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Apple reagiert: Eigene Apps werden im App Store Ranking nicht bevorzugt

Das Wall Street Journal hatte kritisiert, dass Apples Apps im App Store oft besser ranken als besser bewertete Konkurrenz-Angebote. Das sei aber nicht der Fall, so das Unternehmen.

App Store bei Apple, © Apple

Werden Apples eigene Apps im App Store bevorzugt? Zu dieser Erkenntnis kommt eine Untersuchung des Wall Street Journals, nach der Apple Apps in 60 Prozent aller Kategorien am besten ranken – obwohl es populärere Apps für manche der betroffenen Rubriken gibt. Jetzt wehrt sich das Unternehmen gegen die Vorwürfe.

Werden Apples Apps bevorzugt oder nicht?

In einem ausführlichen Bericht gibt das Wall Street Journal an, dass Apples App Store auch bei Kategorien wie Musik oder Audiobooks die eigenen Apps an erster Stelle anführt. Beim Ranking sind Apple Apps insgesamt in 60 Prozent aller Kategorien auf Platz eins zu finden, so das WSJ weiter. Das sei für einige Entwickler unfair und biete Apple einen Wettbewerbsvorteil. Vor allem, da es in manchen Kategorien populärere Apps als jene top gelisteten von Apple gebe. Das Unternehmen selbst beteuert aber, dass der Algorithmus des App Stores keine Bevorzugung der eigenen Produkte vorsehe.

The Verge gibt ein Beispiel für das angeprangerte Rating-System. So findet sich in der Kategorie Bücher – zumindest in den USA – Apples Apple Books auf Platz eins wieder. Allerdings kann diese App kein Fünf-Sterne-Rating aufweisen und ist in Sachen Popularität bei Buch-Apps nur auf Platz 168 gelistet. Dagegen findet sich Amazons Kindle App, mit einem Rating von 4,8 Sternen und über 1,2 Millionen Bewertungen nur auf Platz zwei. Apple selbst hatte 2015 sogar in Erwägung gezogen, alle Apps mit weniger als zwei Sternen bei der Bewertung aus dem App Store zu entfernen. Man sah jedoch davon ab, wie das WSJ weiter berichtet, da die eigene Podcasts App zu der Zeit dann auch darunter gefallen wäre.

Inzwischen haben viele Apple Apps keine Ratings mehr, die angezeigt werden.

Apple negiert eine Bevorzugung

Laut The Verge erklärt Apple eindeutig, dass es keine Bevorzugung der eigenen Apps gibt. Der Algorithmus baue auf Daten zum Nutzerverhalten, Name Matches und viele weitere Faktoren. Es sind sogar 42 Rankingfaktoren im Spiel, die die Platzierung einer App determinieren. Der Algorithmus darf jedoch nicht offengelegt werden, um Manipulationen Dritter auszuschließen. In einem Statement gegenüber The Verge gibt Apple an:

Apple customers have a very strong connection to our products and many of them use search as a way to find and open their apps. This customer usage is the reason Apple has strong rankings in search, and it’s the same reason Uber, Microsoft and so many others often have high rankings as well.

Demnach werden die Apple Apps auch deshalb so prominent angezeigt, weil die Nutzer in einem Kontext suchen, in dem Apple-Produkte ohnehin häufig genutzt oder heruntergeladen werden. Ob mit diesen Aussagen aber der Vorwurf der Bevorzugung wirklich entkräftet werden kann, ist fraglich. Eine weitere Erklärung gab das Unternehmen nicht ab.

Probleme mit dem App Store

Apple hatte zuletzt mit zahlreichen Problemen zu kämpfen, die sich auf den App Store beziehen. So klagen beispielsweise zwei Entwickler gegen das Unternehmen. Sie werfen Apple vor, bei der Distribution, dem Verkauf und dem Auffinden von Apps eine Monopolstellung innezuhaben, die so nicht akzeptabel sei. Beklagt wird auch die Provision von 30 Prozent, die Apple bei In-App-Käufen erhält. Gegen diesen Aspekt hatte auch Spotify im März offiziell Beschwerde bei der EU eingelegt. Gründer und CEO Daniel Ek erklärte dazu:

To illustrate what I mean, let me share a few examples. Apple requires that Spotify and other digital services pay a 30% tax on purchases made through Apple’s payment system, including upgrading from our Free to our Premium service. If we pay this tax, it would force us to artificially inflate the price of our Premium membership well above the price of Apple Music. And to keep our price competitive for our customers, that isn’t something we can do.

Die Entscheidungen bei diversen Vorwürfen oder Verfahren stehen noch aus. Apple hat tatsächlich eine große Kontrolle über die im Apple App Store gelisteten Apps. Wie sehr das gegen bestimmte Richtlinien verstößt oder gar der Digitalwirtschaft schadet, werden Experten ermessen. Allerdings lohnt es sich dabei auch, einmal einen Blick auch Googles Play Store zu werfen. Vor gut einem Jahr hatte die EU eine Strafe in Höhe von 4,3 Milliarden Euro gegen Google verhängt, da die Marktmacht von Android unlauter genutzt wurde. Dabei war auch Teil der Debatte, dass der Google Play Store auf Geräten zahlreicher Hersteller konkurrenzlos vorinstalliert war.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

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