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Social Media Marketing
Gefühlte Wahrheit: Wie Medien Fake News entgegenwirken wollen

Gefühlte Wahrheit: Wie Medien Fake News entgegenwirken wollen

Tina Bauer | 16.12.16

Während Facebook sich bemüht, den Newsfeed künftig zu verbessern, entwickeln andere praktische Browser Add-ons, die gefakten Stories und deren Verbreitung entgegen wirken sollen.

Das Soziale Netzwerk hat die Brisanz von Postfakten scheinbar erkannt und will nun Maßnahmen einleiten, den Newsfeed zu bereinigen. Damit dies gelingt, stehen einige große Updates an und auch die User werden dazu aufgerufen dabei mitzuhelfen, ein durchweg positives Ergebnis zu liefern. Während dieser Ansatz zu großen Teilen von der Unterstützung der Community abhängig ist, hat Slate ein Browser Add-on veröffentlicht, dass Fake News markiert und die Verbreitung stoppen soll.

Praktisches Chrome Add-on, wenn das Ende des Geduldsfadens erreicht ist

Die etablierten Medien haben in den vergangenen Jahren zugunsten des Populismus an Reputation eingebüßt, weshalb sich die politische Polarisierung besorgniserregend zuspitzt. Fake News sind in diesen aufwühlenden Zeiten nicht unser einziges Problem, doch können wir dieses mit einer Hands-on Mentalität selbst in die Hand nehmen.

Die Entwickler von Slate haben jüngst ein Tool erstellt, das es ermöglichen soll, Fake News zu identifizieren, zu entlarven und ihre Verbreitung zu stoppen. Bislang lediglich als Chrome Extension erhältlich, kann „This is fake“ kostenfrei im Web Store oder auf der gleichnamigen Website heruntergeladen werden.

Markieren und Verbreitung stoppen

Ist die Extension aktiviert, sind vermutete Fake Beiträge im Newsfeed mit einem auffälligen roten Banner markiert. Der Banner ist verlinkt und führt direkt zu einer seriösen Quelle, die die Story als falsch entlarvt und auch anhand von Fakten erklärt, warum dem so ist. Diesen Ansatz will auch Facebook nun bei seinem Update nutzen (siehe #2 Fakten werden von Partnern gegengecheckt).

Die "This is Fake"-Browser Extension markiert Fake Stories und führt auf eine seriöse Website. © Slate
Die „This is Fake“-Browser Extension markiert Fake Stories und führt auf eine seriöse Website. © Slate

Neben der Verlinkung zur Aufklärungsseite markiert die Extension auch Newsseiten, die regelmäßig gefakte Stories verbreiten. Im Rahmen des öffentlichen Diskurses umfasst der Begriff Fake News inzwischen ein großes Spektrum an Nachrichten – und seien es meinungsbasierte Kolumnen. Daher definiert das Add-on Fake News wie folgt: Der Fokus liegt hier auf Beiträgen, die wie echte News aufgemacht sind, bei denen die sogenannten Fakten jedoch belegbar ausgedacht sind und von seriösen Quellen bereits widerlegt wurden. Die Beiträge werden von einem dafür abgestellten Team des Publishers bewertet und in einer Datenbank gespeichert, was ebenfalls einem ähnlichen Ansatz wie dem Facebooks folgt.

Zumindest ein erster Ansatz, wenn auch nicht ganz ohne Komplikationen. So führt Slate etwa das Beispiel des Papstes an, der Trump angeblich seine Unterstützung zusicherte und von einer Newsseite stammt, die fast ausschließlich Fantasie-Nachrichten verbreitet. Dies sei leichter zu identifizieren als etwa die Nachricht, Hillary Clinton unterstütze den IS mit Waffen. Denn laut Snopes, einer der offiziellen Partner, die auch Facebook bei der Identifizierung von Fake News unterstützen, sind die enthaltenen Informationen halbwahr. Denn zum Teil basiert diese Behauptung auf Veröffentlichungen von Wikileaks – die selbst in der Kritik stehen, den Wahlkampf zugunsten Trumps beeinflusst zu haben. Slate bewertet beide Beispiele als Fake, denn die aufgestellten Behauptungen haben sich größtenteils eben als nicht richtig herausgestellt und sind irreführend.

Facebooks neuer Ansatz ist userbasiert

Das Soziale Netzwerk hat die Brisanz der Postfakten scheinbar erkannt und will nun Maßnahmen einleiten, den Newsfeed zu bereinigen. Die unlösbare Aufgabe, selbst zu entscheiden, welche Beiträge postfaktisch sind und welche nicht, kann und will sich Facebook nicht zumuten, weshalb hier die Community ins Boot geholt wird. So soll sich zu Anfang auf die folgenden vier Bereiche konzentriert werden:

#1: Vereinfachtes Melden

Das Melden von Fake Stories soll vereinfacht werden. Der Klick auf den Pfeil in der oberen rechten Ecke eines Beitrages führt demnach zu einer Auswahl, die das Markieren einer Falschmeldung ermöglicht.

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#2 Fakten werden von Partnern gegencheckt

Drittanbieter, zu denen nach TechCrunch Snopes, Politifact, FactCheck.org oder ABC News zählen und die den Fact Checkers Code of Principles unterzeichnet haben, sollen als Rat fungieren. Nach einer eingehenden Prüfung der gemeldeten Beiträge durch diese Partner werden vermutete Fake News auf Facebook als umstritten gekennzeichnet. Ein Link führt zu einer Erklärung, warum der Artikel geflaggt wurde. In das Urteil fließen auch weitere, nicht näher genannte Signale ein und die Stories werden im Newsfeed schlechter gerankt. Geflaggte Stories können zwar noch immer geteilt werden, ein Pop-up allerdings warnt davor und es besteht keine Möglichkeit der Bewerbung solcher Beiträge.

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#3 Sharing Rates

Wird ein Artikel nach dem Lesen von Usern nicht geteilt, soll dies als Signal dafür gewertet werden, dass der Beitrag Misinformationen enthält. Wie aussagekräftig dieses Signal ist, wird sich jedoch zeigen. Denn User lesen häufig Stories und teilen diese im Nachgang, unabhängig von der Qualität, nicht. Dies kann zum Einen daran liegen, dass der Algorithmus beim Zurückkehren zu Facebook den Beitrag hat verschwinden lassen. Zum Anderen aber teilen die Nutzer ohnehin sehr viel weniger als noch vor einigen Jahren. Zudem konnte eine Untersuchung von BuzzFeed kürzlich zeigen, dass Fake Stories (wie etwa dass der Papst Trump seine Unterstützung zugesagt oder Hillary Clinton in den Mord eines FBI Agenten involviert war) ein höheres Engagement erzeugen, als bodenständige Beiträge renommierter Publisher wie die New York Times. Bedeutet dies also im Umkehrschluss, dass virale Fake Stories echt sind? Wohl kaum.

#4 Finanzierung von Fake Websites austrocknen

Fake News sind sensationsheischend und können auf diese Weise unzählige Klicks generieren. Facebook will die Finanzierung solcher Seiten trockenlegen und Fakeseiten, die sich als Newsportale ausgeben, ausschließen: „[…] We’re also going to crack down on spammers who masquerade as well-known news organizations“, erklärte Mark Zuckerberg gestern auf Facebook.

Wer nun Angst um beliebte Satireseiten wie The Onion, extra 3 oder Titanic hat, der sei beruhigt. Facebook schließt diese laut der New York Times aus den Updates aus.

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