinterest hilft dabei, Einrichtungsideen für das Wohnzimmer oder kreative Rezeptideen zu finden. Wir beantworten Fragen wie zum Beispiel: Was ist mein Style? Was ist mein Dekorationsgeschmack? Wir möchten dass unsere Nutzer erkennen, dass Pinterest ein wertvolles Tool ist, um Dinge für ihr Leben zu planen.

Die grundlegende Frage ist: Wo soll es langfristig hingehen? Wie werden Unternehmen weiterhin gefördert, die Pinterest als Visitenkarte nutzen sollen?

Unternehmen sind ein essenzieller und natürlicher Bestandteil der „discovery experience“ auf Pinterest. Wir helfen Unternehmen, ihren Marken und ihren Inhalten für Millionen von Menschen sichtbar zu sein, die auf der Suche nach Dingen sind, die sie lieben. In Deutschland fokussieren wir uns vor allem darauf ein bestmögliches Nutzererlebnis mit relevanten und lokalen Inhalten zu gewährleisten. „Promoted Pins“ und „Buyable Pins“ sind die aktuellsten Angebote in den USA und werden sicherlich auch ihre Weg in weitere Länder finden. In Kürze werden wir erste deutsche Cases vorstellen, die wiederum als Orientierung für andere Unternehmen dienen können.

Nutzer sozialer Netzwerke sind für Unternehmen heute wertvolle Ressourcen im Hinblick auf etwa Kundenbindung, Vertrauensförderung und langfristige Umsatzsteigerungen. Wie soll mit ihnen in Zukunft verfahren werden, welchen Benefit haben sie für die Plattform?

Pinterest gibt pro Jahr mehr als 1,5 Billionen Empfehlungen weltweit. Wir sehen, dass sich Unternehmen auf Pinterest mit ihrer Zielgruppe auf ganz neuen Wegen auseinandersetzen und das mit Inhalten, die für sie von Bedeutung sind. Mit mehr als 50 Milliarden Pins auf mehr als einer Milliarde Boards ist für jeden etwas Interessantes auf Pinterest dabei. Marken können den Vorteil nutzen, sich mit ihrer Zielgruppe auf Pinterest innerhalb ihres Interessengebietes auseinanderzusetzen und sehen Pinterest als wertvolles Tool, um sie zu erreichen. Das Re-Pinnen eines Pins, der zu einer Unternehmenswebsite linkt, ist schon mal ein sehr deutliches und durchaus sehr persönliches Signal, dass dieser Content, diese Marke und dieses Unternehmen für den User von erhöhter Bedeutung zu sein scheint. Der User pinnt ja für niemanden außer für sich selbst. Eine sehr schöne Form des Vertrauensvorschusses des Users an das Unternehmen wie ich finde und für das Unternehmen ist das Vertretensein auf Pinterest eine Einladung an den User zur Interaktion. In den USA sehen wir derzeit verschiedene Beispiele, wie Unternehmen Interaktionen auf Pinterest wieder in die analoge Welt rücküberführen – durch Labeling im Retailbereich beispielsweise. Und wir sehen auch, dass das Auszeichnen eines Produktes als „Top repinned“ oder Ähnliches zu einem deutlichen Verkaufsimpuls zu führen scheint. Alles in allem ermutigende Zeichen für Unternehmen, für uns und für den User.

Vielen Dank für das Interview!


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Über Tina Bauer

Tina Bauer

Studierte Sozialwissenschaftlerin mit Hang zu Online und Marketing. Seit 2014 als Redakteurin & Content Managerin bei OnlineMarketing.de.

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