Social Media Marketing

Facebook bekämpft Adblocker mit speziellem Code

Das Soziale Netzwerk nutzt diverse Tricks, um Adblockern das Erkennen von Werbeanzeigen zu erschweren. Schließlich lebt man auch vom Erfolg der Ads.

Facebooks Code gegen Adblocker zeigt Wirkung, © Facebook

Entwickler kritisieren Facebook dafür, dass das Unternehmen sich raffinierter Tricks bedient, damit Adblocker Probleme beim Aufdecken und Blockieren von Ads bekommen. Die dafür eingesetzten Code-Elemente mindern jedoch die Leistungsfähigkeit der Plattform, etwa für Screen Reader.

Facebook setzt auf Code-Modifizierung gegen Adblocker

Adblocker gehen nach bestimmten Mustern vor, um auf Websites Werbung als solche zu erkennen. In unserer visuellen Ansicht muss eine Werbung mit „Sponsored“ oder „Ad“ markiert sein, damit die Nutzer sie als werblichen Inhalt erkennen. Dementsprechend findet sich auch auf textlicher Ebene im Code normalerweise eine Entsprechung. Auf diese greifen die Adblocker zu und erkennen den Status des Inhalts, sodass sie Werbung gegebenenfalls blockieren können.

Allerdings wollen manche Seiten oder Plattformen ihre Werbeanzeigen seltener blockiert wissen und greifen auf bestimmte Kniffe zurück, um die erkennbaren Muster zu durchbrechen. Wie die BBC berichtet, nutzt Facebook das Aufbrechen von Wörtern in einzelne Silben im Code, um Adblock Plug-ins zu verwirren. Mitunter seien die Einheiten eines Wortes wie „Sponsored“ dann auch nur ein oder zwei Buchstaben groß. Eine andere Methode ist, zusätzliche Buchstaben einzufügen, sodass im Code letztlich etwas wie „SpSonSsoSredS“ steht. Der normale Viewer sieht dadurch keinen Unterschied bei den Ads.

Schließlich wird von einem weiteren Vorgehen berichtet, bei dem jedem Post – also auch nicht-werblichen – im Code eine Markierung als „Sponsored“ eingeschrieben, die dann aber bei den nicht-werblichen Posts mit einem weiteren Code-Element versteckt wird. Bei Facebook soll den Nutzern nur relevante Werbung angezeigt werden. Andere Anzeigen können die User selbst ausblenden; jedoch nicht die Werbung im Allgemeinen. Der Hilfebereich bei Facebook erklärt:

Wenn du eine bestimmte Werbeanzeige nicht sehen möchtest, kannst du oben rechts in der Werbeanzeige auf das ,x‘ klicken und ,Ich möchte das nicht sehen‘ wählen. Du kannst Facebook-Werbeanzeigen nicht vollständig blockieren. Werbeanzeigen tragen dazu bei, dass wir Facebook kostenlos anbieten können. Wir bemühen uns jedoch, für dich nur relevante und interessante Werbeanzeigen bereitzustellen.

Der Kampf um den Code geht weiter

Bei GitHub diskutieren Entwickler, wie sie Facebooks Mechanismen zur Adblocker-Abwehr entgegentreten können. Man arbeitet zum Beispiel daran sogenannte Ad Container zu umgehen, die etwa unter „feed_subtitle“ oder „feed-subtitle“ laufen. Damit wurden zwar Facebooks Tricks zunächst gekontert – aber nur bis das Unternehmen seinen Code wiederum modifizierte. Demnach hatte Facebook den Container in „feed_sub_title_ 128; 1402960186614717; 0; 2216051248638936; 1542673577: -7185000746684546330: 5:0:47233“ umbenannt und das Entzerren der erkennbaren Signalwörter wieder angewandt.

Ein weiteres Problem, auf das die Entwickler eingehen, ist die differente sprachliche Ausrichtung der Adblocker. Wobei Englisch grundsätzlich als Ausgangssprache im Advertising und beim Coding gelten kann. Problematisch wirkt sich bei der stetigen Veränderung des Codes auch aus, dass beispielsweise Screen Reader, mit denen Sehbeeinträchtigte Inhalte wahrnehmen können, in ihrer Leistung dadurch zum Teil eingeschränkt werden.

Als gegeben gilt jedoch, dass Facebook – und mit Sicherheit auch andere Plattformen – weiterhin Wege finden werden, um im Code an einigen Stellschrauben zu drehen, sodass Adblocker Werbeanzeigen nicht ohne Weiteres identifizieren können. Deshalb wird der Wettstreit auf dieser Ebene weitergehen. Ethisch wäre es nur recht und billig, wenn Plattformen auch im Code Werbung nicht verschleiern würden. Wenn die Landesmedienanstalten für Deutschland nun angeben:

Werbung muss als solche leicht erkennbar und von redaktionellen Inhalten getrennt sein (Trennungsgrundsatz),
dann darf man sich die Frage stellen, ob diese Erkennbarkeit sich auch auf eine Textansicht im Code-Bereich bezieht? Das zu bejahen würde zumindest die Legitimität der erläuterten Methoden hierzulande in Zweifel ziehen. Bis es darüber aber Einigkeit gibt, werden die raffinierten Tricks des Sozialen Netzwerks den Adblockern wohl weiter das Leben und das Blockieren schwer machen. Advertiser dürften sich darüber jedoch kaum beklagen, wird so doch potentiell die Performance indirekt optimiert.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

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