Technologie

Do not track im IE: Aufschrei in der Werbewelt

Die Version 10 des Internet Explorers von Microsoft hat die „Do not Track“-Option als Standardeinstellung. Das gefällt nicht jedem.

Der Internet Explorer

Die Browserlösung von Microsoft hat es nicht leicht. Der Internet Explorer kann schon seit Längerem jeden Freund gebrauchen, die Konkurrenz von Chrome, Firefox und Co. setzt dem einstigen Alleinherrscher mächtig zu. Die neue Version 10 des Explorers kommt nun mit einer voreingestellten Do-not-Track Option daher.

Es soll ein Signal an die User sein. Angesichts umfassender Möglichkeiten der Userdatenaufzeichnungen im Internet, tagtäglicher Datenschutzdebatten und einer großen Unsicherheit der Menschen, „soll der User wieder an erster Stelle stehen“, wie Microsoft seine Motive in einem Statement erklärt. Der Schritt hat bereits deutliche Unmutsbekundungen aus digitalen Werbekreisen ausgelöst. So haben nebst anderen das Interactive Advertising Bureau und Evidon heftige Kritik an Microsoft geübt. Der Konzern verletzte damit nicht zuletzt eine Vereinbarung der Mitglieder der Digital Advertising Alliance, nach welcher die DNT-Funktion ausschließlich auf optionaler Basis angeboten werden darf.

Nachdem der Internet Explorer seine Stellung als Browserprimus seit April abgetreten hat (28,9% Marktanteil, Chrome: 29,3%), ist die Entscheidungen vermutlich auch ein Signal an die anderen Browseranbieter und im Zusammenhang mit der Frage eines Alleinstellungsmerkmales verbunden. Der IE 9 geriet zum beispiellosen Flop: im April 2012, gut ein Jahr nach dem Release, lag sein weltweiter Benutzeranteil bei nur 6,4 % und noch hinter seinem Vorgänger, der Version 8. Und selbst bei einem überwältigenden Erfolg der neuen Version innerhalb der Explorer-Gemeinde wäre der Einfluss auf den digitalen Werbemarkt ingesamt (zunächst) überschaubar.

Beliebter Tracking-Schutz

Ein Blick auf die DNT-Option beim Konkurrenten Mozilla Firefox zeigt indes die starke Nachfrage der Surfer im Internet nach dieser Anwendung.

AdExchanger zitiert dazu einen Report von Mozilla:

„Current adoption rates of Do Not Track are 8.6% for desktop users of Firefox and 19% for Firefox Mobile users and we see the highest percentage of users turning on Do Not Track in The Netherlands, France and the United States.“

Allerdings sind die Firefox-Zahlen mit Vorsicht zu genießen. So, wie Mozilla eine Non Profit-Organisation ist, die das Web besser machen will und „Prinzipien über Profit“ stellt, scheinen seine User Werbung entschieden stärker abzulehnen als Nutzer alternativer Anbieter. AdBlock Plus, das kleine rote Achteck in der Ecke der Firefoxnutzer, ist das beliebteste Plug In des Browsers und verzeichnete für den vergangenen März durchschnittlich 13,3 Millionen Anwender pro Tag. Zum Vergleich: Google Chrome verzeichnete im selben Zeitraum (bei mehr Benutzern) Werte von rund 5 Millionen.

Während Evidon in einem offiziellen Statement von einem schmerzhaften Rückschritt nach jahrelangen Beratungen und Verhandlungen zwischen Wirtschaft und Politik spricht und eine Isolation des Microsoft-Konzerns sieht, verteidigte sich Microsoft per Blog Post umgehend:

„We’ve made today’s decision because we believe in putting people first. We believe that consumers should have more control over how information about their online behavior is tracked, shared and used… Of course, we hope that many consumers will see this value and make a conscious choice to share information in order to receive more personalized ad content. For us, that is the key distinction. Consumers should be empowered to make an informed choice and, for these reasons, we believe that for IE10 in Windows 8, a privacy-by-default state for online behavioral advertising is the right approach.“

 

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