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Der AdBlocker von Google ist startklar – wird aber erst mit einer Paid-Content-Initiative eingeführt

Erste Details über die Einführung eines Adblockers von Google in Chrome sind öffentlich – Ralf Scharnhorst fasst zusammen, wie wir uns vorbereiten können.

© Flickr / Niharb, CC BY-NC-ND 2.0

Über AdBlocker haben wir bei OnlineMarketing.de häufig berichtet – und auch darüber, dass Google eine Revolution des Marktes plant. Nun gibt es neue Details, wie sie aussehen wird.

Die drei Maßnahmen in Kürze

1. ab Anfang 2018 könnte der Chrome-Browser standardmäßig Werbung ausblenden, die nicht dem Standard von BetterAds.org entspricht.

2. Vorstellbar ist auch, dass Google Website-Betreibern, die vereinzelt „böse“ Ads ausspielen, die gesamte Werbung abschaltet – mit einem automatisierten Hinweis an die Betreiber.

Bleibt noch das Problem, dass Website-Betreiber Einnahmen-Verluste erleiden, wenn andere Adblocker-Software die Werbung aus ihren Seiten schneidet. Google ist aber auch Marktführer in der Technologie der Werbeauslieferung (der Doubleclick-AdServer gehört zu Google), und in der Netzwerk-Vermarktung von Werbeflächen. Ausserdem hat es bereits die Kontodaten von vielen Nutzern des Google App-Stores „Play“. Daher:

3. kann Google Publishern ein Micropayment-Tool anbieten, von Usern mit anderen Adblockern Geld für das Lesen von Artikeln zu kassieren. Diese „Funding Choices“ sollen noch in 2017 auch Deutschland getestet werden.

Die 60-Milliarden-Dollar-Frage

Zur Einordnung: Google verdient 60 Milliarden Dollar jährlich mit Online-Werbung. Ein wesentlicher Teil davon sind Werbebanner. AdBlocker-Software verhindert einerseits, dass die Werbung angezeigt wird, von deren Bezahlung eine ganze Branche abhängt. Andererseits kassiert der AdBlocker-Anbieter AdBlockPlus als „Wegelagerer“ Geld dafür, manche Werbung durchzulassen – unter anderem Google bezahlt dafür. Google hat mit seinem Chrome-Browser ca. 50 Prozent Marktanteil in den USA, in Deutschland circa 33 Prozent. Sie genehmigen also selbst den Adblocker-Plugins, teil ihres Browsers zu werden und können auch selbst Adblocking-Auswahlmöglichkeiten in ihren Browser einbauen.

In den letzten Jahren hat sich bei den genannten Unternehmen eine Differenzierung in „akzeptable“ und „unakzeptable“ Werbung entwickelt. Aber soll ein Unternehmen alleine entscheiden, welche Werbung „böse“ ist und ausgeblendet werden soll? Hier hat Google bislang gezögert. Die Unternehmensübergreifende „Coalition for better Ads“ hat im März Standards geschaffen.

Richter spielen mit einem Standard statt Willkür

Damit müsste Google jetzt nicht einen willkürlichen Richter spielen, sondern einen, der auf Grundlage eines Gesetzes, pardon: Standards, handelt.

Links zur Vorbereitung:

Was können wir tun, um uns vorzubereiten? Hier die weiteren Details, die Google in einem Blogpost bekannt gegeben hat. Publisher können bereits jetzt mit diesem Tool prüfen, ob ihre Anzeigen „nutzerfreundlich“ sind. Oder sie folgen diesem Tool bei der Erstellung: Creating better Ads Experiences.

Auch das Micropayment-System „Google Contributor“ funktioniert bereits – hier kann man es testen und sich als Publisher zum Beta-Test anmelden. Noch ist aber nichts entschieden – Verlegerverbände protestieren bereits, weil sie einen Missbrauch der Marktmacht von Google sehen.

Über Ralf Scharnhorst

Ralf Scharnhorst

Scharnhorst Media leistet Marketing-Strategie-Beratung. Die Umsetzung führen die Kunden selbst aus, übergeben sie an ihre bestehenden Agenturen oder lassen sie von Scharnhorst Media planen, einkaufen und optimieren. Schwerpunkt ist die datengetriebene Mediaplanung im Programmatic Advertising. Seit 1996 ist Ralf Scharnhorst Online-Mediaplaner, 2008 hat er Scharnhorst Media gegründet. Er lehrt an der Macromedia Hochschule. Testen Sie mit dem Online-Marketing-Check ihr Optimierungspotential.

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