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Social Media Marketing
Facebook: Wegschmeißen oder reparieren? Happy Birthday, blaue Weltmacht!
Facebooks Like-Logo, außerhalb des Luleå Data Centers, © Luleå Data Center, Facebook

Facebook: Wegschmeißen oder reparieren? Happy Birthday, blaue Weltmacht!

Ralf Scharnhorst | 04.02.19

Facebook wird heute 15 Jahre alt - und benimmt sich so: wie ein pubertierender Teenager. Was passiert als nächstes - tritt Zuck zurück? Unser Gastautor Ralf Scharnhorst hat eine klare Meinung.

Mal ganz unter uns: Vertraust du Facebook? Wenn ja, wobei? Was haben wir vor fünf Jahren Facebook anvertraut? Was vertrauen wir ihm heute an? Und wir sind Online Marketer. Was da wohl erst normale Menschen denken? Was wird sich ändern, was muss sich ändern nach dem Geburtstag?

Vorweg etwas Nettes: Facebook ist für viele unserer Kunden die zweitbeste Marketing-Platform, für manche auch die beste. Aus meiner Perspektive als Media-Agentur-Inhaber kann ich mich also nicht der Boykott-Forderung eines Kollegen aus einer internationalen Netzwerk-Agentur anschließen, weil Facebook für Werbungtreibende einfach – noch – zu gut funktioniert.

„Move fast and break things!“

Kommen wir aber zum Wesentlichen, der Nutzer-Perspektive: Ist da nicht der Höhepunkt der Begeisterung für Facebook längst überschritten?

Was Facebook vor zehn Jahren konnte, konnte StudiVZ nicht. Rasend schnell hat Facebook seine Funktionen weiter entwickelt und ging dabei an die Grenzen des technisch Machbaren. Der blaue Riese hatte ein enormes Gespür dafür, was seine User sich von ihm als nächstes wünschten. Farmville war noch ein großer Hit. Aber was war die letzte Innovation von Facebook? 360-Grad-Fotos, wirklich?

Wie einfach ist es inzwischen für Wettbewerber, die gleiche Technik wie Facebook zu programmieren? Und wie einfach für den User, seine Kontakte und Daten zu exportieren und in ein anderes Netzwerk hochzuladen, beispielsweise zu LinkedIn?

Das würde bedeuten: Wir haben nach 15 Jahren mindestens die Hälfte geschafft, freuen wir uns auf und engagieren wir uns für das nächste Social Network – ob es Facebook heißt oder nicht.

„This job is only 50% done!“

Überstürzter User-Boykott jedenfalls ist nicht die Lösung. Das zeigt auch die geringe Zahl der Facebook-Profil-Stillegungen – trotz der hohen Menge an Usern, die sich über Facebook aufregen – auf Facebook. Das System muss von innen geändert werden. Vielleicht sollten wir doch alle das Foto posten: „Ich widerspreche hiermit den Facebook-AGBs“?

Zuck war der Richtige für den Aufbau, „move fast and break things“ – so rücksichtslos, wie man angeblich sein soll, wenn man Weltmarktführer werden will. Genau das macht ihn aber zum Falschen für die gewachsene gesellschaftliche Verantwortung seines Unternehmens.

Ich versuche gar nicht erst, zusammenzufassen, womit Facebook in den letzten drei Jahren Schlagzeilen gemacht hat. Die Experten streiten sich, ob man das nun „Skandale“ nennen kann, Vertrauensbruch oder einfach Business as Usual bei der Umsetzung des Geschäftsmodells von Facebook: User anziehen, binden und möglichst passende Werbung ausspielen.

Zuck wollte niemand mehr sehen. © Mark Zuckerberg, Facebook beim #MWC2016
Zuck wollte niemand mehr sehen. (c) Mark Zuckerberg, Facebook beim #MWC2016

„Done is better than perfect!“

Was haben wir Facebook zu verdanken?

Facebook sagte vor einigen Jahren: die Demokratie-Bewegung in Nordafrika. Sachliche Informationen über den Arabischen Frühling 2010 und die Rolle Facebooks finden sich auf Wikipedia.

Heute fragen wir uns aber auch: die Rohingya-Massenvertreibung in einem Land, das das Internet noch nicht kannte, und dann plötzlich Facebook gratis bekam? Ein detaillierter Bericht findet sich bei der Nachrichtenagentur Reuters auf Englisch.

Der Brexit, den am Ende keiner so gewollt hat, Trump als Präsident – wäre das ohne Facebook auch passiert? Liegt es daran, dass wir unseren aufgeregten Freunden mehr vertrauen als fremden Experten? Ist Werbung und Verhaltensbeeinflussung durch Facebook zu effizient und leicht geworden?

Facebook hatte große Pläne für die nächsten fünf und zehn Jahre.

Gehen wir einmal davon aus, dass Zuckerberg Berater und Freunde hat, die ehrlich zu ihm sind. Mit einem Blick auf den Aktienkurs von Facebook werden sie ihm sagen: „Du kannst mehr Geld verdienen, wenn du Facebook jemand anderen managen lässt.“

Wie geht sein Ego damit um? Ein Kompromiss wäre: Zuck wird wieder der oberste Developer bei Facebook. Der Fünfjahresplan ist ja etwas im Rückstand, wollte Facebook nicht noch Drohnen, Satelliten und Laser herausbringen – oder zumindest mal eine funktionierende Suchmaschine?

Dann wäre sein Stuhl frei für jemanden, der das Social Network etwas mehr so managen könnte, dass es seiner Macht gerecht wird.

Was bis dahin jeder von uns tun kann: Medienkompetenz stärken, hinterfragen, was wir lesen und hören und versuchen, einzelnen Dingen auf den Grund zu gehen. Auf die nächsten 15 Jahre der Social Networks!

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