Interviews

d3con Experteninterview: Arndt Groth, PubliGroupe

Heute, Arndt Groth CEO der PubliGroupe, in unserer Interviewreihe zur d3con über die Verschiebung der Medienwelt.

Arndt Groth, PubliGroupe

Der Countdown zur d3con Konferenz am 20.02. in Hamburg läuft. In den nächsten Wochen werden wir einige der Speaker, Panel-Teilnehmer und Moderatoren hier auf OnlineMarketing.de zu Wort kommen lassen und euch schon einmal einen Vorgeschmack geben, was euch auf der d3con so erwarten wird.

Heute freuen wir uns, Arndt Groth zum Interview begrüßen zu dürfen, CEO der PubliGroupe und Panel-Teilnehmer auf der d3con.

Herr Groth, seit wenigen Monaten arbeiten Sie für ein Schweizer Verlagshaus. Was ist Ihr bisheriger Eindruck?

PubliGroupe ist traditionell sehr stark in der Print-Vermarktung tätig und das Medium Print hat in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung verloren. Das gilt für Deutschland genauso wie für die Schweiz und andere Märkte.
Die Werbeindustrie steuert mit voller Kraft in Richtung Digital. Die Werbebudgets verschieben sich sogar überproportional entsprechend der veränderten Mediennutzung zugunsten digitaler Verbreitungskanäle. Und es ist davon auszugehen, dass mit rasant steigenden Penetrationsraten direkter Substitute die negative Entwicklung des Print-Geschäfts weitergehen wird. Umgekehrt können wir aber festhalten, dass – betrachtet man nämlich Print, Online und Mobile als gleichwertige Distributionswege für publizistische Inhalte – zumindest für die wichtigen Verlagsangebote von einem Leserschwund keine Rede sein; das Publikumsinteresse für sogenannte «trusted source»-Inhalte, verifizierte und verifizierbare Inhalte, entwickelt sich positiv. Schenkt man dieser Botschaft Gehör, so reduziert sich das ökonomische Problem der Verlage auf die Frage, wie sich der anhaltende Publikumserfolg erfolgreicher kapitalisieren lässt. Oder anders formuliert: Wie können Digital-Angebote besser monetarisiert werden?
PubliGroupe, ein sehr traditionsreicher Vermarkter, ist sehr gut positioniert, auf diese Veränderungen reagieren zu können. Dank Beteiligungen an Improve Digital, Zanox, Spree7 und weiteren Firmen in der Schweiz und im Ausland sowie einem sehr dichten weltweiten Netzwerk verfügt die Gruppe über herausragende Assets in traditionellen und digitalen Geschäftsfeldern.

Wie ist es einen klassischen Konzern in die digitale und mobile Medienwelt einzuführen? Welche Herausforderungen kamen bzw. kommen da auf Sie zu?

Es sind nicht die technologischen Innovationen, die die grösste Veränderungen in unserer Branche verantworten, sie sind lediglich Mittel zum Zweck; der grösste Paradigmenwechsel liegt darin, dass die Konsumenten heute wählen können, wie, wann und wo sie Informationen konsumieren und diese wieder mit anderen teilen. Konsumenten wählen ihre Medien, ihren Kanal, den Zeitpunkt ihrer Konsumtion, ja, sie nehmen immer häufiger direkt Einfluss auf den Inhalt der Medien.
Der Weg vom Werbeauftraggeber, der Werbung schalten möchte, zum Medienanbieter (traditionelle Zeitungsverleger, aber auch Facebook, Online- und Mobile-Portale sämtlicher Prägungen) wird immer häufiger von technologiegetriebenen Akteuren beeinflusst.
Es ist unsere Herausforderung, ein noch mehr technologiegetriebener Akteur zu werden, der mit einem umfassenden Dienstleistungsangebot die intelligente Verbindung und Verknüpfung der verschiedenen Mediengattungen ermöglicht. So entstehen multimediale Lösungsansätze mit neuem Potenzial, so wird aus einem dezidierten Medienanbieter ein umfassender Matchmaker.

Auf der d3con nehmen Sie am Business-Panel: „Der Display-Targeting-Markt aus der Business-Perspektive“ teil, welchen Standpunkt werden Sie hier vertreten?

Real-time Advertising respektive das so genannte Programmatic Buying gewinnt rasant an Bedeutung. Das Thema Programmatic Buying oder automatisiertes Handeln, bildet dabei die Basis und Real Time Advertising ist dann die Kür. Das erste ist das Verbinden von Angebot und Nachfrage über eine Plattform, was für alle Mediengattungen geht. Derweil ist RTA, also die Abwicklung in Echtzeit, so nur bei Online möglich.
Auch das Trading von Spotvolumen TV oder Kino bzw. Flächen im Plakat-Segment sind nichts anderes als ein Bestandteil von Programmatic Buying. Der große Unterschied und die nächste Entwicklungsstufe bei den Digitalen Medien ist jetzt die automatisierte Ergänzung mit Zielgruppendaten.
Es geht nicht nur darum, dass Digital immer wichtiger wird, sondern dass auch digitale Geschäftsmodelle ihren Einfluss finden bei der Abwicklung traditioneller Medien. Zum jetzigen Zeitpunkt bsp. sind die Abläufe bei Inserateaufträgen noch nicht perfekt digitalisiert. Aber vom Planungsansatz her ist es ähnlich und deshalb gehen wir davon aus, dass Lösungsansätze, die sich im digitalen Bereich behauptet haben, auch bei anderen Mediengattungen an Wichtigkeit gewinnen, so auch bei Zeitungen, bei Print allgemein.
Der Anteil des automatisierten Handels wird dabei nie bei hundert Prozent liegen. Meine Schätzung ist, dass wir im Online-Bereich relativ schnell bei 60 Prozent liegen werden. Daneben wird es weiterhin einen Premiumbereich mit deutlich höheren TKPs geben und dafür benötigen die Medienunternehmen auch auf Dauer weiterhin einen persönlichen Premium-Verkauf.
Das sind die Themen, die ich vertiefen werde.

Vielen Dank für das kurze Interview.


Wer Lust auf das Thema bekommen hat und noch nicht angemeldet ist, kann das hier nachholen:

Die Konferenz zum Thema, am 20.02.2012 in Hamburg:

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