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Unternehmenskultur
Streit unter Kollegen – Lösungsansätze für Betroffene und Vorgesetzte
© Uriel Soberanes - Unsplash

Streit unter Kollegen – Lösungsansätze für Betroffene und Vorgesetzte

Michelle Winner | 16.04.20

Leiden Arbeitsklima und Leistung unter den Konflikten, wird es Zeit zu handeln. Dabei sind jedoch nicht nur die Streithähne selbst gefragt, sondern auch die oft überforderten Chefs.

Vermutlich kennen die meisten von uns diese Situation: Da ist diese eine Person im Team, mit der man einfach nicht grün wird. Jedes ihrer Worte klingt wie die reinste Provokation in unseren Ohren und man möchte einfach nichts mit ihr zu tun haben. Im Job, besonders im selben Team, bleibt uns jedoch keine andere Wahl. Wir müssen unsere persönlichen Abneigungen – so natürlich sie auch sind – abstellen und uns professionell verhalten. Einfacher gesagt, als getan. Denn solche gegenseitigen Abneigungen machen sich früher oder später bemerkbar. Jedoch gibt es Lösungswege, die dir zeigen sollen, wie man professionellen Abstand wahrt. Gleichzeitig liefern wir auch noch ein paar nützliche Tipps für verzweifelte Chefs, die genug von der Zankerei ihrer Mitarbeiter haben.

Tipps gegen Konflikte unter Kollegen – Für Betroffene

Beginnen wir zunächst mit der Lösung von Konflikten, die du selbst mit deinen Kollegen führst. Es geht hierbei nicht darum, dass du und die andere Person auf einmal beste Freunde werdet oder die Pausen gemeinsam verbringt. Aber eure gegenseitige Abneigung darf den Arbeitsablauf nicht beeinflussen – oder gar das gesamte Arbeitsklima stören, weil noch weitere Kollegen involviert werden.

1. Konflikte ruhig einmal eingehen

Passiv aggressiv – auf diese Weise verlaufen viele Konflikte am Arbeitsplatz. Denn wer will schon gern als Rowdy dastehen? Das Problem dabei ist, dass auf diese Art Konflikte oft ignoriert und totgeschwiegen werden. Es wird so getan, als gäbe es keinen Streit. Gleichzeitig fallen jedoch stichelnde Sprüche und es werden verurteilende Blicke ausgetauscht. So kann sich ein Konflikt steigern, bis irgendwann das Fass überläuft. Um es gar nicht erst so weit kommen zu lassen, lohnt es sich den Mund aufzumachen. Wenn dein Streitpartner dich also erneut provoziert, frage die Person einfach mal „Was ist eigentlich dein Problem?“. Hier gibt es nun drei mögliche Outcomes:

  • Fall 1: Dein Streitpartner wird überrumpelt – er hat nicht mit einer Gegenreaktion gerechnet. Er bekommt Angst, dass der Konflikt offen ausgetragen wird und schaltet einen Gang zurück oder meidet es zum Selbstschutz sogar ganz, dich zu provozieren.
  • Fall 2: Deine Frage führt zu einem klärenden Gespräch, da sie tatsächlich beantwortet wird. Am besten wird das ganze aber nicht an Ort und Stelle geklärt, sondern an einem ruhigen Ort zu zweit.
  • Fall 3: Dein Streitpartner tut so, als wäre nichts und verneint, dass er ein Problem habe. Anstatt das Thema nun auf sich beruhen zu lassen, bleibe dran und hake nach – um so vielleicht doch noch ein Gespräch zu führen, dass euer Miteinander am Arbeitsplatz verbessert.

2. Missglückte Kommunikation erkennen

Wir kommunizieren nicht nur mit Worten, sondern auch mit unseren Handlungen. Und das Gemeine an der Kommunikation ist, dass sie oft doppeldeutig sein kann. Nicht immer versteht der Adressat das Gesagte so, wie wir es auch wirklich meinen. Anstatt dich also direkt von etwas, was dein Streitpartner tut, provozieren zu lassen, hinterfrage seine Handlung oder Aussage. Hat derjenige es vielleicht auch anders meinen können? Lohnt es sich, deswegen jetzt ein Fass aufzumachen? Und eventuell hast du auch missverständliche Signale gesendet, die zum jetzigen Konflikt geführt haben. Gerade außenvor gelassen zu werden und eine falsche Art von Kritik sind natürliche Konfliktherde am Arbeitsplatz.

Und natürlich kommt es auch vor, dass dir jemand von Natur aus unsympathisch ist, ohne greifbaren Grund. Wir alle kennen diese Situation. In diesem Fall lohnt es sich, nicht alles persönlich zu nehmen. Du und Streitparnter seid einfach von Grund auf verschieden – oder euch vielleicht zu ähnlich – und so können eigentlich neutrale Handlungen schnell missverstanden und falsch interpretiert werden. Es lohnt sich jedoch in jedem Fall, deine eigene Kommunikation zu hinterfragen. Bemerkst du, dass dein Streitpartner genervt oder verstimmt auf etwas reagiert, frage dich wieso. Am Ende kann das Verbessern deiner Kommunikation bereits dafür sorgen, dass einige Konfliktherde gelöscht werden. Die persönliche Abneigung bleibt vermutlich, doch zumindest der Umgang am Arbeitsplatz kann verbessert werden.

3. Das Gespräch suchen

Dieser Tipp klingt offensichtlich, wird aber dennoch zu selten wahrgenommen. Denn mal Hand aufs Herz: Die Meisten von uns haben keine Lust darauf, offen mit jemandem, den man nicht leiden kann, zu sprechen. Zum einen gibt es da die Angst vor Gegenvorwürfen, zum anderen die Befürchtung, dass sich das Gespräch im Kreis dreht und der Konflikt nur noch verschlimmert wird. Doch ein gut geführtes Gespräch kann dazu führen, dass du und dein Streitpartner einen professionellen Umgang am Arbeitsplatz findet – ohne gleich die besten Freunde zu werden. Hier ein paar Tipps für ein gutes Schlichtungsgespräch:

  • Statt Vorwürfe zu machen, lieber auf Ich-Botschaften zurückgreifen. Erkläre, wie du dich in bestimmten Situationen gefühlt hast.
  • Bereite dich mit Stichpunkten auf das Gespräch vor, damit du am Ende nichts vergisst oder wortkarg dasitzt.
  • Höre deinem Gegenüber aktiv zu, zeige Verständnis und gehe auf das Gesagte ein.
  • Versuche auch die Sichtweise deines Gegenübers zu verstehen.
  • Neben dem Schildern eurer Emotionen, solltet ihr auch gemeinsam nach einer Lösung suchen – was muss sich verändern, damit bei der Arbeit Frieden herrscht?

4. Außenstehende mit einbeziehen

Eigentlich sollte der Konflikt deines Streitpartners und dir eine Sache zwischen zwei Personen bleiben. Es bringt nichts, die Kollegen durch Lästerattacken mit einzubeziehen und dafür zu sorgen, dass sich zwei verfeindete Fraktionen bilden. Manchmal jedoch ist es wichtig, jemand Außenstehendes zur Schlichtung des Konflikts heranzuziehen. Besonders dann, wenn die Fronten verhärtet sind und die Situation vor der Eskalation steht. Ein Mediator muss in diesem Fall nicht zwingend ein ausgebildeter Profi sein. Manchmal hilft es schon, einen neutralen Kollegen mit ins Schlichtungsgespräch zu bringen. Im Notfall Fall aber auch jemanden aus der Personalabateilung oder gar den Vorgesetzten.

Die unabhängige Person bringt den Vorteil, dass sie – mehr oder weniger – objektiv über Sachverhalte urteilen kann und euch dabei hilft, auch die Seite des Streitpartners zu verstehen. Im besten Fall bringt die Person auch Lösungswege mit ins Gespräch oder haut einfach mal mit der Hand auf den Tisch und macht euch klar, was für einen Kindergarten ihr hier aufführt. Scheue dich in schlimmen Fällen also nicht davor, Hilfe von außen anzunehmen.

Tipps gegen Konflikte unter Kollegen – Für Arbeitgeber

Doch nicht nur für die Betroffenen selbst ist so ein Konflikt nervenzehrend, sondern auch oft für den Arbeitgeber. Spätestens dann, wenn die Arbeitsleistung und das Arbeitsklima darunter leiden und der Vorgesetzte sich ständig mit den Beschwerden der beiden Streithähne auseinandersetzen muss. Deshalb hier ein paar Tipps, wie du mit den Konflikten deiner Angestellten umgehen kannst:

1. Im richtigen Maß einmischen

Man sollte sich als Außenstehender nicht zwingend in die Konflikte anderer einmischen. Als Vorgesetzter hast du manchmal aber keine andere Wahl. Sobald ein Streit unter Kollegen Einfluss auf die Arbeit hat, liegt es an dir zu handeln. Wegzusehen und dir zu denken „Ist nicht meine Sache, wir sind alle erwachsen“, bringt meist nichts. Also auch wenn es dir unangenehm erscheint, solltest du bereit dazu sein, zu intervenieren. Beobachte die Situation und wenn es Zeit für dein Eingreifen ist, fälle keine leichtfertigen Entscheidungen. Denn genauso schlimm wie wegzusehen, ist es, den Richter zu spielen. Gemeint ist damit, dass du einer der beiden Parteien einfach Recht zusprichst, obwohl du nicht alle Hintergründe kennst. Dadurch sorgst du dafür, dass die andere Person sich ungerecht behandelt fühlt und der Konflikt untereinander sich sogar noch verstärkt – und auf dich ausweitet. Greife also beherzt ein – aber im richtigen Maß.

2. Keine Partei ergreifen

Dieser Punkt ist nicht immer leicht einzuhalten. Sympathie, besonders gute Leistungen eines Mitarbeiters oder einfach die persönlichen Werte können dazu führen, dass du für einen Streithahn Partei ergreifst. Dabei werden jedoch Sorgen und berechtigte Einwürfe des anderen oft vergessen. Bevor du dich also als Mediator für ein Schlichtungsgespräch heranziehen lässt, reflektiere deine Einstellung zu dem Thema. Schaffst du es, deine eigene Meinung zurückzuschrauben und kannst alle Seiten betrachten? Oder bist du eventuell zu parteiisch? Ist Letzteres der Fall, lohnt es sich jemand anderes als Schlichter dazuzuholen – vorzugsweise eine Person, die vom Konflikt der Kollegen noch nichts mitbekommen hat und so unvoreingenommen an die Sache geht.

3. Die Notbremse ziehen

Natürlich musst du dich nicht in jeden kleinen Streit deiner Mitarbeiter einmischen. Du darfst aber nicht den Punkt verpassen, an dem du die Notbremse ziehen solltest. Bemerkst du wiederkehrende Reibungen zwischen Kollegen, beispielsweise in Meetings, sprich es an. Erkläre den Betroffenen zunächst allein, dass dir ein paar Punkte aufgefallen sind, die Probleme andeuten. Dabei solltest du eher eine Feststellung treffen, statt den Konflikt zu erfragen. Denn in den meisten Fällen werden die Mitarbeiter vor dem Vorgesetzten den Streit leugnen. Gibt es bereits Auswirkungen auf Arbeitsklima und -leistung, nimm dies als Aufhänger, um ein klärendes Gespräch zwischen den Streithähnen zu verlangen. Hier eine von vielen möglichen Formulierungen:

Ich habe festgestellt, dass es zwischen Ihnen beiden Reibungspunkte gibt und darunter nicht nur das Miteinander, sondern auch ihre Leistung leidet. Es wäre schön, wenn wir uns zu dritt zu einem Gespräch treffen könnten, um wieder eine professionelle Arbeitsgrundlage zu schaffen.

Für das Gespräch selbst zählt das Obengenannte. Ergreife keine Partei, spiele dich nicht als Richter auf und versuche alle Seiten zu betrachten und zu verstehen. Lasse deine Mitarbeiter vor allem miteinander reden und greife nur dann ein, wenn sich das Gespräch im Kreis dreht oder es unsachlich wird.

4. Die eigenen Fehler reflektieren

In manchen Fällen ist es aber auch so, dass nicht die Kollegen selbst Schuld am Konflikt sind, sondern du. Beziehungsweise dein Führungsstil. Reibungen unter Kollegen entstehen nicht nur durch persönliche Abneigung, sondern auch durch strukturelle Probleme. Das kann damit losgehen, dass zu viele Personen in einem Büro sitzen oder du jemanden ständig bevorzugst – auch, wenn das unterbewusst geschieht. Vielleicht bekommen auch nur bestimmte Personen von dir positives Feedback, während andere nie ein gutes Wort über ihre Leistung zu hören bekommen. Missgunst kann so schnell zu Konflikten führen. Also ist es empfehlenswert, auch deinen Führungsstil zu hinterfragen.

Konflikte totschweigen schürt das Feuer

Auf Dauer kann der Streit unter Kollegen zur großen psychischen Belastung werden. Die Lust auf die Arbeit vergeht und manche leiden unter Angstzuständen, weil sie die Sticheleien und Schikane am Arbeitsplatz nicht mehr ertragen. Deshalb ist es wichtig, noch vor der Eskalation die Notbremse zu ziehen und eine Lösung zu finden. Wie gesagt: Zwei Streitpartner sollen nicht plötzlich die besten Freunde werden. Aber ein professioneller Umgang sollte machbar sein. Deshalb solltest du als Betroffener ruhig den ersten Schritt machen, wenn von der Gegenseite nichts kommt. Beziehungsweise als Vorgesetzter rechtzeitig eingreifen, um das Arbeitsklima zu schützen. Man muss nicht jeden Menschen mögen – aber ein professionelles Miteinander sollte möglich sein.