Social Media Marketing

Facebook-Betrug: Warum sich gefälschte Gewinnspiele auszahlen

Facebook-Scams versprechen VW-Busse für Klicks. Wir zeigen dir an einem konkreten Fallbeispiel, wie die Betrüger vorgehen und wieso sich das für sie lohnt.

Der VW-Bus - zu schön um wahr zu sein, © Flickr / Nick Page, CC BY 2.0

Unseriöse Gewinnspiele gibt es bei Facebook zuhauf. Doch wie bauen die Macher die Seiten auf? Was möchten die Veranstalter mit der Aktion eigentlich bezwecken? Wir beleuchten die Hintergründe der Facebook-Betrüger.

Wie die Betrüger die Seite aufziehen

Jeder würde gerne einen VW Transporter gewinnen, vor allem wenn es so einfach geht. Ein paar Klicks – so scheint es – und der Campingtraum geht in Erfüllung. Versprechen wie diese finden sich in den Social Networks überall. Ein aktueller Fall ist die Seite „VW Camper 2016“ auf Facebook (Anmerkung: Während dieser Artikel entstand, wurden die meisten Informationen über die Fanpage bereits gelöscht).

Das "Gewinnspiel" von der Fanseite VW Camper 2016, das aktuell im Umlauf ist / Screenshot Facebook

Das „Gewinnspiel“ von der Fanseite VW Camper 2016, das aktuell im Umlauf ist / Screenshot Facebook

Das ist wie so oft nur ein Fake. Dabei gehen die Betrüger fast immer nach dem gleichen Schema vor. Sie erstellen eine Fanpage mit dem Namen einer großen Marke. Das kann VW genauso wie Mercedes oder Apple sein. Der Header ist ein schickes Werbebild und das Profilbild ein offizielles Logo. Ein Fotoalbum mit diversen Ansichten des zu verlosenden Produkts ist auch schnell zusammengeklaut.

Die Fotos der Facebook-Seite VW Camper 2016 / Screenshot Facebook

Die Fotos der Facebook-Seite VW Camper 2016 / Screenshot Facebook

Dann fehlt nur noch eine lückenhafte Seiteninfo mit offizieller Website und Adresse des Unternehmens. Das Impressum wird erfunden, wenn es überhaupt existiert.

Die Seiteninfos von VW Camper 2016 geben nicht viel her / Screenshot Facebook

Die Seiteninfos von VW Camper 2016 geben nicht viel her / Screenshot Facebook

Die Postings der entsprechenden Fanpage sind größtenteils thematisch passende Artikel von diversen Medienseiten, damit der Eindruck entsteht, das hier Content-Pflege betrieben wird und dahinter die offizielle Marke steht. Damit ist der Grundstein für eine Fake-Seite gelegt. Klingt einfach – ist es auch. Und es funktioniert leider blendend.

Das Gewinnspiel nimmt Form an

Die VW Camper Seite kommt mit einem Gewinnspiel auf über 60.000 Likes / Screenshot Facebook

Die VW Camper Seite kommt mit einem Gewinnspiel auf über 60.000 Likes / Screenshot Facebook

Der nächste und entscheidende Schritt ist das attraktive Gewinnspiel. Die Macher erstellen ein Post, mit dem angeblich ein tolles Produkt der Marke verlost wird. Gewinnen kannst du das iPhone oder in diesem Fall den VW Camper, wenn du die (von Facebook verbotenen) Teilnahmebedingungen erfüllst: die Seite liken, den Post liken, teilen und kommentieren – vielleicht sogar auch noch deine Freunde im Bild taggen. Darauf fallen so viele Nutzer herein, dass der Beitrag schon nach kurzer Zeit eine astronomisch hohe Sichtbarkeit erlangt (im VW Camper-Fall waren das wie oben zu sehen über 90.000 Shares).

Eine solche Masche zu enttarnen ist relativ einfach. Meistens fällt der Betrug schon auf, wenn du einen Blick auf die Seite selbst wirfst. Es sind junge, nicht verifizierte Fanpages (welche große Marke würde die Seite nicht sofort bestätigen?) und die Seiteninfo hält keiner genaueren Prüfung stand. Außerdem sind die zu erfüllenden Teilnahmebedingungen für das Gewinnspiel nicht deutlich verlinkt, sondern verbotene Handlungen wie eben Sharen et cetera erforderlich.

Die Motivation der Betrüger

Doch was versprechen sich die Seiteninhaber davon? Hier sind einige mögliche Intentionen:

  • Die Seite später umbenennen
    Das ist zwar nicht unproblematisch, weil die Fanpages von Facebook nach Anfrage geprüft werden, doch einen Versuch ist das sicherlich wert. Dann entsteht ohne viel Aufwand eine Seite mit großer Reichweite. Auch das Verbinden mit einer anderen Seite wäre möglich.
  • Kreditkarteninformationen sammeln
    Nachdem genug Personen teilnehmen, schicken die Betrüger eine Nachricht etwa in dieser Art herum: „Herzlichen Glückwunsch, du hast gewonnen! Bitte fülle dieses Formular aus und gib deine Kreditkarteninformationen mit Sicherheitscode ein“. Ein ganz billiger Scam, der sich aber anscheinend immer noch auszahlt.
  • Zielgruppendaten für Werbung generieren
    Daten sind im Internetzeitalter das neue Gold. Mittels einer großen Fanpage lassen sich Lookalikes bauen, die du für andere Werbekampagnen optimal nutzen kannst. Daraus entsteht eine attraktive Zielgruppe, die eine nachgewiesene Neigung für Gewinnspiele besitzt. Diese Daten könnten unseriöse Händler auch verkaufen.
  • Cross-Postings
    Sobald die Reichweite aufgebaut ist, lassen sich Inhalte von anderen Seiten einem großen Publikum vorstellen. Durch Affiliate-Links können die Macher damit Geld verdienen.
  • Verbreitung eines Wurmes/Trojaners
    Das funktioniert in erster Linie nicht mit dem Bild selbst, sondern dank eines später an alle Teilnehmer geschickten Links.
  • Spaß
    Um an dieser Stelle einen großartigen Schauspieler zu zitieren: „Einige Menschen wollen die Welt einfach nur brennen sehen“. Wie viele von uns können auf eine Fanpage mit sechsstelligen Likes zugreifen und gefahrlos posten, was immer sie möchten? Vielleicht bereitet es manchen Freude, andere Nutzer in die Irre zu führen.

Wir haben den Social Media Experten Felix Beilharz zusätzlich um eine Einschätzung zu diesem Thema gebeten:

Felix_BeilharzAm häufigsten ist der Punkt, die Seite nachher umzubennen und/oder zu mergen und so auf einen Schlag eine große Menge neuer Fans aufzubauen. Fast ebenso häufig dürfte das Verteilen von Affiliate-Links unter den aufgebauten Fans sein. Auf Platz drei schätze ich die Generierung von Daten auf externen Landingpages ein. Die Verbreitung von Viren halte ich theoretisch für möglich, habe ich in der Praxis aber noch nie gesehen.

Fallen euch weitere Gründe ein, warum jemand ein falsches Gewinnspiel veranstalten sollte? Wir freuen uns über jeden Vorschlag in den Kommentaren.

Über Anton Priebe

Anton Priebe

Anton Priebe ist Redaktionsleiter und seit Ende 2013 bei OnlineMarketing.de aktiv. Der studierte Germanist und Soziologe fokussiert sich auf Technologie, kreative Marketingstrategien, Conversion Optimierung und SEO. In seiner Freizeit klettert Anton gerne Wände hoch, bereist die Welt und freut sich über gutes Essen oder neue Musik.

3 Gedanken zu „Facebook-Betrug: Warum sich gefälschte Gewinnspiele auszahlen

  1. Jorge

    Warum machen/können die denn das trotzdem, wenn FB ein Verbot dafür hat? Sonst wird doch auch immer gleich alles zensiert oder gleich gelöscht, bei Regelverstoss!

    Antworten
  2. Amélie

    Hallo Anton,
    aufschlussreicher Artikel! Kannst Du mir sagen, wo ich das Verbot von Facebook für diese Art von Gewinnspielen finden kann?

    Danke,

    Amélie

    Antworten
    1. Anton PriebeAnton Priebe Artikelautor

      Hi Amélie,

      hier unter Punkt III./E/3.: https://www.facebook.com/page_guidelines.php

      „Promotions können auf Seiten oder in Apps auf Facebook organisiert werden. Persönliche Chroniken und Freundschaftsverbindungen dürfen nicht für die Organisation von Promotions genutzt werden (beispielsweise sind Aufforderungen wie „teile diesen Beitrag in deiner Chronik, um teilzunehmen“ oder „erhöhe deine Gewinnchancen durch Teilen in der Chronik deines Freundes/deiner Freundin“ und „markiere deine Freunde/Freundinnen in diesem Beitrag, um teilzunehmen“ nicht erlaubt).“

      Grüße Anton

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.