Social Media Marketing

„Ad-Apokalypse“: Wird YouTube künftig noch mehr Werbung in Videos schalten?

Hoher Konkurrenzdruck und Promotion der kostenpflichtigen Upgrades führen dazu, dass YouTube Videos von immer mehr Ads unterbrochen werden. Viele User sind bereits genervt – zurecht?

© Christian Wiediger - Unsplash

Ein Video auf YouTube schauen und mittendrin von einem Werbespot unterbrochen zu werden, nervt die meisten User. Natürlich ist klar, dass sich die Plattform und Kanäle selbst irgendwie finanzieren müssen. Doch gerade über die letzten Monate hinweg beobachteten immer mehr User einen Anstieg der Ads pro Video. Schreckt YouTube damit User und Advertiser gleichmaßen ab?

Sechs Werbeanzeigen in einem 17-Minuten-Video

SEO-Berater und Podcasthost Dan Shure hat diesen Anstieg ebenfalls bemerkt. Vor kurzem habe er ein 17-minütiges Video geschaut, während er mit seinem Google-Account eingeloggt war. Nach zwei überspringbaren Werbespots am Anfang folgten noch jeweils zwei Ads im ersten und zweiten Drittel des Videos. Shure wollte das Ganze noch einmal in einem selbst aufgenommenen Video beweisen, jedoch triggerte die Werbung nicht erneut. Nichtsdestotrotz bestätigten viele andere User seine Beobachtung.

Auch auf Reddit und Quora wird über den Anstieg der Ads pro Video diskutiert. Besonders Werbung mitten im Video, Midrolls, steht dabei in der Kritik. So schreibt User HvyMetalComrade, dass er nichts gegen Spots am Anfang hätte, er jedoch genervt davon ist, dass Clips immer wieder unterbrochen werden und nach der Werbung erneut laden müssten. Andere Personen haben auf Grund des Anstiegs YouTube sogar komplett aufgegeben. Auf Quora bezeichnet Tyler Young das Ganze als „Ad-Apokalypse“.

Doch wieso werden plötzlich mehr Ads geschaltet?

Wie schon vor ein paar Wochen berichtet wurde, scheint YouTube seine User drängen zu wollen, kostenpflichtige Versionen wie YouTube RED oder Premium zu nutzen. Diese versprechen neben anderen Zusatzleistungen vor allem die Befreiung von lästigen Ads. Im Umkehrschluss scheint YouTube seine kostenfreien User, die den Dienst auch gerne zum Musikstreaming nutzen, mit Werbung zu überschütten. Sicherlich profitiert die Plattform selbst davon, ebenso wie die Musikindustrie und Werbebetreibende, doch für viele User ist es ein wahrer Graus.

Ein Anstieg der Werbespots pro Video könnte zudem an den YouTubern selbst liegen. Seit YouTube im letzten Jahr neue Richtlinien für werbefreundliche Inhalte festgelegt hat, werden Unmengen an Videos demonitarisiert. Besonders der Punkt „Umstrittene Themen und sensible Ereignisse“ steht im Fokus der Kritik. Dort heißt es wortwörtlich:

Bei Videoinhalten rund um sensible Themen oder Ereignisse – unter anderem Krieg, politische Konflikte, Terrorismus oder Extremismus, Tod und tragische Vorfälle sowie sexueller Missbrauch – wird keine Werbung eingeblendet, auch wenn die Inhalte keine grausamen Bilder umfassen. Videos zu aktuellen Tragödien, auch wenn diese in den Nachrichten oder als Dokumentation präsentiert werden, sind z. B. möglicherweise aufgrund des Themas nicht für Werbung geeignet.

Der Ansatz der Richtlinie ist klar und im Kern sicher auch gut gemeint. Doch damit werden auch YouTuber demonitarisiert, deren Content News, Satire und Ähnliches umfasst. Und weil die Monetarisierung mancher Videos verhindert wird, schalten YouTuber dafür auf anderen mehr Werbung, um so die entgangenen Einkünfte wieder auszugleichen. Ab einer Videolänge von 10 Minuten gibt es die Option, mehr Ads zuzulassen.

Schießt YouTube sich ins eigene Bein?

Im Falle von Dan Shure antwortete ein Sprecher von YouTube auf Nachfrage wie folgt:

Our goal is to ensure ads are useful and relevant to users. The amount of ads that a user sees will vary based on a number of factors including ad preferences and the dynamics of auction and advertiser demand.

Aus dem Statement geht nicht hervor, ob wirklich getestet wird in Zukunft noch mehr Werbung zu schalten. Zweifelsfrei zielt YouTube jedoch darauf ab, mehr Umsatz für sich selbst und die Herausgeber von Content zu generieren. Und natürlich ist der Konkurrenzkampf groß, gerade durch Facebook und Instagrams IGTV. YouTube sucht weiterhin nach neuen Wegen, um von den Rivalen nicht abgehängt zu werden. So gibt es inzwischen die Möglichkeit, ähnlich wie auf Twitch, YouTube Kanäle zu sponsoren. Das ganze nennt sich dann Channel Memberships und ist verfügbar für Kanäle mit mindestens 100.000 Abonenten, die außerdem im YouTube Partnernetzwerk sind.

Finanzierung durch geschaltete Werbung ist definitiv nichts Neues und auch wichtig, um kostenlose Plattformen und Künstler zu unterstützen. Jedoch sollte YouTube gut durchdenken, ob eine Erhöhung der Ads, besonders mitten im Video, ein kluger Schritt ist. Viele User sind bereits genervt und aktivieren Adblocker, in der Hoffnung so Videos in Ruhe genießen zu können. Und wenn YouTube und deren Creators die User weiterhin verärgern, trifft das eben auch alle Advertiser. Gerade deshalb sollten sich alle Verantwortlichen gut überlegen, ob die Erhöhung der Ads überhaupt in Erwägung gezogen werden sollte.

Über Michelle Winner

Michelle Winner

Michelle Winner studiert Anglistik und Germanistik an der Uni Hamburg. Nachdem sie in einer Lokalzeitung und im Eventbereich Erfahrungen gesammelt hat, unterstützt sie nun seit 2017 die Redaktion und schreibt für das OnlineMarketing.de Karrieremagazin über Themen rund um den Büroalltag.

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