E-Commerce

Amazonrezensionen sorgen für Verwirrung – Fehler oder Kalkül?

Die Amazonrezensionen zeigen bei manchen Produkten Unregelmäßigkeiten: sie beziehen sich nämlich auf ein anderes Produkt. Was steckt hinter diesem Irrtum?

Screenshot YouTube, © Amazon Seller Education

Die Amazonrezensionen sind in der Vergangenheit mehrfach kritisiert worden. Sie seien zu leicht zu manipulieren und könnten daher mitunter kein repräsentatives Bild für Produkte abgeben. Doch die Nutzer orientieren sich nach wie vor an den Reviews und vergebenen Sternen bei Amazon. Dann ist es allerdings wunderlich, wenn in den Rezensionen für ein Produkt die Bewertungen für ein ganz anderes auftauchen – und womöglich positiv beeinflussen.

Irreführende Rezensionen: Parkkralle mit Bewertung für Luftentfeuchter

Wenn Parkkrallen bei Amazon plötzlich Rezensionen für Luftentfeuchter oder Kettenschlösser aufweisen und diese für die Gesamtbewertung relevant sind, dann handelt es sich durchaus um eine irreführende Zusammenstellung. Dabei fallen diese Reviews zwar unterschiedlich aus, was die Sterne angeht. Dennoch nehmen sie wohl Einfluss auf das Gesamtranking. Natürlich werden die Leser der Rezensionen den Fehler bemerken; trotzdem kann es sein, dass die Sterneanzahl für das Produkt durch die Bewertungen für ein völlig anderes, die ihm aber zugeschrieben werden, manipuliert wird.

Ein Beispiel zeigt eine FIXKIT Radkralle, in deren Rezensionsbereich Bewertungen für ein Kettenschloss aufgeführt sind.

Rezensionen für ein Kettenschloss auf der Produktseite einer Parkkralle (mit einem Klick aufs Bild gelangt ihr zur größeren Ansicht), Screenshot Amazon

Die Bewertungen für das Schloss sind sehr positiv; das mag dann durch die fehlerhafte Positionierung der Rezensionen auch Einfluss auf die Bewertung der Parkkralle haben.

Das Produkt selbst hat eine gute Bewertung; auch, weil das Kettenschloss gut bewertet wurde?, (mit einem Klick aufs Bild gelangt ihr zur größeren Ansicht), Screenshot Amazon

Ein weiteres Beispiel findet sich bei einer Parkkralle von Sailnovo.

Die Sailnovo Parkkralle hat eine durchschnittliche Bewertung, aber ebenso irreführende Rezensionen vorzuweisen, (mit einem Klick aufs Bild gelangt ihr zur größeren Ansicht), Screenshot Amazon

Hier ist die Sterneanzahl nur bei 3,5 angesiedelt. Doch auch hier finden sich falsch platzierte Rezensionen.

Fünf der Rezensionen, die der Parkkralle zugeordnet sind, handeln von einem Luftentfeuchter fürs Auto, (mit einem Klick aufs Bild gelangt ihr zur größeren Ansicht), Screenshot Amazon

Schlimmer noch: fünf der sechs Rezensionen behandeln einen Luftentfeuchter fürs Auto – und stellen damit eine völlig unzutreffende Bewertung des eigentlichen Produkts heraus.


 

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Was steckt dahinter?

Bislang ist uns dieser Irrtum bei den Rezensionen nur in Einzelfällen aufgefallen. Das heißt jedoch nicht, dass diese fehlplatzierten Reviews nicht noch häufiger vorkommen können. Dabei bleibt die Frage, ob es sich um einen einfachen Fehler im System Amazons handelt oder tatsächlich um Kalkül. Wenn nämlich die Bewertungen für ein anderes Produkt sehr positiv sind und diese irrigerweise für das Produkt einer Seite bei Amazon herangezogen werden, könnte die Bewertung geschönt werden oder bleiben, sofern keine Änderung vonstatten geht. Natürlich würde das umgekehrt aber auch funktionieren. Zumindest im Fall der Sailnovo Parkkralle verbessern die Bewertungen für den Luftentfeuchter die Sterneanzahl. Die einzige Review für das eigentliche Produkt hatte nur einen Stern vergeben; auf der Seite und in der Suche sind es aber 3,5.

Obwohl die Händler mit diesem potentiellen Hack also ihre Produkte unlauter hervorheben könnten, scheint es doch wahrscheinlicher, dass die irreführenden Produktbewertungen in vorliegenden Fällen das Ergebnis eines Fehlers vonseiten Amazons sind. Auf unsere Anfrage hat das Unternehmen bis dato nicht reagiert. Sofern wir ein Statement erhalten, wird es an dieser Stelle hinzugefügt. Vielleicht kann Amazon selbst Licht in diese dubiose Sache bringen.

Eine Parkkralle mit Bewertungen für ein anderes Produkt bei Amazon, (mit einem Klick aufs Bild gelangt ihr zur größeren Ansicht), Screenshot Amazon

Immerhin wäre es nicht das erste Mal, dass technologische Lücken in einem System genutzt werden, um Produkte optimiert darzustellen. In dem Fall ginge es hier quasi um Black Hat Amazon SEO. Das kann nicht im Sinne des Unternehmens sein und sollte in diesen Fällen auch bald behoben sein. Allerdings mag es sein, dass dieses Phänomen schon häufiger aufgetreten ist. Dann wären zumindest die Nutzer bewusst getäuscht worden, die sich nicht alle Rezensionen durchgelesen, aber auf das Rating in Form vergebener Sterne vertraut haben. Die Beispiele lehren uns wieder einmal, dass Rezensionen insgesamt nur unter Vorbehalt zu vertrauen ist. Denn nicht immer spiegeln sie zutreffende oder objektive Erfahrungswerte wider; nicht immer sind sie überhaupt dem richtigen Produkt zugeordnet, wie sich zeigt.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

6 Gedanken zu „Amazonrezensionen sorgen für Verwirrung – Fehler oder Kalkül?

  1. AW

    Nein der Irrtum kann nicht ausgenutzt werden, nicht direkt und nicht kontrolliert zumindest.
    Der Autor hätte sich hier einfach vielleicht doch etwas mehr damit auseinander setzen sollen, vielleicht mal mit großen Sellern reden sollen.

    Dann würde er ganz schnell wissen wie das Amazon System im Background arbeitet wenn man die API verwendet. Stichworte SKU, EAN, ASIN & BrowseNode. Diese Werte sorgen für oben genanntes Problem, diese Werte sorgen auch dafür das falsche technische Daten durch Amazon für andere Produkte angezeigt werden, das reihenweise Produkte mit falschen Gebühren berechnet werden weil sie in einer falschen Kategorie stecken. Das es für Kategorien teilweise mehrere BrowseNodes mit verschiedenen Gebühren (%) gibt, und und und…

    Das sind die alltäglichen Leiden von Amazon Händlern und ja, Amazon bietet dafür keine Lösungen an und erst recht nicht automatisiert, die eigene „KI“ dahinter ist schließlich unfehlbar. Support Anfragen dahingehend mit Berichtigungen selbst offensichtlichster Fehler benötigen dann auch gerne mal 3-4 Tage, aber Erstattungen falsch berechneter Gebühren für verkaufte Artikel benötigen auch mal bis zu 6-8 Wochen.

    Da sind die Bewertungen die durch oben genannte technische Daten / Werte hier und da mal falsch gemappt werden, das geringste Problem, sowohl für Käufer als auch Verkäufer.

    Zur Erklärung: Wenn eine Bewertung geschrieben wird, hängt die nicht an der „eigenen“ ID des Artikels sondern an der ASIN. Die ASIN ist die Amazon eigene Produkt-ID. Eine ASIN hat aber nicht zwingend nur eine SKU oder EAN. Im Gegenteil, siehe auch Geizhals. Ein Produkte kann durchaus mehrere EANs haben. So kann auch eine ASIN mit mehreren SKUs (Herstellernummern) als auch EANs verknüpft sein.

    Jeder Seller gibt selber Name, Beschreibung, Bilder, etc. für „seine Artikel“ an. Was Amazon im Frontend für eine ASIN an Daten anzeigt entscheidet eine Amazon KI. Das wechselt ja nicht je nachdem welchen Seller man in der Sidebar als potentiellen Verkäufer auswählt.

    Händler A läd den Artikel mit 2GB RAM hoch als Angabe, dann laden aber 7/10 Händlern die Info 4GB RAM hoch, dann sagt die KI „ok, sind wohl eher 4GB RAM“ und übernimmt die Änderung. Leider entstehen so auch massiv viele Fehler und Fehlerinformationen. Darf man dann dem Support melden und da sitzen dann arme Callcenter Mitarbeiter die hoffnungslos überfordert diese Dinge prüfen und anschließend anpassen müssen.

    Hat nun ein Händler Parkkralle X mit einer falschen EAN hochgeladen per API in seinem Store (Sellercentral) dann wird es mit der falschen ASIN gemappt. Wenn in dem Moment jemand eine Bewertung schreibt, wird diese damit dem falschen Artikel zugeordnet. Ändert dann ein Mitarbeiter oder die KI das Mapping des Artikels, bleibt die Bewertung aber am falschen Artikel da sie an die ASIN gebunden ist.

    Und ja, das kann mehrfach passieren, ein Artikel kann mehrfach am Tag falsch gemappt sein leider, bis ein Mitarbeiter es bearbeitet der entweder weiß wo die Checkbox ist die das Mapping sperrt oder ein Mitarbeiter schaut welcher Seller es falsch macht und diesen ermahnt.

    Quelle: meine Wenigkeit, Techniker eines größeren E-Commerce Händlers der leider täglich mit diesen Problemen zu kämpfen hat.

    Antworten
    1. Niklas LewanczikNiklas Lewanczik Artikelautor

      Hallo AW,

      danke für die Ausführungen; ich erwähne an dieser Stelle nochmal, was ich unten einmal kommentiert habe:
      Als Reaktion habe ich die womöglich etwas fehleingeschätzte Headline relativiert und entschuldige mich, wenn hier falsche Erwartungen hervorgerufen wurden. Allerdings möchte ich betonen, dass ich Überlegungen zur potentiellen Ausnutzung des Irrtums im Konjunktiv behandelt und nicht als unstrittig gegeben dargestellt habe.
      „Obwohl die Händler mit diesem potentiellen Hack also ihre Produkte unlauter hervorheben könnten, scheint es doch wahrscheinlicher, dass die irreführenden Produktbewertungen in vorliegenden Fällen das Ergebnis eines Fehlers vonseiten Amazons sind.“
      Es ist auch nicht von der Hand zu weisen, dass die Bewertungen bei Produkten, die mitunter sogar als gesponserte in den Suchergebnissen auftauchen oder einfach sehr weit oben, bislang weiterhin mit den falschen Bewertungen versehen sind; trotz Hinweisen.
      Jetzt kann wohl nur der Seller selbst einen Fall anstreben, um dies zu ändern (so Amazon uns gegenüber).

      Ich bin allerdings auch froh darüber, dass durch die Diskussion zu dem Beitrag dank wissender Leser ein Austausch entsteht. Denn so entsteht auch ein Bewusstsein für das Phänomen; dabei ist es wohl nur ein Fehler ja und natürlich ist eine KI nicht fehlerlos. Dennoch besteht das Problem und ein Hinweis muss erlaubt sein. Und wer mag sagen, ob nicht mancher Seller einen solchen Irrtum ungemeldet lässt, sofern dadurch das Produkt besser bewertet ist?

      Beste Grüße

      Antworten
  2. Markus Mattscheck

    Also ehrlich Niklas, was ist das denn für ein Artikel? Du schreibst da von Hack und Black hat SEO. Dann erklär mir mal, wie dieser Hack funktioniert. Stell das nach und beweise das. Ich sehe das wie Dennis, technisch gar nicht möglich.

    Wenn du das nicht beweisen kannst, solltest du solche falschen Behauptungen aus dem Artikel rausnehmen. Dann kannst Du ja schreiben, dass dir ein paar Fehler bei Amazon aufgefallen sind.

    Ich gehe davon aus, dass es in den riesigen Amazon-Datenbanken nur ein paar UID-Konflikte gibt.

    Viele Grüße
    Markus

    Antworten
    1. Niklas LewanczikNiklas Lewanczik Artikelautor

      Hallo Markus,

      als Reaktion habe ich die womöglich etwas fehleingeschätzte Headline relativiert und entschuldige mich, wenn hier falsche Erwartungen hervorgerufen wurden. Allerdings möchte ich betonen, dass ich Überlegungen zur potentiellen Ausnutzung des Irrtums im Konjunktiv behandelt und nicht als unstrittig gegeben dargestellt habe.
      „Obwohl die Händler mit diesem potentiellen Hack also ihre Produkte unlauter hervorheben könnten, scheint es doch wahrscheinlicher, dass die irreführenden Produktbewertungen in vorliegenden Fällen das Ergebnis eines Fehlers vonseiten Amazons sind.“
      Es ist auch nicht von der Hand zu weisen, dass die Bewertungen bei Produkten, die mitunter sogar als gesponserte in den Suchergebnissen auftauchen oder einfach sehr weit oben, bislang weiterhin mit den falschen Bewertungen versehen sind; trotz Hinweisen.
      Jetzt kann wohl nur der Seller selbst einen Fall anstreben, um dies zu ändern (so Amazon uns gegenüber).

      Ich bin allerdings auch froh darüber, dass durch die Diskussion zu dem Beitrag dank wissender Leser ein Austausch entsteht. Denn so entsteht auch ein Bewusstsein für das Phänomen; dabei ist es wohl nur ein Fehler ja und natürlich ist eine KI nicht fehlerlos. Dennoch besteht das Problem und ein Hinweis muss erlaubt sein. Und wer mag sagen, ob nicht mancher Seller einen solchen Irrtum ungemeldet lässt, sofern dadurch das Produkt besser bewertet ist?

      Beste Grüße

      Antworten
  3. Dennis Schubert

    Der Autor scheint sich hier mit Amazon nicht wirklich auszukennen. Der Seller hat selbst keinen Einfluss auf die Darstellung einer Bewertung je nach Produkt – einzige Möglichkeit: Verwendung von Varianten eines Produktes zur gesammelten Darstellung von Bewertungen. Das wurde jedoch kürzlich gestrichen, da Varianten nun eigene Listings erhalten. Zudem sind Varianten an ein Produkte (FNSKU) gebunden und können keine komplett anderen Produktkategorien sein. In jedem Fall kann ein Seller keine zwei unterschiedlichen Produkte und deren Bewertungen mergen. Das hier ist ein Amazon-Fehler und keinen wirklichen Artikel, geschweige denn die Headline wert.

    Antworten
    1. Niklas LewanczikNiklas Lewanczik Artikelautor

      Hallo Dennis,

      danke erst einmal für die Ausführung. Ich bin in der Tat kein Experte für den Verkauf über Amazon. Dass den Sellern im Normalfall keine Manipulation etwa über fehlplatzierte Bewertungen möglich sind, liegt auf der Hand; außerdem gehen auch wir, wie im Artikel angedeutet, davon aus, dass es sich um einen Systemfehler bei Amazon handelt. Eine Bestätigung des Unternehmens bleibt allerdings aus. Vermutlich ist beim Umbau der Seite ein Fehler unterlaufen. Nun kann man sich aber auch fragen, ob dieser Irrtum nicht doch ausgenutzt werden kann, zumindest insofern, als das Ausbleiben einer aktiven Änderung trotz allem die Nutzer täuschen könnte.
      Dass das alles nicht im Sinne des Erfinders ist, ist glaube ich selbstverständlich. Auch wenn es letztlich nur ein Fehler ist, glauben wir, dass ein Hinweis darauf seine Berechtigung hat; immerhin sind die fehlerhaften Bewertungen schon seit geraumer Zeit online. Und wenn es nur dafür sorgt, dass Amazon oder einzelne Händler darauf aufmerksam werden und dem potentiellen Kunden eine Fehleinschätzung ersparen.

      Beste Grüße

      Antworten

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