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Nach der Facebook-F8: Volle Fahrt in Richtung VR

Wie wird Facebook das Online Marketing zukünftig vorantreiben? Die wichtigsten Erkenntnisse der F8 für Marketer.

© Facebook

Was hat die diesjährige Facebook-Entwicklerkonferenz für das Online Marketing gebracht? Vor allem den offiziellen Start der Beta-Phase von Facebook Spaces, der Erweiterung des sozialen Netzwerks in die virtuelle Realität. Aber auch noch einiges mehr.

Zwei Facebook-Kameras für 360-Grad-Inhalte

Wie vorher erwartet, hat Facebook tatsächlich auf der F8 Hardware aus eigener Entwicklung vorgestellt. Für Werbetreibende besonders interessant sind dabei zwei Kameras für die 360-Grad-Content-Erstellung. Entweder mit 24 oder mit 6 Linsen ausgestattet, sollen sie durch ihre neuartige Technologie bisher nicht gekannte Betrachtungswinkel und Tiefe ermöglichen, um das Erlebnis in der virtuellen Realität (VR) noch realistischer wirken zu lassen. Es wird nicht lange dauern, bis diese neuen Aufnahme-Möglichkeiten ihren Einzug in die Film- und Werbeproduktion halten. Die beiden Kameras werden allerdings nicht selbst von Facebook vermarktet, sondern die Technologie ist an Hardwarepartner lizensiert worden.

Offizieller Start der Beta-Phase von Facebook Spaces

In San José hat Facebook die Beta-Phase von Facebook Spaces eingeläutet und will damit das soziale Netzwerk in Richtung VR erweitern. Die ersten Einblicke geben bereits einen guten Indikator dafür, wie auch weit entfernte Menschen ihre sozialen Kontakte noch besser durch gemeinsame Erlebnisse stärken können. So können sich Freunde z.B. einen Avatar schaffen und im virtuellen Raum zusammen entsprechenden Content erleben – sei es das gemeinsame Ansehen von 360-Grad-Bildern und -Videos oder das Interagieren in dreidimensionalen Welten. Dieser virtuelle Raum bietet ungeahnte Möglichkeiten für Werbetreibende, um intensive Erlebnisse um ihre Marke herum zu kreieren und diese auf neue Arten erleb- und fühlbar zu machen. Virtuelle Erlebniswelten werden deshalb in Zukunft ein sehr wichtiger Baustein im Digitalen Marketing. Dafür ist allerdings auf Seiten der Unternehmen bei der Content-Produktion und auf Kundenseite mit den immer noch recht hohen Hardware-Anforderungen einiges an Aufwand zu bewältigen. Deshalb dürfte der VR-Siegeszug noch etwas auf sich warten lassen.

Geringere Einstiegshürden mit Augmented Reality

Parallel können sich die User nach der Vorstellung von Facebook ab sofort mit Augmented Reality (AR) beschäftigen. Denn hier sind die Einstiegshürden wesentlich geringer. Bereits ein Smartphone oder ein Tablet mit Kamera reichen dafür aus. AR soll ein neues Erleben der Wirklichkeit massentauglich machen und bildet so die Brücke zu Virtual Reality. Die Steuerung der AR-Welt – über das Smartphone hinaus – ist dabei eine der aktuell wichtigsten Fragestellungen, um diese Technologie wirklich in den Alltag integrieren zu können.

Laut Facebook befinden wir uns bei den AR-Geräten aktuell im vergleichbaren Stand zu Computersystemen der 70er Jahre, als die erste Maus und grafische Oberflächen präsentiert wurden. Im Forschungszentrum „Building 8“ bei Facebook wird deshalb intensiv an Systemen geforscht und entwickelt, die Texteingaben direkt per Gedanken und das „Hören” von Informationen direkt über die Haut ermöglichen. Natürlich ist das alles noch sehr am Anfang, bietet aber einen sehr guten Ausblick, auf welche Interfaces für den Konsum und die Nutzung digitaler Inhalte wir uns in Zukunft einstellen können.

Für eine breite Akzeptanz von AR wird aber schon heute jede Menge überzeugender Content erforderlich sein, dessen Erstellung Facebook nun mit der „Augmented Reality Camera Effects Platform“ erleichtert. Das Kopieren von Snapchat Funktionalitäten war dazu eben nur der erste Schritt. Anders als bei dieser Plattform, deren Monetarisierungsmodell zum Teil auf der Bereitstellung gesponserter Filter besteht, können sich User bei Facebook nun eigene Filter (via Frame Studio) und sogar AR Masken/Filter bauen. Eine Monetarisierungsmöglichkeit könnte darauf beruhen, bessere Filterplatzierungen und sogar Targeting für die schnell wachsende Filterzahl anzubieten. Dadurch können Werbetreibende gezielt zur Marke passende User mit ansprechendem Filter-Content adressieren.

Wie für Facebook Spaces gilt für Werbetreibende auch in der AR-Umgebung: Es bieten sich neue innovative Möglichkeiten, um eine stärkere Markenbindung zu erzielen. Dafür ist aber natürlich auch die Produktion entsprechender Inhalte notwendig. Das hat Facebook erkannt und stellt Entwicklern und somit Unternehmen direkt die nötigen Tools und Funktionen bereit. Nun gilt es, daraus etwas zu machen.

Wird die Optimierung der Chatbot-Suche eine neue Disziplin?

Auf der diesjährigen F8 hat Facebook beeindruckende Zahlen vorgelegt, was die Eignung von Chatbots als schneller Kanal für den Dialog mit dem Kunden angeht. Über 100.000 der im Messenger angebotenen Bots – so wurde in San José verkündet – würden bereits jeden Monat genutzt und dabei zwei Milliarden Nachrichten zwischen Menschen und Unternehmen ausgetauscht. Durch diese unglaubliche Zahl wird es aber auch immer schwieriger für den User, den für seine Situation passenden Bot auszuwählen. Hier bietet Facebook nun mit dem Discovery Tab einen Ausweg, um das Auffinden zu erleichtern.

Gleichzeitig blieb aber auf der F8 die Frage offen, nach welchen Kriterien der im jeweiligen Kontext ideale Bot herausgesucht wird. Für Werbetreibende bekannte Konzepte wie Search Engine Optimization bzw. App Store Optimization dürften deshalb nun auch im Facebook Messenger interessant werden – mit dem Ziel, dass der eigene Bot im Discovery Tab bevorzugt behandelt wird und dadurch eine größere Reichweite erzielt.

Dank der neuen „Chat Extensions” ist es nun auch möglich, Produkte und Datenbanken als Erweiterungen in Chats zur Verfügung zu stellen. Über diese Funktion lassen sich Dienste, wie beispielsweise Spotify, in eine Gruppen-Konversation hinzuzufügen, um etwa gemeinsam einen Song zu hören. Für Unternehmen können sich durch die Erstellung eigener Chat Extensions neue Möglichkeiten bieten, gruppendynamische Effekte zu nutzen und durch gezielte Vorschläge Produkt-Sales voranzutreiben.

Darüber hinaus wird es innerhalb der Messenger Plattform erleichtert, automatisierte Antworten als „Smart Replies“ zu konfigurieren. Im Prinzip kann damit jedes Unternehmen einen „Bot light“ erstellen, um einen schnellen, automatisierten Kundenservice zu bieten.

Über Jan Brockmann

metapeople.com/

Jan Brockmann ist seit August 2016 als Geschäftsführer der metapeople GmbH u.a. für das Paid Media Geschäft sowie Software Development verantwortlich. Seinen Einstieg bei metapeople hatte er bereits 2008. Jan Brockmann startete als Account Manager und übernahm unter anderem Key Accounts im Bereich Travel bevor er den Bereich SEA (Retail & Travel) bei metapeople leitete. Im April 2014 übernahm er die Aufgaben des Director of Operations und somit auch die Management-Verantwortung der Abteilung Development zusätzlich zum SEA Bereich. Im März 2016 kamen dann Social und Display & Programmatic hinzu. Der Diplom-Informationswissenschaftler studierte an der FH Köln, bevor er beim Buchhändler Thalia in den E-Commerce einstieg. Sein großes Interesse für Online Marketing konnte er danach bei metapeople erweitern und vertiefen.

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