Politik

Hacker veröffentlichen umfassende Daten über Politiker und Prominente

Ein Twitter Account hatte per Adventskalender täglich Links zu Personen des öffentlichen Lebens getweetet, die teils sensible Daten zu ihnen offenbarten.

Der Adventskalender mit sensiblen Daten bei Twitter, Screenshot Twitter

Es muss ein groß angelegter Prozess des Datensammelns gewesen sein, der dem jüngst publik gewordenen Hackerangriff vorausgegangen war. Adressen, private Chats und Kreditkarteninformationen von hunderten Politikern wurden veröffentlicht – und auch Daten zu Berühmtheiten wie Marteria, Sido, Til Schweiger oder YouTuber Gronkh sind publik gemacht worden.

Hackerangriff im großen Stil

Die Nachricht kam vonseiten des RBB, die Veröffentlichung der teilweise brisanten Informationen war jedoch bereits im Dezember im vollen Gange gewesen. Vor allem Politiker – aller im Bundestag vertretenen Parteien, außer der AfD – sind betroffen. Demnach sind insbesondere Kontaktdaten wie Handynummern oder Adressen öffentlich gemacht worden. Allerdings sind ebenfalls parteiinterne Dokumente und deutlich persönlichere Daten, etwa aus privaten Chats, unter den geleakten Informationen.

Noch ist nicht klar, ob es sich um einen organisierten Hack gehandelt hat. Laut Informationen des RBB ist die Auswahl der Daten anscheinend wahllos erfolgt, einige sind Jahre alt. Die Verantwortlichkeit ist ebenso noch nicht geklärt. Die Links zu den Leaks tauchten in einer Art Adventskalender bei einem Twitter-Account auf, der nach eigenen Angaben Security Researching betreibt und in Hamburg seinen Sitz hat. Der angegebene Blog ist inzwischen gesperrt worden.

Tweet im Adentskalender mit Link zu sensiblen Informationen, Screenshot Twitter

Erstaunlich ist, dass die Veröffentlichungen erst jetzt Aufmerksamkeit erregen, da der Account immerhin 17.400 Follower hat; inwieweit diese genuin sind, ist jedoch nicht nachzuweisen. Außerdem hatte es per Tweet schon Ende November eine Ankündigung gegeben.

Ankündigung der Veröffentlichungen bei Twitter, Screenshot Twitter

Keine politisch brisanten Daten geleakt, aber persönlichste Informationen sind weiterhin einsehbar

Nach der ersten Durchsicht der Dokumente durch die Experten des RBB sind keine politisch brisanten Informationen an die Öffentlichkeit gelangt. Dennoch ist durch die Publikation so vielfältiger persönlicher Daten ein großer Schaden entstanden, den die Fraktionsführungen im Bundestag derzeit zu bewerten suchen.

Obwohl der an den Twitter-Account gekoppelte Blog nun gesperrt wurde, sind noch immer extrem granulare Datensätze zu Einzelpersonen einsehbar. Darunter Adressen und Telefonnummern von Moderator Oliver Welke und seiner Familie oder Bankdaten, Kindernamen, Direktnachrichten usw. von Moderator und Satiriker Jan Böhmermann. Das Spektrum der entwendeten Daten ist nach Aussage der Prüfer enorm. Das beweist das Vorhandensein zahlreicher alter Adressen sowie die Diversität der Datensätze.

Wie groß der Schaden nun ist oder woher diese Vielzahl an Informationen entnommen werden konnte, wird nun geprüft werden. Deutlich geworden ist wiederum, wie Social Media sich für die Verbreitung von derlei Daten eignen. Die Motivation der Veröffentlichungsreihe ist weiterhin nicht erkennbar, es gibt bei Twitter auch keinen erläuternden Kommentar. Betroffene und die Internetgemeinde überhaupt werden gespannt verfolgen, ob sich ermitteln lässt, an welcher Stelle die Daten entwendet werden konnten. Der Vorfall wird die Debatte um die Cybersicherheit sowie den politischen Einfluss von Social Media erneut anheizen.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

2 Gedanken zu „Hacker veröffentlichen umfassende Daten über Politiker und Prominente

  1. Marian

    „außer der AFD“ – dann kennt man ja zumindest die politische Richtung aus der dieser Angriff stammt.

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