Social Media Marketing

Alles Fake: Vanity Metrics zerstören die Messbarkeit im Netz

Erfolg lässt sich kaufen. Solve hat ein YouTube-Experiment durchgeführt, um zu zeigen, wie groß die Auswirkungen von Fake-Views, -Klicks und -Likes sind.

Fotolia.com Datei: #80029595 Urheber: Romolo Tavani

In der heutigen Welt sind Klicks, Views und Likes nur noch sehr schwer zu bewerten. Zu viele Möglichkeiten gibt es, sich seinen Erfolg zu kaufen. Hubspot spricht in diesem Zusammenhang von „Vanity metrics“, also quasi von nutzlosen Messwerten.

Sicher sind bei manchen viralen YouTube-Videos, die mehrere Millionen Klicks haben, nicht alle Views gekauft. In diesen Fällen kann man an der Anzahl der Klicks durchaus auf eine gute Qualität beziehungsweise Inhalt schließen. Dasselbe würde man auch schon bei 100.000 Views denken. Dass dies aber nicht auf alle Videos anwendbar ist, hat Hubspot nachgewiesen.

Mit einem eintönigen, schlicht weißen, vierminütigen Video hat die Werbeagentur Solve 100.000 Views eingefahren. Wir zeigen euch, wie sie das angestellt haben.

Ein View kostet nur 1,4 Cent

Schlechter hätte das Video auf YouTube nicht sein können. Es hat keinen Ton, keine Bewegung, Schnittwechsel oder Animationen. An Langeweile ist es nicht zu übertreffen. Dennoch erreichten die Marketer von Solve 100.000 Views – und dies ganz einfach, weil sie Geld investierten. 1.400 US-Dollar genügten, um die Viewzahl zu erreichen. Das bedeutet, ein View ist genau 1,4 Cent wert.

Mittlerweile hat es sogar schon 151.000 Views:

Das bedeutet, dass selbst eine Millionen Klicks nicht teurer als 14.000 Dollar gewesen wären. Erschreckend und ein Beleg dafür, dass Views heutzutage nicht mehr als der große Indikator für Erfolg gelten sollten.

Nicht nur Views sind gekauft – es gibt weitere nutzlose Messwerte

Dabei sind Views nicht die einzigen Faktoren, die man heutzutage für wenig Geld erwerben kann. Das Video von Solve hatte zudem eine erstaunlich hohe Betrachtungsdauer sowie CTR:

  • Durchschnittlich wurden 61 Prozent des Videos angeschaut, einer von fünf hat sich das Spektakel komplett angeschaut.
  • Selbst ohne Call-to-action-Button spielte das Video 1.957 Klicks ein und damit eine überdurchschnittliche CTR von 0,86 Prozent.
  • Insgesamt wurden dem Video 265.000 Minuten Aufmerksamkeit gewidmet.

Diese Untersuchung zeigt, dass YouTube-Statistiken nicht annähernd die Qualität des Inhalts wiedergeben. Jedes Unternehmen oder auch Individuum kann sich mit nur geringem Einsatz Reichweite im Netz kaufen. Dennoch distanziert sich Solve davon, YouTube und das Werbesystem dahinter zu beschuldigen. Es ist nun mal die weltweit größe Videoplattform und deshalb ist es nur dringend zu empfehlen, darauf aktiv zu sein. Allerdings haben sich im Laufe der Jahre diese sogenannten Vanity metrics immer weiter verbreitet und dafür gesorgt, dass es in vielen Teilen der Online-Branche nur noch darum geht, so viele Kennzahlen wie möglich zu erzielen. Sei es, Facebook-Likes, Website Traffic, Retweets auf Twitter oder eben Views auf YouTube zu kaufen.

Vieles im Netz ist erkaufbar und das macht es schwer, von nützlichen Statistiken zu sprechen. Wie kann man noch seine Arbeit mit anderen vergleichen, wenn man nicht weiß, wie viel Geld die anderen investiert haben? Gar nicht. Das bedeutet, ihr solltet extrem vorsichtig bei eurer Marktanalyse sein und auch mit euren eigenen Daten. Genaue Analysen sind zu empfehlen. Sie sind sicher zeitaufwändiger, aber sinnvoll, um beim Setzen von Unternehmenszielen ein gutes Gefühl zu haben.

Quelle: HubSpot Blog

Über Heiko Sellin

Heiko Sellin

Heiko Sellin hat an der Hochschule Mittweida seinen Bachelor in Sportjournalistik und -management absolviert. Bevor er zu OnlineMarketing.de gestoßen ist, war er für das Hamburger Abendblatt als freier Mitarbeiter tätig und hospitierte beim NDR-Fernsehen und Sport1.

2 Gedanken zu „Alles Fake: Vanity Metrics zerstören die Messbarkeit im Netz

  1. Markus S.

    Mein Standard-Spruch dazu: Geh‘ mal zum Bäcker, kauf dir drei Brötchen und versuch‘ die mit 20 Likes oder 50 Views zu bezahlen. Das wird vermutlich nichts werden.

    Antworten
  2. Ralf Wenda

    Hallo Heiko,

    danke für diesen Artikel. Er eignet sich hervorragend für meinen Onlinemarketingkurs, gerade in Bezug zur Erfolgsmessung :)
    Auch lassen sich mittlerweile über z.B. Fiverr.com etwaige Videobewertungen produzieren. So beauftragt man einfach jemanden, der kurz und knapp erzählt, wie absolut klasse das jeweilige Produkt ist. Und das für 5 Dollar!
    Na ja, Menschen sind aber auch nicht blöd. Denn Spiegelneuronen und Authentizität einer Marke spielen eine sehr große Rolle. Doch welche Leistungskennzahlen mag man dafür ansetzen?! :)

    Beste Grüße
    Ralf Robert #erfolgswolf Wenda ;)

    Antworten

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