Social Media Marketing

Facebook ohne Likes: Macht ein Modellversuch Schule?

In Australien wird derzeit das Verstecken der Anzahl der Likes unter Facebook Posts getestet. Wird das Feature weltweit ausgerollt?

Facebooks Like-Logo, außerhalb des Luleå Data Centers, © Luleå Data Center, Facebook

Soziale Netzwerke sind der ideale Ort für die ganz persönliche Selbstinszenierung. Mit Fotos aus dem Urlaub, Berichten über das neue Auto oder die neue Liebe – vor allem das Positive wird bei Facebook in den Vordergrund gerückt. Die logische Folge dessen: es gibt meist eine Vielzahl an Likes.

Und einer Menge Nutzern scheint es am Ende auch genau darum zu gehen. Das eigene Ego soll gepusht werden, der Konkurrenzkampf mit anderen Usern wächst. Höher, schneller, weiter. Mein Haus, mein Boot, mein Auto. Die Jagd nach Likes und der Würdigung durch andere User wird dabei in vielen Bereich immer extremer. Eine Niederländerin täuschte gar ihren Urlaub in Asien vor – und postete gefälschte Fotos. Was in dem Fall ein Forschungsprojekt für die Uni war, könnte aber durchaus auch ernst gemeint umgesetzt werden.

Eigene Urlaubsfotos optimieren, mehr herausholen – alles nur, um bei Facebook, Instagram und Co. möglichst gut wegzukommen.

In Australien setzt Facebook auf ein Netzwerk ohne Likes

Um dem entgegen zu wirken, hat Facebook in Australien jüngst einen Modellversuch gestartet. In Down Under werden Likes und Reaktionen (in Form von Emojis) derzeit nicht ausgegeben. Man habe die Funktion versteckt und wolle dazu beitragen, dass die User sich so vernetzen und austauschen können, wie es ihnen am besten gefällt. Dieses Statement gab bereits am vergangenen Freitag eine Sprecherin von Facebook gegenüber TechCrunch ab. Konkret wolle man durch dieses Vorgehen herausfinden, ob das Verstecken der Likes und Reaktionen zu einem besseren Nutzererlebnis führe oder ob dieses hierdurch negativ beeinflusst werde. Bisher hat sich Facebook nicht dazu geäußert, ob ein solcher Test auch außerhalb Australiens – also beispielsweise in Deutschland – angedacht ist.

Der Wettbewerb, möglichst viele Likes zu kassieren und sich perfekt zu präsentieren, ist durch das Verstecken der eigentlichen Funktion ausgehebelt. Der Druck, den viele Menschen innerhalb der Social Networks verspüren, würde hierdurch reduziert. Forscher sind sich inzwischen einig darüber, dass insbesondere Menschen mit einem geringeren Selbstwertgefühl zumindest kurzzeitig von den Likes unter einem Posting profitieren würden. Langfristig würden die Facebook Likes allerdings nicht glücklich machen, lediglich kurzfristig würde ein Belohnungsgefühl ausgelöst. Teilweise geht dieser Wettbewerb soweit, dass Likes gezielt gekauft werden – einzig zu dem Zweck, bei Facebook entsprechend beliebt zu wirken und sich optimal darzustellen.

Sorgte Facebook selbst für den Hype um die Likes?

Allerdings: Facebook selbst könnte massiv dazu beigetragen haben, dass Likes überhaupt einen so großen Stellenwert bekommen haben. Der immer wieder angepasste Algorithmus des Netzwerkes sorgt dafür, dass vor allem die Beiträge breit gestreut und vielen Freunden und Bekannten angezeigt werden, auf die vielfach reagiert wird – zum Beispiel also durch Kommentare oder eben auch Likes. Konkret heißt das: Ein Foto, dass fünf Likes bekommt wird nicht so häufig in der Timeline von Freunden angezeigt, wie ein Fotos, das 25 oder mehr Likes erhält.

Kurswechsel bei Facebook ist möglich – und auch bei Instagram

Seitens Facebook wurde bereits vor einer Weile mitgeteilt, dass im Bezug auf Likes und Reaktionen ein Umdenken stattfinden könne und ein Kurswechsel möglich sei. Entsprechende Tests gab es ebenfalls schon auf der zum Facebook Konzern gehörenden Foto-Plattform Instagram. Die Likes auf Fotos wurden auch hier verborgen – unter anderem war an diesem Test auch Australien beteiligt – und konnten nur noch vom Ersteller des Postings gesehen werden. Für alle anderen User waren nur noch Kommentare zu sehen und der Hinweis auf Likes eigener Kontakte. Die Anzahl der Likes unter einzelnen Instagram Posts war für Dritte jedoch nicht erkennbar.

Kann Facebook ohne Likes funktionieren?

Die Frage, ob ein Soziales Netzwerk ohne Likes überhaupt Erfolg haben kann, darf man sich durchaus stellen. Immerhin machen Likes viele Netzwerke dieser Art überhaupt aus – nicht nur Facebook. Und auch für die Branche des Online Marketings spielen Likes in vielen Fällen eine wichtige, wenn nicht sogar entscheidende Rolle. Facebook läuft somit nicht nur Gefahr, dass die Interaktionen in den hauseigenen Netzwerken durch ausgeblendete Likes nachlassen, auch besteht das Risiko, dass beispielsweise Werbepartner abspringen. Unabhängig von den derzeitigen und vergangenen Tests in Australien wird sich das Team rund um Facebook-Gründer Mark Zuckerberg also gewiss die Frage stellen, inwieweit ein Ausblenden und Verstecken von Likes langfristig sinnvoll und vor allem auch hilfreich ist.

Über Hauke Eilers

Hauke Eilers

Hauke Eilers arbeitet als Redakteur und als selbständiger Texter. Er lebt mit seinen drei Kindern und seiner Partnerin in Ostfriesland. Hauke studierte in Oldenburg Wirtschaftswissenschaften und arbeitete bereits für verschiedene Redaktionen. Das Thema Online Marketing begleitet ihn dabei bereits seit vielen Jahren in allen seinen Facetten.

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