Technologie

Google Chrome wird nun doch keine Adblocker aussperren

Geplante Änderungen an einer Chrome API, die zum Ausschluss vieler Adblocker geführt hätten, sind auf Eis gelegt worden. Die webRequest API wird nicht ersetzt.

© Google Chrome

Vor wenigen Wochen waren Entwickler besorgt, weil Google Änderungen für die webRequest API angekündigt hatte, die Erweiterungen wie Adblocker, etwa uBlock Origin, stark eingeschränkt hätten. Jetzt werden diese Änderungen so wohl nicht durchgeführt, wozu der Aufschrei der Entwickler sowie eine Studie beigetragen haben könnten.

API-Veränderungspläne führten zu Unmut

Die Furcht, dass zahlreiche Erweiterungen, darunter auch viele gängige Adblocker, bei Chrome ausgesperrt werden könnten, machte sich Ende Januar im Netz breit. Google hatte derzeit angegeben, die aktuelle webRequest API durch die declarativeNetRequest API ersetzen zu wollen. Grund hierfür war, dass sie mehr Sicherheit bieten sollte.

The new declarativeNetRequest API will be used as the primary content-blocking API in extensions, as it is more performant and offers better privacy guarantees to users.

Immerhin können Erweiterungen unter Rückgriff auf die webRequest API Netzwerkanfragen lesen, unterbrechen und gegebenenfalls sogar manipulieren. Auf diesem Prinzip bauen auch Adblocker auf. Um diese Gefahr zu bannen, wollte Google die API wechseln – das hätte jedoch für Adblocker wie uBlock Origin oder uMatrix Probleme bedeutet. Ein Entwickler erklärte:

If this (quite limited) declarativeNetRequest API ends up being the only way content blockers can accomplish their duty, this essentially means that two content blockers I have maintained for years, uBlock Origin (‚uBO‘) and uMatrix, can no longer exist.

Adblock Plus wäre wohl nicht beeinträchtigt gewesen, da man Anpassungen an die neue API bereits vorbereitet hatte. Google hatte im Kontext der Kritik am Vorhaben bereits betont, dass man keineswegs Adblocker handlungsunfähig machen wolle.

Our goal is not to break extensions.  We are working with extension developers to strive to keep this breakage to a minimum, while still advancing the platform to enhance security, privacy, and performance for all users.

Außerdem war herausgestellt worden, dass keiner der Pläne in Stein gemeißelt sei.

Ein Update von Googles Seite

Wie Marketing Land darstellt, meldet sich nun Googles Devlin Cronin zu Wort. Er erklärt, dass die declarativeNetRequest API weiterhin entwickelt wird, dass die implementierten Veränderungen laut Manifest V3 aber noch nicht feststehen. Mehr noch, die webRequest API soll nicht gänzlich ersetzt werden.

Another clarification is that the webRequest API is not going to be fully removed as part of Manifest V3.  In particular, there are currently no planned changes to the observational capabilities of webRequest (i.e., anything that does not modify the request).  We are also continually listening to and evaluating the feedback we’re receiving, and we are still narrowing down proposed changes to the webRequest API.

Während der Unmut der Entwickler und deren Bedenken, die in den entsprechenden Foren geäußert wurden, dazu beigetragen haben dürften, Googles Entwicklung zu beeinflussen, könnten auch Studienerkenntnisse zur Ladegeschwindigkeit im Kontext von Adblockern eine Rolle gespielt haben. Im Manifest V3 weist Google Chrome darauf hin, dass die Praktik der Netzwerkabfragen und die folgende „Bearbeitung“ zu längeren Ladezeiten führen könnten. Allerdings zeigt eine Studie von WhoTracksMe, dass gängige Adblocker keine Verzögerungen beim Laden von Seiten hervorrufen. Eine andere Studie aus den USA, von Catchpoint, deutet sogar darauf hin, dass Seiten mit installiertem Adblocker schneller laden als ohne; das berichtet MarketingMag.

All diese Aspekte dürften zu einem Umdenken im Entwicklerteam für Google Chrome geführt haben. Allerdings werden erneut keine konkreten Versicherungen gegeben. Vielmehr wird V3 weiterentwickelt – und erst vollends eingeführt, wenn Feedback eingearbeitet wurde. Bis dahin wird Manifest V2 weiter unterstützt werden. Daher werden wohl alle gängigen Adblocker zunächst weiterhin problemlos bei Google Chrome funktionieren. Veränderungen im API-Bereich sind trotzdem noch nicht vom Tisch – und Google wird sicherlich noch Optimierungen bei den Netzwerkanfragen durchsetzen wollen, um die Nutzer langfristig besser zu schützen. Zumindest Zeit haben die Entwickler nun aber gewonnen.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.