Marketingstrategie

Dieser Entwickler hat den beliebtesten Alexa Skill Deutschlands programmiert

Die Empfangsdame führt das deutsche Amazon Echo Ranking an. Der Programmierer Ralf Eggert, Travello, über sein Werk und künftige Marktchancen.

© Amazon

Die Empfangsdame ist derzeit der beliebteste Skill für Amazon Echo in Deutschland. Wir haben mit dem verantwortlichen Entwickler Ralf Eggert darüber gesprochen, wie er auf die Idee gekommen ist und was wir in Zukunft von ihm erwarten können.

Gäste werden dank Travellos Empfangsdame von Alexa begrüßt

Digitale Sprachassistenten sind ein spannender, neuer Markt für Entwickler, in dem noch sehr viel ausprobiert werden kann. Seit Februar ist Amazon Echo hierzulande erhältlich und bietet anhand der Alexa Skills die Möglichkeit, seiner Assistentin weitere sprachliche Fähigkeiten zu lehren. Die Erweiterungen sind bislang kostenlos zu haben und werden gerne von den Echo-Besitzern genutzt. Erst vor kurzem machte Amazon in einer Top 10 transparent, welche Skills besonders gefragt sind.

Quelle: Amazon

Die Empfangsdame führt das Ranking in Deutschland an. Ralf Eggert, Geschäftsführer der Travello GmbH, hat den Skill programmiert, mit dem Echo-Fans ihre Gäste begrüßen können. Im Interview verrät er, wie es dazu kam und gibt Insights in den Ablauf der Skill-Erstellung.

Interview mit Ralf Eggert, Geschäftsführer der Travello GmbH

OnlineMarketing.de: Ralf, wie bist du auf die Idee bekommen, den Alexa Skill Empfangsdame zu bauen?

Ralf Eggert, Travello

Ralf Eggert: Im Prinzip haben drei unterschiedliche Aspekte den Ausschlag gegeben, meinen ersten Skill zu entwickeln.

Als ich im Januar 2017 meinen ersten Amazon Echo bekam und mit meiner Familie testete, kamen zufällig gerade Nachbarn zu Besuch. Wir wollten denen unsere neueste Errungenschaft zeigen und ich hätte gerne eine Möglichkeit gehabt, die Gäste begrüßen zu können. Das war die eigentliche Geburtsstunde der Idee.

Doch es steckt noch etwas mehr dahinter. Ich programmiere seit mittlerweile 29 Jahren. Die letzten Jahre war ich vorwiegend in der Webentwicklung tätig. Die Idee, den Echo mit eigenen Skills zu erweitern, faszinierte mich sofort. Also war neben der Idee auch der Wunsch nach der Machbarkeit geboren.

Neben dem Wunsch nach einer Empfangsdame und der Faszination für die Technik kam aber noch ein dritter Aspekt dazu. Ich bin überzeugt, dass sprachgesteuerte Assistenten wie Amazon Alexa oder Google Home in Zukunft einen hohen Stellenwert einnehmen werden. Da ich als Unternehmer immer auf der Suche nach neuen Märkten bin, war somit auch der finanzielle Anreiz geschaffen, um die Idee der Empfangsdame auch in die Tat umzusetzen.

Die Empfangsdame war somit zum Lernen gedacht, um später zukünftige Kunden bei der Entwicklung eigener Skills beratend und tatkräftig zur Seite stehen zu können.

Hast du dir den ganzen Content – die lustigen Sprüche – selbst ausgedacht?

Zugegeben, die meisten Sprüche sind jetzt nicht gerade die Krone des schöpferischen Humors. Einige sind flach, mit anderen bin ich aber ganz zufrieden. Und ja, die Zusammenstellung ist von mir. Ich habe mich bewusst dagegen entschieden, irgendeine API mit dummen Sprüchen anzuzapfen (sollte es so etwas überhaupt geben). Der Skill sollte bewusst unabhängig von externen Quellen sein. Am Ende sind es derzeit 100 verschiedene Sprüche geworden, das Ganze ist aber auch noch ausbaufähig.

Erzähl bitte kurz, warum du so etwas überhaupt kannst – wo kommst du her, was machst du sonst?

Wie schon eingangs kurz erwähnt, programmiere ich seit mittlerweile 29 Jahren. Angefangen auf dem C64 bin ich erste Schritte mit BASIC und Assembler gegangen. Im Studium lernte ich andere Sprachen kennen und kam sogar in den Genuss ABAP/4 im SAP Umfeld programmieren zu dürfen. Seit 1997 bin ich bereits in der Webentwicklung tätig und meine aktuelle Firma, die Travello GmbH habe ich zusammen mit Doreen Brüggemann im Jahr 2005 gegründet.

Wir haben uns auf die Entwicklung von Webprojekten auf Basis von PHP und dem Zend Framework spezialisiert. Unsere Kunden kommen weitestgehend aus dem touristischen Umfeld. Seit einigen Jahren habe ich mich im deutschsprachigen Raum als Experte für das Zend Framework etabliert, zu dem Thema mehrere Bücher geschrieben und mehr als vier Dutzend Teams in Deutschland und der Schweiz als Trainer, Berater und Coach im Zend Framework fit gemacht.

Privat bin ich Vater von zwei Töchtern und eigentlich ganz nett.

Wie aufwändig ist es, so einen Skill zu bauen? Kannst du sagen, wie viele Stunden oder Tage drinstecken?

Ich hätte den Skill sicher auch in zwei Tagen hinpfuschen können. Aber da ich die Skillprogrammierung eher langfristig als neues Marktsegment betrachte, habe ich mir schon etwas mehr Mühe gegeben. Angefangen von einer sauberen Anwendungsstruktur über eine solide Qualitätssicherung mit Unit- und Integrationstests bis hin zur Beschreibung und dem kleinen Logo habe ich versucht, das Ganze professioneller anzugehen. Viele aktuelle Skills auch namhafter Unternehmen wirken derzeit wenig durchdacht und schnell hingerotzt.

Insgesamt sind es jetzt fast zehn Tage reine Arbeitszeit geworden. In Zukunft werde ich aber auf der soliden technischen Basis die Ideen für neue Skills schneller umsetzen können.

Wie genau funktioniert der Prozess, also wie bekommt man den Skill dann bei Alexa online, sodass ihn die Nutzer installieren können?

Zuerst habe ich mich im Amazon Developer Portal registriert und einen Account angelegt. Dann konnte ich schon meinen Skill anlegen. Im Developer Portal definiere ich dafür die sogenannten Intents. Mein Skill hat z.B. einen “Greet Intent” zum Begrüßen der Gäste. Es gibt auch vordefinierte Intents zum Abbrechen oder für eine Hilfsfunktion. Die Intents wiederum werden durch die sogenannten Utterances angestoßen. Das sind quasi die Sprachbefehle, auf die der Skill reagieren soll. Hier liegt der Teufel im Detail, da man sich sehr viele Gedanken darüber machen muss, wie der Skill zu bedienen ist. Jeder Mensch spricht anders und wählt somit auch andere Worte.

Neben der Konfiguration des Skills im Developer Portal brauche ich ein Backend, den sogenannten Service Endpoint. Dahin sendet der Echo dann die Anfragen, wenn ein Nutzer den Skill benutzt. Hier hat man die Wahl zwischen Amazons AWS Lambda oder einem eigenen Server. Da AWS Lambda derzeit “nur” Node.js, Java, Python oder C# unterstützt und ich aus der PHP Welt komme, habe ich einen eigenen Server eingerichtet, der per HTTPS geschützt ist. Dieser verarbeitet alle Anfragen von Alexa und antwortet dann. Die Daten werden im JSON Format übermittelt.

Während der Entwicklung kann ich meinen Skill im Developer Portal testen. Ich kann ihn aber auch direkt in meinem Echo und Echo Dot installieren und testen. Bin ich zufrieden, stelle ich einen Antrag zur Zertifizierung. Dann prüft das Amazon Echo Team den Skill und in der Regel bekommt man dann eine Liste mit Dingen, die nicht funktionieren oder nicht den Richtlinien entsprechen. Habe ich die Prüfung durch eine Nachbesserung überstanden, geht der Skill in wenigen Stunden online und kann auch von allen Nutzern installiert werden.

Screenshot von der Alexa Skill Seite, Quelle: Amazon.de

Wie hast du so eine enorme Verbreitung erreichen können? Hast du Werbung geschaltet?

Ich habe eigentlich nur zwei, drei Bekannten Bescheid gesagt, von denen ich weiß, dass sie einen Echo oder Echo Dot haben, und sie gebeten, den Skill auszuprobieren. Nach knapp einer Woche tauchte der Skill in den Top 10 der am meisten aktivierten Skills auf und ist seitdem dort geblieben. Im April wurde der Skill im Amazon Echo Newsletter genannt und nahm dann über eine Woche den Platz 1 der am meisten aktivierten Skills ein. Und vorletzte Woche wurde der Skill zudem im Amazon Echo Newsletter als am häufigsten eingesetzter Skill beworben.

Werbung habe ich somit eigentlich keine gemacht. Man kann durchaus behaupten, dass der Skill einfach viral ging.

Siehst du Monetarisierungsmöglichkeiten dafür?

Aktuell gibt es keine direkten Monetarisierungsmöglichkeiten für den Entwickler. In Zukunft könnte ich mir aber vorstellen, dass Skills auch gegen Bezahlung installiert werden können. Amazon hat dafür ja die entsprechende Infrastruktur zur Abrechnung. Doch das wird wohl erst in einiger Zeit kommen.

Ich sehe aktuell eher die Monetarisierungsmöglichkeit darin, dass meine Agentur ihre Kunden darin unterstützt und berät, eigene Skills zu entwickeln und zu betreiben. Einer meiner Stammkunden ist schon interessiert. Wer also einen Skill braucht, kann sich gerne an mich wenden… ;-)

Hast du vor, noch weitere Alexa Skills zu bauen? Gibt es schon Ideen?

Natürlich. Ich habe zwei, drei Ideen im Kopf und einen anderen Skill auch zum Teil schon angefangen. Andere Ideen sind aber bereits in der Tonne gelandet, da sie derzeit nicht umsetzbar sind oder die potentielle Zielgruppe wahrscheinlich zu klein ist.

Zudem stecke ich mit einigen Kunden in der Planungsphase für deren Skills. Darüber kann ich aber derzeit noch nichts Konkretes sagen.

Vielen Dank für das Interview!

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