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Unternehmenskultur
Motivationskiller: Wieso Mitarbeiter keinen Bock mehr auf die Arbeit haben
© Romain V

Motivationskiller: Wieso Mitarbeiter keinen Bock mehr auf die Arbeit haben

Michelle Winner | 26.10.20

Von Mikromanagement bis Unsicherheit in Krisenzeiten: Viele Mitarbeiter verlieren ihre Motivation. Arbeitgeber müssen daher ihre Fehler erkennen und gegenwirken.

Hast du innerlich schon gekündigt? Diese Frage beantworten überraschend viele Mitarbeiter mit „Ja“. Einer der Hauptgründe für die schlechte Beziehung zum aktuellen Job ist Motivationsmangel – es fehlen die Anreize. Und besonders derzeit, wo viele Arbeitnehmer zurück ins coronabedingte Home Office müssen und obendrein noch der Winterblues droht, verlieren immer mehr ihren Antrieb. Verschiedene Untersuchungen lassen Rückschlüsse auf die größten Motivationskiller für Arbeitgeber zu. Die Ergebnisse basieren auf Studien des National Business Research Institute in Texas, die sich auch auf den deutschen Arbeitsmarkt übertragen lassen, sowie auf dem Gallup-Engagement-Index für Deutschland.

1. Mangel an Kommunikation

Eine gute Kommunikationskultur ist essentiell für die Beziehung zwischen Mitarbeitern und Unternehmen. Die meisten Arbeitnehmer wünschen sich ein Arbeitsumfeld, in dem sie offen reden können, Feedback erhalten und ernst genommen werden. Doch leider kommt es zu oft vor, dass der Arbeitgeber wenig transparent ist, auf seine Meinung pocht und seine Mitarbeiter nicht für voll nimmt. Und so sinkt die Motivation ebendieser weiter und weiter – und damit auch die Arbeitsleistung sowie die Bindung zum Unternehmen.

2. Schlechte Bezahlung

Wer als Führungskraft sinkende Motivation und fehlende Zufriedenheit unter den Mitarbeitern bemerkt, sollte auch über diesen Punkt nachdenken: das Gehalt. Tatsächlich zählt für viele Arbeitnehmer nicht nur der Purpose ihrer Arbeit, sondern auch das, was sie dafür bekommen. Schließlich arbeiten die meisten, um einen gewissen Lebensstandard erhalten oder erreichen zu können. Rackert sich jedoch jemand den Hintern ab und bekommt dafür wenig Wertschätzung – vor allem in finanzieller Form – ist die Motivation schnell dahin.

3. Fehlende Sicherheit

Auch wenn es inzwischen üblich ist, alle paar Jahre einen neuen Arbeitgeber zu haben, wünschen die meisten Arbeitnehmer sich dabei Sicherheit. Ständig in der Angst leben zu müssen, dass das Unternehmen schlechte Zahlen schreibt oder es eine Entlassungswelle gibt, lassen die Motivation deutlich sinken. Gerade jetzt zu Zeiten Coronas ist das Bedürfnis nach Sicherheit noch gestiegen. Umso wichtiger ist es, dass Arbeitgeber offen und ehrlich kommunizieren: Die Mitarbeiter müssen wissen, was Sache ist, anstatt sich auf Gerüchte und Hörensagen verlassen zu müssen.

4. Keine Wertschätzung

Wie bereits erwähnt, ist Mitarbeitern eine offene Kommunikation wichtig. Dazu gehört auch eine ordentliche Feedback-Kultur, die auch Platz für Lob lässt. Denn die Arbeitnehmer wünschen sich, dass ihre Arbeit wertgeschätzt wird. Folgen auf ein gelungenes Projekt kein Lob oder eine kleine Belohnung, sondern nur ein Schulterzucken und ungerechtfertigte Kritik, ist es mit der Motivation schnell dahin. Genau deshalb sollte der Punkt Wertschätzung von Arbeitgebern nicht unterschätzt werden.

5. Überarbeitung

Dieser Motivationskiller geht direkt mit dem Punkt Wertschätzung einher: Überstunden und hohes Arbeitsengagement sind für viele Arbeitnehmer keine Seltenheit und werden nicht unbedingt negativ aufgefasst. Wer für seine Tätigkeit brennt, nimmt oft freiwillig die Mehrarbeit in Kauf. Schließlich liegt den Mitarbeitern oft auch viel an den Projekten, an denen sie mitwirken. Wichtig hierbei ist jedoch, dass der Extraeinsatz Wertschätzung erfährt. Wird trotz hohem Engagement immer nur mehr und mehr vom Arbeitgeber gefordert, endet das ganze nicht nur in sinkender Motivation, sondern kann auch ernste psychologische Folgen für die Mitarbeiter haben.

6. Tyrann statt Führungskraft

Viele der hier genannten Motivationskiller haben mit schlechter Führung zu tun und sie gehen oft einher mit diesem hier: Wer als Führungskraft Mikromanagement betreibt, alles besser weiß und sich überall einmischt, weil man den Mitarbeitern nichts zutraut, vergrault seine Angestellten nach und nach. Entscheidungsfreiheit und ein gewisser Grad an Verantwortung lässt die Motivation hingegen steigen. Deshalb sollten Führungskräfte die Zügel lockerer lassen und nicht überall die Nase reinstecken. Umgekehrt sollte es aber auch nicht zu locker zugehen. Die Mitarbeitermotivation sinkt ebenfalls, wenn die Führungsebene scheinbar keinerlei Interesse an der Arbeit der Angestellten zeigt und es nicht schafft, diese für ein Projekt zu begeistern und mitzureißen.

Nachholbedarf in der Führungsebene

Die Motivationskiller zeigen, dass die Mitarbeiterbindung direkt abhängig vom Verhältnis zwischen Vorgesetzten und Angestellten ist. Das Problem dabei? Die meisten Führungskräfte halten sich für gute Chefs (97 Prozent), wie der Gallup-Engagement-Index zeigt. Die Befragung der Angestellten ergab hingegen, dass 69 Prozent Erfahrungen mit schlechten Führungskräften gemacht haben. Heißt, oft merken Chefs nicht einmal, dass es Probleme bei ihrem Führungsstil gibt. Umso wichtiger ist es, dass die hier aufgezählten Punkte reflektiert werden – sowohl durch Selbstreflexion als auch Mitarbeiterbefragungen. Denn auf diese Weise können Problemstellen erkannt und ausgemerzt werden, damit die Motivation der Mitarbeiter steigt und die Bindung zum Unternehmen gestärkt wird.